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Kettner Edelmetalle

Milchflecken auf Silbermünzen: Ursachen, Wertminderung und was beim Rückkauf wirklich zählt

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Es ist der Moment, den kein Silberkäufer mag: Die Masterbox ist geöffnet, die Tube aufgedreht – und auf mehreren Unzen liegt ein weißlicher Schleier, als hätte jemand Milch darüber getropft und eintrocknen lassen. Milchflecken zählen zu den häufigsten Beanstandungen im Anlagesilber und gehören zugleich zu den Themen, über die am wenigsten sauber aufgeklärt wird. Dieser Artikel erklärt, wo die Flecken herkommen, warum sie sich nicht seriös entfernen lassen, was sie beim Ankauf tatsächlich bedeuten – und mit welcher Lagerung Sie das Risiko klein halten.

Was Milchflecken sind – und was sie nicht sind

Milchflecken, im Englischen milk spots oder white spots, sind trüb-weiße, oft leicht durchscheinende Verfärbungen auf der Oberfläche von Silbermünzen. Sie reichen von winzigen Sprenkeln, die tatsächlich an Milchspritzer erinnern, bis zu flächigen Schleiern, die halbe Münzseiten überziehen und im Streiflicht wie Kalkränder wirken. Charakteristisch ist ihre helle Farbe – genau daran unterscheidet man sie zuverlässig von der grauen bis schwarzen Verfärbung angelaufenen Silbers.

Wichtig für die Einordnung: Milchflecken sind kein Schmutz, keine Auflage und kein Hinweis auf minderwertiges Metall. Sie sitzen in der obersten Schicht der Münzoberfläche, gehen nicht in die Tiefe und verändern weder Feingewicht noch Feingehalt. Eine Unze Feinsilber bleibt eine Unze Feinsilber, auch wenn sie fleckig ist. Wer Silber als Substanzwert hält, hat also kein materielles Problem – sondern ein optisches.

Ein zweites Merkmal macht die Sache tückisch: Milchflecken sind zeitversetzt. Sie können bereits beim Auspacken sichtbar sein, aber ebenso erst nach Wochen, Monaten oder Jahren auftauchen – auch in ungeöffneten Originaltubes und in versiegelten Kapseln. Der Defekt ist zu diesem Zeitpunkt längst angelegt, er wird nur erst später sichtbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Milchflecken entstehen mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits im Produktionsprozess der Prägestätte.
  • Betroffen sind fast ausschließlich moderne Münzen mit hohem Feingehalt; Barren und alte Kurantmünzen deutlich seltener.
  • Der Metallwert bleibt unberührt; bei Anlagemünzen kaufen die meisten Händler regulär an.
  • Bei Sammlerqualitäten und Polierter Platte führen sie fast immer zu deutlichen Abschlägen.
  • Kein getestetes Hausmittel entfernt ausgeprägte Milchflecken, ohne neue Schäden zu hinterlassen.

Wie Milchflecken entstehen: der Blick in die Prägestätte

Die ehrliche Antwort zuerst: Die Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. Weder die Royal Canadian Mint noch die Perth Mint haben je eine vollständige Erklärung veröffentlicht. Weitgehende Einigkeit besteht in der Branche aber darüber, dass der Defekt im Herstellungsprozess angelegt wird und nicht beim Käufer entsteht. Dafür sprechen mehrere Beobachtungen, die sich immer wieder bestätigen: Die Flecken treten auch in ungeöffneter Originalverpackung auf, sie verteilen sich innerhalb einer Charge unregelmäßig, und sie betreffen fast ausschließlich geprägte Feinsilberware.

Silberronden auf einem Förderband in einer Prägestätte vor dem Glühofen
Vor der Prägung durchlaufen die Ronden – die runden Metallrohlinge – Waschbäder und einen Glühofen. Hier vermuten Fachleute den Ursprung der Milchflecken.

Der Waschgang vor dem Glühen

Bevor eine Silberronde – so nennt die Branche die runde, noch unbeprägte Metallscheibe, aus der später die Münze wird – unter den Stempel kommt, wird sie mehrfach behandelt: Beim Ausstanzen und Walzen kommen Schmier- und Ziehmittel zum Einsatz, danach folgen chemische Reinigungsbäder, die für den hochglänzenden Grund sorgen. Anschließend werden die Ronden geglüht und wieder abgekühlt, damit das Metall nicht spröde wird und den Prägedruck sauber aufnimmt.

Genau in dieser Kette liegt der wunde Punkt. Werden Reinigungs- und Trennmittelreste vor dem Glühen nicht vollständig entfernt, brennen sie beim Erhitzen regelrecht in die Oberfläche ein. Zurück bleiben mikroskopische Rückstände, die später mit Luftbestandteilen und Feuchtigkeit reagieren. Die Perth Mint geht davon aus, dass sich dabei unter anderem winzige Silberchlorid-Kristalle bilden, die das Licht diffus streuen – was das Auge als milchigen Schleier wahrnimmt.

Warum hoher Feingehalt ein Risikofaktor ist

Milchflecken sind ein Phänomen der Moderne. Sie tauchten erstmals gegen Ende der 1980er Jahre auf, prominent auf dem seit 1988 geprägten kanadischen Maple Leaf. Alte Kurantmünzen aus Silberlegierungen – etwa Kaiserreich-Silber mit 900er oder 5-DM-Stücke mit 625er Feingehalt – kennen das Problem praktisch nicht.

Der Grund liegt in der Zusammensetzung. Legierungssilber enthält Kupfer, das die Oberfläche härter und chemisch träger macht; es läuft an, aber es trübt nicht milchig ein. Modernes Anlagesilber mit 999er oder 999,9er Feingehalt ist dagegen weich, extrem reaktionsfreudig und wird zudem mit spiegelnden Feldern geprägt, auf denen jede Unregelmäßigkeit sofort auffällt. Je feiner das Silber und je glatter der Grund, desto sichtbarer wird der Defekt.

Warum Barren seltener betroffen sind

Ein aufschlussreiches Detail: Über Barren wird deutlich seltener berichtet als über Münzen. Und selbst innerhalb einer Charge sind meist nur einzelne Stücke betroffen, nicht die ganze Lieferung. Das spricht gegen das Metall als Ursache und für die Prozesskette rund um die Prägung: Waschanlage, Handhabung der Ronden, Werkzeug an der Presse. Ausgeschlossen ist das Phänomen bei Barren allerdings nicht; einzelne Händler berichten auch dort von Trübungen, vor allem bei geprägter statt gegossener Ware. Wer statt Münzen Silberbarren kauft, verringert das Risiko also, handelt sich aber andere Nachteile ein, etwa die schlechtere Teilbarkeit im Kleinen.

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Milchflecken, Tonung, Anlaufen: drei Dinge, die oft verwechselt werden

Im Kundenservice landen regelmäßig Reklamationen, bei denen gar keine Milchflecken vorliegen. Die drei häufigsten Oberflächenveränderungen an Silber haben unterschiedliche Ursachen – und völlig unterschiedliche Folgen für den Wert.

Zwei Silbermünzen nebeneinander: links farbige Tonung am Rand, rechts milchig-weiße Trübung
Links eine natürlich getonte Münze mit warmen Farbrändern, rechts die typisch kreidige Trübung eines Milchflecks.
Oberflächenveränderungen an Silbermünzen im Vergleich
Merkmal Milchflecken Tonung (Patina) Anlaufen
Aussehen Kreidig weiß, trüb, unregelmäßig begrenzt Gold-, blau-, violettfarbene Schimmer, meist vom Rand her Gelblich bis grau, später tiefschwarz
Ursache Rückstände aus dem Prägeprozess Langsame Reaktion mit Luft und Schwefelverbindungen Schwefel, Feuchtigkeit, Hautfette, aggressive Umgebung
Beeinflussbar durch Lagerung Kaum Teilweise Deutlich
Entfernbar Praktisch nicht ohne Schaden Möglich, meist unerwünscht Bei Bullion in Grenzen möglich
Bewertung am Markt Optischer Mangel Bei Sammlern teils erwünscht Bei Bullion tolerierbar, bei Sammlern störend

Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei: Eine gleichmäßig getonte Münze kann auf dem Sammlermarkt sogar einen Aufschlag erzielen, weil viele Sammler die Farbspiele schätzen. Ein Milchfleck dagegen gilt durchgehend als Fehler. Und angelaufenes Silber lässt sich in vielen Fällen behandeln – Milchflecken nicht. Wer beim Reinigen unsicher ist, findet die Grundregeln in unserem Beitrag zum Thema Gold- und Silbermünzen reinigen ohne Werterhalt zu gefährden.

Warum sich Milchflecken nicht seriös entfernen lassen

Kaum ein Thema produziert im Netz so viele Ratschläge – und so viele beschädigte Münzen. In einer dokumentierten Testreihe wurden acht gängige Hausmittel systematisch an betroffenen Münzen ausprobiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Keine der Methoden entfernte ausgeprägte Milchflecken vollständig. Mehrere verschlimmerten den Zustand.

  • Radiergummi: hinterließ eine deutlich sichtbare Abriebfläche, die stärker auffiel als der ursprüngliche Fleck.
  • Zahncreme: erzeugte kräftige Kratzer, die Flecken blieben sichtbar. Enthaltene Putzkörper wirken wie Schleifmittel.
  • Silberputztuch: erzeugte Polierstreifen und den typischen matten Glanz, der Kennern sofort verrät, dass eine Münze bearbeitet wurde.
  • Natronpulver: reduzierte leichte Flecken teils ohne sichtbare Kratzer – bei intensiverer Anwendung entstanden jedoch klare Schäden.
  • Silbertauchbad: schwächte den Fleck minimal ab, entfernte ihn nicht.
  • Zitronensäure: zeigte selbst nach 24 Stunden Einwirkzeit keinerlei Wirkung.
  • Phosphorsäure aus Cola: ohne jeden Effekt.
  • Ammoniaklösung: hinterließ großflächige rotbraune Verfärbungen, die Flecken blieben.

Dahinter steckt eine simple Logik: Ein Milchfleck sitzt nicht auf der Münze, sondern in der obersten Metallschicht. Wer ihn wegbekommen will, muss Material abtragen – und tauscht damit einen Makel gegen einen anderen. Aus einem produktionsbedingten Fehler, den jeder Händler kennt und einordnet, wird eine geputzte Münze. Und geputzte Münzen sind im Erhaltungsgrad dauerhaft herabgestuft.

Regel für die Praxis

Wer eine gereinigte Münze weitergibt, sollte sie als „geputzt“ oder „berieben“ kennzeichnen. Verschwiegene Bearbeitung fällt spätestens bei der Ankaufsprüfung unter guter Beleuchtung auf – und beschädigt dann nicht nur den Preis, sondern das Vertrauen.

Was Milchflecken beim Ankauf tatsächlich kosten

Jetzt zur Frage, die für Anleger wirklich zählt. Die Antwort fällt je nach Münzgattung völlig unterschiedlich aus – und daran scheitern die meisten pauschalen Aussagen im Netz.

Anlagemünzen: meist kein oder nur ein geringer Abschlag

Bei klassischen Bullionmünzen bemisst sich der Ankaufspreis nach Gewicht und Feingehalt, nicht nach Schönheit. Die überwiegende Zahl der Händler kauft eine Unze Silber mit Milchflecken deshalb zum regulären Kurs an. Das ist allerdings keine Rechtspflicht, sondern eine Ermessensentscheidung des jeweiligen Hauses. Einzelne Händler stufen betroffene Stücke als zweite Wahl ein und ziehen einen Abschlag ab. Die natürliche Untergrenze bildet in diesem Fall der Schmelzpreis, also der Kurs für Altsilber – tiefer kann eine unbeschädigte Unze wirtschaftlich nicht fallen, weil das Metall jederzeit einer Scheideanstalt zugeführt werden kann.

Praktisch relevant wird der Unterschied vor allem bei größeren Posten. Wer eine komplette Masterbox verkauft, sollte vorher klären, wie der Ankäufer mit fleckigen Stücken umgeht – das ist eine Frage von zwei Sätzen am Telefon und erspart Diskussionen bei der Abrechnung.

Sammlerqualitäten: deutliche Abschläge

Anders sieht es aus, sobald ein numismatischer Aufschlag im Spiel ist. Bei Polierter Platte, Proof-Ausgaben, limitierten Serien und gekapselten Erstausgaben ist der makellose Zustand ein wesentlicher Teil des Preises. Ein sichtbarer Milchfleck auf einem spiegelnden Feld zieht hier fast immer einen spürbaren Abschlag nach sich, und bei zertifizierten Münzen kann er zusätzlich die Bewertung im Grading beeinflussen. Faustregel: Je höher das Aufgeld über dem Materialwert, desto stärker schlägt ein optischer Mangel durch.

Was das für die Kaufentscheidung bedeutet

  1. Wer Silber als Substanzwert hält, kann Milchflecken sportlich nehmen – der Metallwert bleibt unangetastet.
  2. Wer auf Sammlerwert setzt, sollte Kapselware und Erstausgaben besonders sorgfältig prüfen und lagern.
  3. Wer beides mischt, sollte die Bestände getrennt aufbewahren und dokumentieren, was wann gekauft wurde.
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Welche Münzen betroffen sind – und was die Prägestätten tun

Grundsätzlich kann jede moderne Silbermünze Milchflecken entwickeln. In der Praxis berichten Anleger jedoch überdurchschnittlich häufig von bestimmten Serien. Dazu zählen der Silber Maple Leaf – vor allem Jahrgänge vor 2015 –, die Britannia, Ausgaben der Queen's-Beasts-Reihe sowie der Wiener Philharmoniker. Auch das Silber-Känguru der Perth Mint und der Silber-Krügerrand sind nicht immun.

Das Muster ist kein Qualitätsurteil über einzelne Prägeanstalten, sondern schlicht eine Frage der Stückzahlen: Wo Millionen Unzen im Jahr geprägt werden und Millionen Anleger genau hinschauen, fallen auch mehr Fälle auf. Zwei Häuser haben sichtbar reagiert:

  • Royal Canadian Mint: stellte im Februar 2018 auf der World Money Fair in Berlin die Technologie MINTSHIELD vor und wendet sie seither auf den Silber Maple Leaf an. Die genaue Rezeptur bleibt unveröffentlicht. Nach Angaben der Prägeanstalt zeigten behandelte Münzen in beschleunigten Alterungstests unter Wärme und Feuchtigkeit keine weißen Flecken. Die Rückmeldungen aus dem Markt sind seither überwiegend positiv – eine hundertprozentige Garantie gibt die Mint jedoch nicht.
  • Perth Mint: setzt vor allem auf Prozessverbesserungen – bessere Luftfilterung in der Produktion, häufigere Maschinenreinigung, konsequenteres Entfernen von Öl- und Wasserrückständen.

Für die Kaufpraxis heißt das: Wer das Risiko minimieren möchte, greift eher zu aktuellen Jahrgängen als zu älteren Lagerbeständen. Ein Ausschlusskriterium sollte das Thema aber nicht sein – dafür ist das Auftreten schlicht zu unvorhersehbar.

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Lagerung: so halten Sie das Risiko klein

Eine ehrliche Vorbemerkung: Da der Defekt in der Prägestätte angelegt wird, kann keine Lagerung ihn zuverlässig verhindern. Milchflecken sind auch schon in ungeöffneten Originalverpackungen aufgetaucht. Was gute Lagerung leistet, ist etwas anderes – sie entzieht der späteren Reaktion die Auslöser: Luftfeuchtigkeit, Schwefelverbindungen, Staub und Hautfette. Und sie schützt zuverlässig vor Anlaufen und mechanischen Schäden, die den Werterhalt oft stärker treffen als der Schleier selbst.

Münztubes, Münzkapseln, ein Trockenmittelbeutel und Baumwollhandschuhe in einem geöffneten Tresor
Kapsel, Tube, Trockenmittel, Handschuhe: Die Grundausstattung für den Werterhalt kostet wenig und wirkt sofort.
  • Nie mit bloßen Fingern anfassen. Hautfett und Salz sind der stärkste vermeidbare Beschleuniger. Baumwollhandschuhe nutzen, Münzen immer am Rand halten.
  • Originalverpackung respektieren. Tubes und versiegelte Masterboxen sind kein Zufallsprodukt – sie halten Staub und Luftbewegung fern. Ungeöffnet ist im Zweifel besser als schön arrangiert.
  • Kapseln für Einzelstücke. Für Münzen mit Sammlerwert lohnen passgenaue Münzkapseln, die die Oberfläche berührungsfrei einschließen.
  • Trocken lagern. Ein Silikagel-Beutel im Tresor oder in der Kassette senkt die relative Luftfeuchte spürbar. Beutel regelmäßig tauschen oder regenerieren.
  • Falsche Materialien meiden. Weich-PVC, Gummibänder, Zeitungspapier, Filz und lackierte Holzkassetten geben Weichmacher oder Schwefel ab. Inertes Material ist Pflicht.
  • Keller und Dachboden meiden. Temperaturwechsel führen zu Kondenswasser direkt auf dem Metall – der ungünstigste denkbare Zustand.
  • Vakuumieren für Langfristbestände. Wer Tubes einschweißt, entzieht der Reaktion die Luftfeuchtigkeit dauerhaft. Der Nachteil ist offensichtlich: Ansehen geht dann nicht mehr.

Wie Kapseln, Tubes und Etuis im Detail zusammenspielen, haben wir im Beitrag Münzkapseln und Zubehör: Münzen richtig schützen aufgeschlüsselt.

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Reklamation, Umtausch, Rückgabe: die Lage nüchtern betrachtet

Einen gesetzlichen Anspruch auf Rückgabe einer Silbermünze allein wegen Milchflecken gibt es in aller Regel nicht – weder gegenüber Händlern noch im Privatverkauf. Die Begründung ist konsistent: Der Handel schuldet eine Anlagemünze in üblicher Bullion-Qualität mit garantiertem Feingewicht und Feingehalt, nicht eine numismatisch fehlerfreie Oberfläche. Auch das Widerrufsrecht hilft hier meist nicht weiter: Bei Edelmetallkäufen, deren Preis an den Tageskurs gekoppelt ist, ist der Widerruf nach § 312g Abs. 2 Nr. 8 BGB regelmäßig ausgeschlossen, weil der Preis von Schwankungen auf dem Finanzmarkt abhängt. Wie ein Anbieter das konkret handhabt, steht in seinen AGB – lesen Sie die Bedingungen vor der Bestellung.

In der Praxis handhaben viele Händler das Thema kulant und tauschen betroffene Stücke aus. Andere lehnen mit dem Hinweis ab, Milchflecken seien bei Anlagesilber marktüblich. Beides ist zulässig. Drei Punkte helfen Ihnen weiter:

  1. Vor dem Kauf fragen, wie der Anbieter mit Milchflecken umgeht – besonders bei großen Posten und bei Ware mit Sammleraufschlag.
  2. Bei Erhalt dokumentieren: Fotos unter neutralem Licht, Aufnahme der Verpackung, Datum. Das ist die Grundlage jeder späteren Klärung.
  3. Zeitnah melden. Wer sich Monate später meldet, kann nicht mehr belegen, ob die Flecken bereits bei Lieferung vorhanden waren.

Ein Hinweis in eigener Sache, ohne Werbeton: Als reiner Online-Händler prüft Kettner Edelmetalle jede Ankaufsposition nach einem standardisierten Verfahren. Maßgeblich sind dabei Feingewicht, Feingehalt und der Gesamtzustand des Stücks; bei Ware mit Sammleraufschlag entscheidet der Einzelfall. Wie eine konkrete Position bewertet wird, klären Sie am besten vorab direkt mit dem Ankauf.

Fazit: ein Schönheitsfehler mit begrenzter Wirkung

Milchflecken sind ärgerlich, weil sie ein Produkt entwerten, das nach Perfektion aussehen soll. Wirtschaftlich sind sie bei Anlagesilber jedoch ein überschaubares Thema: Das Metall bleibt, was es ist, und der Ankauf orientiert sich an Gewicht und Feingehalt. Kritisch wird es erst dort, wo ein Sammleraufschlag bezahlt wurde – dort ist der optische Zustand ein Preisbestandteil.

Die drei praktischen Konsequenzen: Finger weg von Reinigungsexperimenten, sauber und trocken lagern, und beim Kauf größerer Posten die Ankaufspolitik des Händlers vorher klären. Wer Silber als langfristigen Sachwert versteht, wird den milchigen Schleier mit der Zeit als das sehen, was er ist – eine Eigenheit moderner Feinsilberprägung, kein Substanzverlust. Einen Überblick über das gesamte Sortiment finden Sie in der Kategorie Silbermünzen.

Häufige Fragen zu Milchflecken auf Silbermünzen

Wie erkenne ich Milchflecken sicher?

Milchflecken sind weiß bis grauweiß, wirken kreidig-trüb und haben unregelmäßige, verlaufende Ränder. Sie erscheinen im Streiflicht am deutlichsten. Angelaufenes Silber ist dagegen gelblich, grau oder schwarz, natürliche Tonung schimmert golden, blau oder violett. Prüfen Sie unter neutralem Tageslicht und kippen Sie die Münze langsam – ein Milchfleck bleibt hell, eine Tonung wechselt die Farbe.

Kann ich Milchflecken selbst entfernen?

Von Reinigungsversuchen ist abzuraten. Systematische Tests mit Radiergummi, Zahncreme, Putztuch, Tauchbad, Zitronensäure, Phosphorsäure und Ammoniak haben gezeigt, dass ausgeprägte Milchflecken nicht vollständig verschwinden. Mehrere Methoden verursachen Kratzer, Polierstreifen oder Verfärbungen. Da der Fleck den Metallwert nicht berührt, steht das Risiko in keinem Verhältnis zum möglichen Gewinn.

Bekomme ich beim Verkauf weniger Geld für fleckige Silbermünzen?

Bei Anlagemünzen in der Regel nicht – die meisten Händler kaufen nach Gewicht und Feingehalt an. Eine Verpflichtung dazu besteht allerdings nicht; einzelne Häuser stufen betroffene Stücke als zweite Wahl ein. Die wirtschaftliche Untergrenze ist der Altsilber- beziehungsweise Schmelzpreis. Bei Sammlermünzen und Polierter Platte fallen die Abschläge dagegen deutlich aus, weil dort der makellose Zustand mitbezahlt wird.

Schützt MINTSHIELD zuverlässig vor Milchflecken?

Die Royal Canadian Mint führte die Oberflächenbehandlung 2018 für den Silber Maple Leaf ein. In beschleunigten Alterungstests unter Wärme und Feuchtigkeit blieben behandelte Münzen frei von weißen Flecken, und die Erfahrungen im Markt sind seither überwiegend gut. Eine absolute Garantie gibt die Prägestätte jedoch nicht – die Technologie soll das Auftreten reduzieren, nicht ausschließen.

Warum treten Milchflecken erst Jahre nach dem Kauf auf?

Weil nicht der Fleck selbst, sondern seine Voraussetzung im Prägeprozess entsteht: mikroskopische Rückstände von Reinigungs- und Trennmitteln in der Oberfläche. Erst wenn diese Rückstände über längere Zeit mit Luftfeuchtigkeit und Luftbestandteilen reagieren, bilden sich die lichtstreuenden Strukturen, die wir als Schleier sehen. Deshalb können Wochen, Monate oder Jahre vergehen – auch in verschlossener Verpackung.

Sind Silberbarren die sichere Alternative?

Nur bedingt. Bei Münzen wird deutlich häufiger über Milchflecken berichtet, und gegossene Barren durchlaufen den kritischen Wasch- und Glühzyklus der Ronden gar nicht erst. Ausgeschlossen ist das Phänomen bei Barren aber nicht: Mehrere Händler und Fachportale berichten auch von betroffenen Barren, vor allem bei geprägter Ware. Dafür sind Barren schlechter teilbar, im Kleinformat oft mit höherem Aufgeld behaftet und im Wiederverkauf weniger flexibel als eine Unzenmünze. Die Entscheidung sollte deshalb an der Anlagestruktur hängen, nicht am Milchflecken-Risiko allein.

Hilft Vakuumieren wirklich?

Einschweißen entzieht der Umgebung die Luftfeuchtigkeit und damit einen zentralen Reaktionspartner. Berichte von Anlegern deuten darauf hin, dass bestehende Flecken sich danach nicht weiter ausbreiten. Ein Beleg für vollständige Verhinderung ist das nicht, da der Defekt bereits in der Oberfläche angelegt sein kann. Als Schutz vor Anlaufen und Feuchtigkeitsschäden ist die Methode aber wirksam und günstig.

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