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Was kostet die Förderung einer Unze Gold? AISC, Cash Costs und die Frage nach der Preisuntergrenze

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Seit dem Rekordhoch Ende Januar 2026 hat der Goldpreis einen erheblichen Teil seines Anstiegs abgegeben und ringt seit Wochen um die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze. Damit kehrt eine Frage zurück, die in Aufwärtsphasen kaum gestellt wird: Wie tief kann der Preis eigentlich fallen, bevor die Minenindustrie ins Straucheln kommt? Die Antwort führt in die Kostenrechnung des Goldbergbaus – zu Cash Costs, All-in Sustaining Costs und der Kostenkurve, die zeigt, wer billig produziert und wer am Rand der Rentabilität arbeitet.

Wichtig vorab: Förderkosten sind kein Preisboden. Sie sind ein Kostenanker, der erklärt, warum das Angebot auf Preisrückgänge nur langsam und verzögert reagiert. Wer diesen Unterschied versteht, bewertet Korrekturphasen nüchterner – und verwechselt eine zyklische Bewegung nicht mit einem strukturellen Bruch.

Warum die Kostenfrage gerade jetzt aufkommt

Der Goldpreis erreichte sein Allzeithoch am 28. Januar 2026. Am Spotmarkt wurden intraday rund 5.589 US-Dollar je Feinunze markiert, die LBMA-Referenzpreise lagen je nach Auktion zwischen etwa 5.405 und 5.502 US-Dollar. Schon dieser Rekord zeigt, dass es keine einzige gültige Zahl gibt, sondern je nach Handelsplatz und Feststellungszeitpunkt eine Spanne. Danach folgte eine der heftigsten Zwischenkorrekturen des laufenden Aufwärtszyklus: Ende Juni fiel die Feinunze kurzzeitig unter 4.000 US-Dollar, die realisierte Schwankungsbreite stieg zeitweise über 50 Prozent. Silber durchlief eine noch extremere Bewegung – von einem Allzeithoch um 118 US-Dollar Ende Januar auf rund 67 US-Dollar Ende März. Ende Juli 2026 pendelt Gold um 4.000 bis 4.100 US-Dollar.

Auslöser waren Gewinnmitnahmen nach einem überdehnten Markt, ein festerer US-Dollar, höhere Anleiherenditen samt veränderten Zinserwartungen in den USA und Umschichtungen aus börsengehandelten Goldprodukten. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran wirkte in beide Richtungen: Er trieb den Preis im Januar erst auf das Rekordhoch und hält seither die Schwankungsbreite hoch. Fundamental hat sich am Bild wenig geändert – die Zentralbanken kauften 2025 netto 848 Tonnen und lagen damit trotz eines Rückgangs um 22 Prozent weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre vor 2022. Aber wenn ein Preis vom Hoch aus um mehr als ein Viertel nachgibt, wollen Anleger wissen, wo die harten wirtschaftlichen Grenzen liegen.

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Genau hier setzt die Kostenanalyse an. Denn anders als bei einer Aktie oder einer Anleihe gibt es bei Gold eine physische Produktionsseite mit realen Ausgaben in Dollar, Rand, Australdollar und Peso. Diese Ausgaben bilden zwar keine Untergrenze für den Preis, aber sie bestimmen, wie lange Minen bei einem gegebenen Preisniveau durchhalten – und ab wann Projekte verschoben, Erzblöcke umgeplant oder Betriebe stillgelegt werden.

Drei Kennzahlen, drei unterschiedliche Wahrheiten

Wer nach den Förderkosten einer Unze Gold sucht, findet Zahlen zwischen 900 und 2.000 US-Dollar. Das liegt nicht an schlampiger Recherche, sondern daran, dass die Branche mit mehreren Kennzahlen arbeitet, die unterschiedlich viel enthalten. Drei sind entscheidend.

Cash Costs – die reinen Betriebskosten am Standort

Die Cash Costs (auch Total Cash Costs) erfassen ausschließlich die direkten Betriebskosten am Minenstandort: Abbau, Transport des Erzes, Aufbereitung und Verhüttung, Personal vor Ort, Energie, Verbrauchsmaterial, Verwaltung am Standort sowie in der Regel Förderabgaben. Nicht enthalten sind Investitionen, Konzernverwaltung, Explorationsausgaben und Rückstellungen für die Rekultivierung.

Cash Costs sind daher die schmeichelhafteste Zahl. Sie beantwortet nur eine einzige Frage: Deckt der laufende Betrieb seine unmittelbaren Ausgaben? Für die Beurteilung, ob eine Mine langfristig überlebt, taugt sie nicht.

All-in Sustaining Costs – der Branchenstandard

Die All-in Sustaining Costs (AISC) wurden 2013 vom World Gold Council als Leitlinie eingeführt, um die Kostenberichterstattung vergleichbar zu machen. Die Definition lautet vereinfacht:

AISC je Unze (Cash Costs + Erhaltungsinvestitionen + Konzernverwaltung) ÷ produzierte Unzen

Hinzu kommen Explorationsausgaben, die zur Aufrechterhaltung der Produktion nötig sind, sowie Rückstellungen für Rekultivierung. Der Kern des Konzepts: AISC soll abbilden, was es kostet, eine Mine am Laufen zu halten – nicht nur, sie einen Monat weiterzubetreiben. In der Praxis liegen die AISC typischerweise 30 bis 50 Prozent über den Cash Costs. Genau deshalb hat die Kennzahl die Cash Costs als Standard für den Unternehmensvergleich verdrängt.

All-in Costs – die vollständige Rechnung

Die All-in Costs gehen noch einen Schritt weiter und addieren Wachstumsinvestitionen: den Bau neuer Minen, Erschließung neuer Erzkörper, Explorationsausgaben abseits bestehender Betriebe, Restrukturierungen und außerplanmäßige Abschreibungen. Diese Kennzahl beschreibt, was ein Unternehmen tatsächlich ausgibt, um nicht nur heute, sondern auch in zehn Jahren Gold zu produzieren. Sie ist die relevanteste Größe für die Frage nach dem langfristigen Angebot – und die am seltensten zitierte.

Die drei Kostenbegriffe im Vergleich
Kennzahl Enthält Beantwortet die Frage
Cash Costs Abbau, Aufbereitung, Personal und Energie vor Ort, Förderabgaben Trägt der laufende Betrieb seine direkten Ausgaben?
AISC Cash Costs + Erhaltungsinvestitionen + Konzernverwaltung + Rekultivierung Lässt sich die Produktion auf dem heutigen Niveau halten?
All-in Costs AISC + Wachstumsinvestitionen, Neubauprojekte, Explorationsausgaben Kann das Unternehmen sein Angebot in Zukunft ersetzen?

Wichtig für die Einordnung

Weder Cash Costs noch AISC sind nach IFRS standardisierte Kennzahlen. Unternehmen berechnen sie unterschiedlich, etwa bei der Behandlung von Nebenmetall-Erlösen aus Silber oder Kupfer. Zahlen verschiedener Anbieter sind deshalb nur eingeschränkt direkt vergleichbar – Datenreihen sollten immer aus derselben Quelle stammen.

Was 2025 passiert ist: AISC plus zwölf Prozent

Die vergangenen Jahre waren für die Kostenseite der Branche unerfreulich. Nach Erhebungen von Metals Focus stiegen die weltweiten All-in Sustaining Costs im Jahr 2025 um zwölf Prozent auf rund 1.552 US-Dollar je Unze – getrieben von allgemeiner Kosteninflation und höheren Steuern beziehungsweise Förderabgaben. Damit setzte sich ein Trend fort, der seit Anfang der 2020er-Jahre anhält: Der World Gold Council hatte bereits für das dritte Quartal 2024 mit 1.456 US-Dollar je Unze den höchsten Wert seiner bis 2010 zurückreichenden Datenreihe gemeldet, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Terrassierter Goldtagebau in der Dämmerung mit spiralförmig abfallenden Abbausohlen
Sinkende Erzgehalte sind der stärkste strukturelle Kostentreiber: Für dieselbe Unze Gold muss immer mehr Material bewegt und aufbereitet werden.

Interessant ist die zeitliche Parallelität: Die Kosten steigen ausgerechnet in einer Phase, in der der Goldpreis Rekorde markiert. Das ist kein Zufall und historisch auch kein Ausnahmefall. Bei hohen Preisen lohnt es sich, geringhaltigere Erzblöcke in den Abbauplan aufzunehmen, die bei niedrigeren Preisen unwirtschaftlich wären. Das erhöht die Produktion in Unzen – und die Kosten je Unze. Zugleich verschaffen hohe Preise Spielraum für aufgeschobene Investitionen und Lohnrunden. Steigende AISC sind also teilweise Folge und nicht nur Ursache der Preisentwicklung.

Ein zweiter Punkt relativiert die Sorge um die Kostenspirale: Trotz Rekordkosten war laut World Gold Council im dritten Quartal 2024 rund 97 Prozent der primären Goldproduktion profitabel. Bei Preisen um 4.000 US-Dollar liegt die Branche im Durchschnitt weiterhin mit erheblichem Abstand über ihren Vollkosten.

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Die Kostenkurve: erstes bis viertes Quartil

Ein Durchschnitt verdeckt das Wesentliche. Die Minenindustrie ist keine homogene Masse, sondern verteilt sich entlang einer Kostenkurve – von hochgradigen, gut erschlossenen Betrieben in politisch stabilen Regionen bis zu alten Untertagebetrieben mit langen Fahrwegen und dünnen Erzgehalten.

Um diese Verteilung zu beschreiben, sortiert die Branche alle Betriebe nach ihren AISC und teilt sie in vier gleich große Produktionsblöcke, die sogenannten Quartile – nicht zu verwechseln mit dem Quartal als Zeitraum. Auswertungen der produktionsgewichteten Kostenkurve auf Basis von Daten des World Gold Council und von Metals Focus zeigen für das Ende des Jahres 2025 eine beachtliche Spannweite:

  • Erstes Quartil: AISC unterhalb von etwa 1.200 US-Dollar je Unze. Hier finden sich die kostenführenden Betriebe – häufig große Tagebaue mit hohen Durchsatzmengen oder Minen mit relevanten Nebenmetall-Erlösen.
  • Median: rund 1.709 US-Dollar je Unze zum vierten Quartal 2025. Zum Vergleich: 2020 lag der Median noch bei etwa 1.000 US-Dollar. Der Anstieg um gut 70 Prozent binnen fünf Jahren geht auf Löhne, Diesel und preisgebundene Förderabgaben zurück.
  • Viertes Quartil: AISC oberhalb von etwa 1.800 US-Dollar je Unze. Diese Betriebe brauchen einen Goldpreis in dieser Höhe, nur um den laufenden Betrieb samt Erhaltungsinvestitionen zu tragen – bei ihnen entscheidet sich, ob Angebot vom Markt genommen wird.

Dass der Median mit 1.709 US-Dollar über dem von Metals Focus ausgewiesenen Jahresdurchschnitt von 1.552 US-Dollar liegt, ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis auf die Tücken der Datenlage: Jahresmittel, Quartalsstichtage und die Gewichtung nach Produktionsmenge führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Auch regional fallen die Kosten auseinander. Der World Gold Council wies für das dritte Quartal 2024 folgende Durchschnitte aus:

  • Südamerika: rund 1.197 US-Dollar je Unze – die günstigste Region der Erhebung.
  • Ozeanien: rund 1.464 US-Dollar je Unze, belastet durch höhere Erhaltungsinvestitionen.
  • Nordamerika: rund 1.508 US-Dollar je Unze, im Jahresvergleich nahezu unverändert.
  • Afrika: rund 1.532 US-Dollar je Unze, ein Plus von 14 Prozent binnen eines Jahres – Folge von Produktionsausfällen und Betriebsunterbrechungen etwa in Mali und Ghana.

Auf Unternehmensebene wird die Spreizung noch anschaulicher:

AISC ausgewählter Produzenten und Regionen (Unternehmens- und Branchenangaben)
Produzent oder Region AISC (USD je Unze) Zeitraum
Agnico Eagle1.3733. Quartal 2025
Barrick1.5383. Quartal 2025
Barrick (Jahresprognose)1.460 bis 1.560Geschäftsjahr 2025
Newmont (Jahresprognose)rund 1.630 (2024: 1.516)Geschäftsjahr 2025
Durchschnitt Kanada1.5132024
Durchschnitt USA1.7162024

Zwischen dem ersten und dem vierten Kostenquartil liegen damit rund 600 US-Dollar je Unze, zwischen einzelnen Betrieben noch mehr. Für den Anleger bedeutet das: Eine Aussage wie „Gold kostet in der Produktion X Dollar“ ist immer eine Vereinfachung. Wer über Minenaktien nachdenkt, findet in unserem Vergleich Goldaktien oder physisches Gold die anlagebezogene Einordnung dieser Unterschiede.

Was die Kosten nach oben treibt

Die Kostenentwicklung im Goldbergbau folgt einer Handvoll wiederkehrender Faktoren. Sie erklären, warum die Branche auch bei technischem Fortschritt kaum billiger produziert.

Schwerer Muldenkipper mit Erzladung auf einer staubigen Rampe im Morgenlicht
Diesel, Reifen, Sprengstoff und Personal: Ein großer Teil der Kostenbasis reagiert direkt auf Energiepreise und Lohninflation.
  • Sinkende Erzgehalte: Der stärkste strukturelle Treiber. Leicht zugängliche, hochgradige Lagerstätten sind weitgehend abgebaut. Wer heute Gold fördert, verarbeitet mehr Tonnen Gestein für dieselbe Unze – mit entsprechend höherem Energie-, Wasser- und Chemikalieneinsatz.
  • Energie: Diesel für Muldenkipper, Strom für Mühlen und Belüftung. Wie stark dieser Block schwankt, zeigt das laufende Jahr: Brent notierte im Frühjahr 2026 im Zuge des Konflikts mit dem Iran über 120 US-Dollar je Barrel, Anfang Juli um 72 US-Dollar und Ende Juli wieder bei rund 88 US-Dollar. Abgelegene Standorte mit eigener Stromerzeugung spüren solche Sprünge unmittelbar.
  • Löhne und Fachkräfte: Qualifiziertes Personal ist knapp, Sicherheitsstandards steigen. In den USA legten die Lohnkosten im Goldbergbau nach Auswertungen von S&P Global 2024 um knapp elf Prozent zu, die Stromkosten um rund 16 Prozent – zusammen gut 49 US-Dollar je Unze zusätzlich.
  • Förderabgaben und Steuern: Viele Staaten koppeln Royalties an den Metallpreis. Steigt Gold, steigt die Abgabe. Der World Gold Council bezifferte die durchschnittlichen Abgaben und Bergbausteuern für das dritte Quartal 2024 auf 90 US-Dollar je Unze – ein Plus von 31 Prozent binnen eines Jahres. Ein Teil jedes Preisanstiegs wird auf diesem Weg automatisch abgeschöpft.
  • Erhaltungsinvestitionen: Der am schnellsten wachsende Posten. Die geschätzten Sustaining-Capex je Unze lagen im dritten Quartal 2024 bei 303 US-Dollar und damit rund 50 Prozent über dem Vorjahreswert. Höhere Erlöse werden also unmittelbar in die Instandhaltung alternder Anlagen zurückgeführt.
  • Regulierung und Rekultivierung: Anforderungen an Absetzanlagen, Wasserhaushalt und Renaturierung sind strenger geworden. Diese Kosten fallen zum Teil erst nach dem Ende des Abbaus an, müssen aber laufend zurückgestellt werden.
  • Währungen: Kosten entstehen in Landeswährung, Erlöse in US-Dollar. Ein schwacher Rand oder Australdollar entlastet die AISC südafrikanischer und australischer Produzenten – unabhängig von jeder betrieblichen Verbesserung.

Warum Förderkosten kein Preisboden sind

Hier liegt das häufigste Missverständnis. Der Gedankengang klingt plausibel: Wenn die Produktion 1.552 Dollar kostet, kann der Preis nicht dauerhaft darunter fallen, weil sonst niemand mehr fördert. In der Praxis funktioniert das aus mehreren Gründen nicht.

  1. Der Preis bildet sich am Bestand, nicht an der Jahresproduktion. Über die Menschheitsgeschichte wurden schätzungsweise mehr als 200.000 Tonnen Gold gefördert, die praktisch vollständig noch existieren. Die Minenproduktion eines Jahres erreichte 2025 mit rund 3.817 Tonnen einen Rekordwert – das entspricht aber nur etwa zwei Prozent des vorhandenen Bestands. Preise entstehen dort, wo dieser Bestand gehandelt wird.
  2. Minen können nicht einfach abschalten. Eine Stilllegung kostet Geld, eine Wiederaufnahme noch mehr. Solange der Preis über den Cash Costs liegt, wird in der Regel weiterproduziert – Erhaltungsinvestitionen werden verschoben, nicht der Betrieb eingestellt. Die AISC-Marke wird also unterschritten, lange bevor Angebot vom Markt verschwindet.
  3. Anpassungen dauern Jahre. Von der Entscheidung bis zur ersten Unze aus einem neuen Projekt vergeht typischerweise ein Jahrzehnt. Umgekehrt wirken Kürzungen bei Exploration und Projektentwicklung erst mit langer Verzögerung auf die Fördermengen. Mehr dazu in unserem Artikel zum Fördermaximum und Minenangebot.
  4. Das Recycling reagiert träge. Auch das Altgold-Angebot folgt dem Preis nur gedämpft: 2025 stieg es lediglich um 2,8 Prozent auf rund 1.404 Tonnen – trotz Rekordpreisen, weil viele Eigentümer in unsicheren Zeiten gerade nicht verkaufen wollen.

Der Kostenanker in einem Satz

Förderkosten setzen keine Untergrenze für den Preis, aber sie zeigen, wie viel Druck die Angebotsseite aushält. Fällt der Preis nachhaltig in die Region des vierten Kostenquartils, werden zuerst Investitionen gestrichen, dann Erzblöcke umgeplant und erst zuletzt Betriebe geschlossen. Die Wirkung auf die Fördermengen setzt Jahre später ein – und trifft dann auf einen Markt, der sich längst weiterbewegt hat.

Was Anleger konkret daraus mitnehmen

Die Kostenrechnung der Minenindustrie ist kein Handelssignal. Sie ist ein Werkzeug zur Einordnung – und in dieser Rolle nützlich.

Flüssiges Gold wird in einer dunklen Raffinerie aus dem Tiegel in eine Barrenform gegossen
Vom Erz zum Barren: Erst am Ende einer langen Kette aus Exploration, Abbau, Aufbereitung und Raffination steht das Produkt, das Anleger in der Hand halten.

Für den Käufer physischer Ware

Wer Barren oder Münzen erwirbt, kauft ein Stück des vorhandenen Bestands, nicht die Jahresproduktion. Die AISC sind für ihn kein Kaufargument, aber ein Argument gegen Panik: Ein Markt, dessen Produzenten im Mittel deutlich über 1.500 US-Dollar je Unze aufwenden müssen, hat langfristig einen anderen Charakter als ein beliebig vermehrbares Gut. Relevanter für die eigene Rechnung sind ohnehin die Handelskosten – der Aufschlag auf den Spotpreis, der bei Goldbarren mit steigender Stückelung sinkt und bei kleinen Goldmünzen naturgemäß höher liegt.

Für den Beobachter der Angebotsseite

  • Achten Sie in Quartalsberichten weniger auf die Cash Costs als auf AISC und die Höhe der Erhaltungsinvestitionen. Sinkende Sustaining-Capex bei stabilen AISC sind oft ein Aufschub, keine Effizienzsteigerung.
  • Vergleichen Sie Unternehmen nur innerhalb derselben Datenquelle und desselben Zeitraums – Definitionen und Nebenmetall-Verrechnungen unterscheiden sich.
  • Beobachten Sie die Differenz zwischen Preis und Median-AISC. Sie ist ein Indikator für den Investitionsspielraum der Branche und damit für das Angebot in fünf bis zehn Jahren.

Die aktuelle Nachrichtenlage zur Kostenentwicklung und zum Minensektor liefert zusätzlichen Kontext:

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Physische Stückelungen im Überblick

Unabhängig von der Kostendiskussion bleibt die praktische Frage, in welcher Form physisches Gold gehalten wird. Größere Barren wie der 100-Gramm-Goldbarren von Umicore bieten den geringeren Aufschlag, klassische Anlagemünzen wie der Krügerrand oder der Maple Leaf dafür bessere Teilbarkeit und weltweite Wiedererkennbarkeit. Kettner Edelmetalle prüft alle Produkte nach ISO-konformen Verfahren auf Echtheit, bevor sie versichert versandt werden.

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Häufige Fragen zu den Förderkosten von Gold

Was kostet die Förderung einer Unze Gold aktuell?

Nach Erhebungen von Metals Focus lagen die weltweiten All-in Sustaining Costs 2025 bei rund 1.552 US-Dollar je Unze, ein Anstieg von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die produktionsgewichtete Median-AISC der Kostenkurve für das vierte Quartal 2025 wird mit etwa 1.709 US-Dollar je Unze angegeben. Einzelne Produzenten weichen deutlich ab: Agnico Eagle wies für das dritte Quartal 2025 rund 1.373 US-Dollar aus, Barrick rund 1.538 US-Dollar, Newmont erwartete für das Gesamtjahr 2025 etwa 1.630 US-Dollar.

Was ist der Unterschied zwischen Cash Costs und AISC?

Cash Costs erfassen nur die direkten Betriebskosten am Minenstandort. Die AISC addieren Erhaltungsinvestitionen, Konzernverwaltung, produktionserhaltende Exploration und Rückstellungen für die Rekultivierung. Dadurch liegen die AISC typischerweise 30 bis 50 Prozent über den Cash Costs und geben ein realistischeres Bild der Wirtschaftlichkeit.

Bilden die Förderkosten eine Untergrenze für den Goldpreis?

Nein. Der Preis bildet sich am gesamten oberirdischen Bestand von mehr als 200.000 Tonnen, während die Jahresproduktion nur etwa zwei Prozent davon ausmacht. Zudem produzieren Minen weiter, solange der Preis über den Cash Costs liegt. Förderkosten wirken deshalb als Kostenanker, der Angebotsreaktionen über Jahre erklärt – nicht als Boden für den Tageskurs.

Warum steigen die Förderkosten, wenn der Goldpreis steigt?

Bei hohen Preisen werden geringhaltigere Erzblöcke wirtschaftlich und in den Abbauplan aufgenommen. Das erhöht die geförderte Menge, aber auch die Kosten je Unze. Zusätzlich sind viele Förderabgaben an den Metallpreis gekoppelt, und höhere Erlöse schaffen Spielraum für aufgeschobene Investitionen und Lohnerhöhungen.

Was bedeutet das erste beziehungsweise vierte Kostenquartil?

Die Branche wird nach AISC je Unze sortiert und in vier gleich große Produktionsblöcke geteilt. Auswertungen auf Basis von Daten des World Gold Council und von Metals Focus verorten die kostengünstigsten 25 Prozent der Produktion Ende 2025 unterhalb von etwa 1.200 US-Dollar je Unze, das vierte Quartil oberhalb von rund 1.800 US-Dollar. Betriebe im vierten Quartil benötigen also einen Goldpreis von mindestens etwa 1.800 US-Dollar, nur um den laufenden Betrieb samt Erhaltungsinvestitionen zu tragen. Sie geraten bei Preisrückgängen zuerst unter Druck.

Sind AISC-Angaben verschiedener Unternehmen direkt vergleichbar?

Nur eingeschränkt. AISC ist keine nach IFRS standardisierte Kennzahl. Unternehmen unterscheiden sich unter anderem darin, wie sie Erlöse aus Nebenmetallen wie Silber oder Kupfer verrechnen und welche Investitionen sie als erhaltend statt als wachstumsorientiert einordnen. Für Vergleiche sollten Zahlen aus derselben Datenquelle und demselben Berichtszeitraum verwendet werden.

Was sagen die Kosten über das künftige Goldangebot?

Die Minenproduktion erreichte 2025 mit rund 3.817 Tonnen einen Rekord, für 2026 werden etwa 3.907 Tonnen erwartet. Trotz historisch hoher Preise wächst das Angebot damit nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das zeigt, wie stark Kostendruck, Genehmigungsverfahren und lange Projektlaufzeiten die Reaktionsfähigkeit der Branche begrenzen.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Genannte Kosten- und Preisangaben beziehen sich auf die zitierten Quellen und den Stand Juli 2026. Kurse und Kennzahlen können sich jederzeit ändern.

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