
Silber 2026: Wenn Privatanleger längst verstanden haben, was das System verdrängt
79 US-Dollar pro Unze. Vor zwölf Monaten waren es noch rund 29 US-Dollar. Silber hat 2025 nicht nur zugelegt – es hat ein Preissignal gesendet. Und dieses Signal wird von Privatanlegern sehr viel ernster genommen als von vielen Institutionen, die noch immer so tun, als ließe sich dieser Markt „normalisieren“. Eine aktuelle Umfrage von Kitco zeigt, wie klar die Stimmung ist: 57 Prozent der befragten Privatanleger erwarten, dass Silber 2026 die Marke von 100 US-Dollar pro Unze erreicht. Insgesamt nahmen zwar „nur“ 212 Personen teil – doch genau darin liegt der Punkt. Diese Investoren sind nicht systemisch gefesselt, nicht benchmark-getrieben, nicht bilanziell gelähmt. Sie reagieren direkt auf Angebot, Nachfrage und Geldentwertung.
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Privatanleger setzen auf Silber – Profis reden weiter über Modelle
Bereits eine zweite Umfrage von Kitco unterstreicht diesen Trend. In der Top Metals 2026 Survey sehen 51 Prozent der Privatanleger Silber als das Metall mit der besten Wertentwicklung im kommenden Jahr. Gold folgt mit 29 Prozent, Kupfer und Platin deutlich abgeschlagen.
Die Botschaft ist eindeutig: Silber wird nicht mehr als „kleiner Bruder von Gold“ betrachtet, sondern als eigenständiger Engpassrohstoff – mit industrieller Schlüsselrolle und begrenztem Angebot. Dass sich diese Sichtweise gerade bei Privatanlegern durchsetzt, ist kein Zufall. Wer außerhalb des Systems denkt, erkennt schneller, wo reale Knappheit entsteht.
Das Angebot schrumpft – die Nachfrage explodiert
Selbst die vorsichtigeren Stimmen bei Kitco bestreiten das Fundament nicht. Jim Wyckoff, Senior Market Analyst bei Kitco, räumt ein, dass der Silbermarkt 2026 strukturell stark bleiben wird – getrieben durch industrielle Nachfrage und ein sich weiter verknappendes Angebot. Er bezweifelt lediglich, dass sich der extreme Preisanstieg von rund 130 Prozent aus 2025 in gleicher Form wiederholen lässt.
Das ist eine typische Analystenformulierung: defensiv, relativierend, rückspiegelorientiert. Doch der entscheidende Satz folgt danach. Wyckoff hält Preise über 75 US-Dollar bis hin zu 100 US-Dollar im kommenden Jahr für möglich – ausdrücklich gestützt auf Nachfrage aus E-Mobilität, Energiewende und KI-Rechenzentren.
Übersetzt heißt das: Der Markt bleibt angespannt, egal wie man die Prozentrechnung dreht.
Die systemkritische Wahrheit: Silber ist kein Spekulationsobjekt, sondern ein Engpass
Genau hier beginnt die eigentliche Sprengkraft. Silber ist kein Luxusgut, kein Schmuckmetall, kein Spielball für Sentiment allein. Es ist ein unverzichtbarer industrieller Rohstoff, der gleichzeitig monetär neu entdeckt wird. Das ist eine toxische Mischung für ein System, das auf planbare Preise angewiesen ist.
Während Notenbanken, Regierungen und Industrie jahrzehntelang von niedrigen Silberpreisen profitiert haben, kippt nun das Gleichgewicht. Das Angebot kann nicht beliebig ausgeweitet werden, neue Minen brauchen Jahre, Recycling stößt an Grenzen. Gleichzeitig wächst der Bedarf strukturell – nicht zyklisch.
Wer das ignoriert, redet sich den Markt schön. Wer es erkennt, positioniert sich.
Eric Sprott und die offenen Preisfantasien – jenseits des Sagbaren
Deutlich weniger zurückhaltend äußert sich der kanadische Milliardär und Bergbauinvestor Eric Sprott. Bereits Anfang 2025 erklärte er, Silber habe seinen Höhepunkt bei Weitem nicht erreicht. Preisziele von 250 bis 500 US-Dollar pro Unze bezeichnete er als „durchaus möglich“.
Damals lag Silber bei rund 33 US-Dollar. Heute steht der Preis bei fast 80. Man muss diese Extremprognosen nicht teilen – aber man sollte sie auch nicht reflexhaft als Spinnerei abtun. Sprott spricht nicht aus dem Elfenbeinturm. Er unterlegt seine Einschätzung mit Kapital. Anfang 2026 erhöhte er seinen Einfluss bei Apollo Silver Corp. auf knapp zehn Prozent der ausstehenden Aktien. Das ist kein Kommentar – das ist Commitment.
200 Dollar? 100 Dollar? Oder etwas ganz anderes?
Auch der technische Analyst Michael Oliver, Gründer von Momentum Structural Analysis, hat Ende 2025 einen Preis von 200 US-Dollar pro Unze ins Spiel gebracht. Solche Aussagen wirken für viele absurd – bis sie es nicht mehr sind. Genau das haben Gold und Silber in der Vergangenheit mehrfach gezeigt.
Der entscheidende Punkt ist nicht die konkrete Zahl. Der Punkt ist: Der Markt diskutiert diese Zahlen überhaupt ernsthaft. Und das tut er, weil das Vertrauen in planbare Geldwerte, stabile Lieferketten und politisch kontrollierte Rohstoffpreise erodiert.
Silber ist das Misstrauensvotum in Metallform
Dass Privatanleger geschlossen auf weiter steigende Silberpreise setzen, ist kein Hype. Es ist ein Misstrauensvotum gegen das bestehende System. Gegen Papiermärkte, gegen Terminpreisdrückung, gegen die Illusion unbegrenzter Verfügbarkeit.
Ob Silber 2026 bei 100, 150 oder 200 US-Dollar steht, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend ist: Der Markt glaubt nicht mehr an niedrige Preise. Und wenn dieser Glaube einmal kippt, folgt der Preis – nicht umgekehrt.
Silber ist damit mehr als ein Investment. Es ist ein Seismograf. Und der schlägt weiter aus.
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