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Kettner Edelmetalle

Clearingstellen: Wie Anleger ihr Vermögen wirklich verlieren

15.08.2026PodcastKettner EdelmetalleBegleittext KI-generiert

Sie besitzen Ihre Aktien nicht. Diesen Satz muss man zweimal lesen, dreimal vielleicht, bis er wirklich sitzt. Wer heute in Deutschland ein Wertpapierdepot führt, wer brav Monat für Monat spart, wer sich mit dem beruhigenden Gefühl ins Bett legt, für das Alter vorgesorgt zu haben – der ist juristisch betrachtet lediglich Besitzer. Nicht Eigentümer. Der Unterschied klingt nach juristischer Haarspalterei. Er ist in Wahrheit der Unterschied zwischen Vermögen und Illusion.

Der Autor und Systemanalytiker Tom-Oliver Regenauer hat im Gespräch mit Dominik Kettner eine Struktur offengelegt, die den meisten Anlegern vollkommen unbekannt ist – obwohl sie in nahezu jedem Kredit-, Depot- und Hypothekenvertrag namentlich erwähnt wird. Es geht um Clearingstellen. Und um das, was Regenauer ohne Umschweife als „die größte Enteignungsmaschinerie, die die Menschheit je gesehen hat" bezeichnet.

Die Frage, die 200 Zuhörer nicht beantworten konnten

Regenauer stellt sie auf jeder Station seiner Vortragsreise: „Wissen Sie, was eine Clearingstelle ist?" Im Saal sitzen 100, 150, manchmal 200 Menschen. Es melden sich zwei. Manchmal fünf.

Das ist keine Randnotiz. Das ist der Kern des Problems. Denn genau dort, in dieser kollektiven Ahnungslosigkeit, gedeiht ein System, dessen Konstruktionsfehler man nicht diskutieren kann, solange niemand weiß, dass es existiert.

„Es ist eigentlich niemandem klar, was eine Clearingstelle überhaupt ist. Und da fängt das Problem an."

Was Clearingstellen tatsächlich tun

Regenauer erklärt es am Beispiel eines Autokaufs. Sie gehen zum Händler, brauchen einen Kredit über 50.000 Euro, unterschreiben. Die Bank verdient Zinsen. Doch Banken sind – seine Worte – gierig. Also bündelt das Institut fünfzig oder hundert solcher Kredite zu einem Paket im Wert von mehreren Millionen.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Dieses Bündel tilgt Ihren Namen.

  • Ihr Kreditvertrag trägt Ihren Namen – das Paket nicht mehr
  • Aus einer persönlichen Verbindlichkeit wird ein anonymisiertes Asset
  • Dieses Asset wandert an eine Clearingstelle
  • Über der Clearingstelle steht die Central Clearing Counterparty – die Clearingstelle der Clearingstelle
  • Sie selbst tauchen in dieser Kette nirgends mehr auf

Man muss sich eine Clearingstelle vorstellen wie ein übergeordnetes Buchhaltungssystem für Großbanken, Zentralbanken und Staaten. Ein gigantischer Saldierungsapparat, der im Maschinenraum des Finanzsystems arbeitet – unsichtbar, unbekannt, unkontrolliert.

4,4 Milliarden gegen 40,7 Billionen: Die Sollbruchstelle

Nehmen wir Euroclear, jene Clearingstelle, die für unsere Breiten zuständig ist. Regenauer nennt zwei Zahlen, die man nebeneinanderlegen muss, um ihre Sprengkraft zu begreifen:

  1. Eigenkapital: rund 4,4 Milliarden Euro
  2. Verwaltetes Vermögen: rund 40,7 Billionen Euro

Das ist ein Verhältnis von etwa eins zu neuntausend. Ein Kartenhaus, gebaut auf einem Streichholz. Und wer glaubt, das sei ein rein theoretisches Risiko, sollte sich eine kleine, fast untergegangene Reuters-Meldung vom April 2024 ansehen: „Regulators told to be ready to handle failed clearing houses." Regulatoren wurden angewiesen, sich auf kollabierende Clearingstellen vorzubereiten.

„Das ist die Sollbruchstelle des Finanzsystems – und es wollte keiner wahrhaben."

Und wenn es kracht?

Dann verschwinden die 40,7 Billionen nicht einfach. Sie wandern nach oben, an die Central Clearing Counterparty. Und die gehört – Überraschung – zur selben Klasse von Institutionen, die schon 2008 gerettet wurde. Wer gründete Euroclear? JP Morgan.

„Protected Class" – der juristische Freibrief

2012 fällte ein New Yorker Bundesrichter ein Urteil, dessen Begründung man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Es ging um das illegale Handeln von Großbanken im Umfeld der Finanzkrise 2008. Der Richter stellt fest: Die Bank hat kriminell gehandelt. Sie hat Milliardenschäden verursacht. Sie musste vom Steuerzahler gerettet werden.

Aber: Sie gehöre zur „Protected Class".

„Die Bank hat also laut Gerichtsurteil einen Freibrief, illegal zu handeln, denn sie ist so groß, dass der Richter in dem Urteil einräumt, dass er nichts tun kann. Denn wenn er etwas tut gegen diese Bank und sie zur Rechenschaft zieht, bricht das gesamte Kartenhaus, das wir Kapitalismus nennen, sofort zusammen."

In Deutschland kennen wir das unter dem Euphemismus „systemrelevant". Übersetzt heißt das: Es gibt Akteure, die über dem Recht stehen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Statik. Wer das einmal verstanden hat, versteht auch, warum physisches Gold außerhalb dieses Systems eine völlig andere Qualität besitzt als jede Buchposition in einem Depot.

Der Fall, der alles verändert: Wenn Theorie Praxis wird

Man könnte all das als abstraktes Gedankenspiel abtun. Könnte man – wenn da nicht dieser Herr in der ersten Reihe gesessen hätte.

Er hatte irgendwann russische Aktien gekauft. Altersvorsorge. Nichts Spektakuläres, ein Depot, das in Ruhe liegen sollte. Dann kamen die Sanktionen. Dann kam Post von der Clearingstelle:

  • Schreiben 1: Ihr gesamtes Aktienportfolio ist eingefroren. Kein Zugriff, kein Verkauf, keine Bewegung.
  • Reaktion: Beschwerden an alle erdenklichen Stellen – keine einzige Antwort.
  • Schreiben 2: Das Portfolio wurde aufgelöst und zu gleichen Teilen auf Frankreich, Großbritannien und die USA verteilt. Der Fall sei damit abgeschlossen. „Vielen Dank für Ihre Kooperation."

Das Geld war weg. Ersatzlos. Ohne Einspruchsmöglichkeit. Und als der Betroffene weiter nachhakte, riet ihm eine deutsche Behörde allen Ernstes, er könne ja Bürgergeld beantragen.

„Da geht es also nicht um Theorie, es ist tatsächlich die Praxis."

Der zweite Fall: Liechtenstein

Es trifft nicht nur deutsche Institute. Ein weiterer Betroffener hielt russische Staatsanleihen über eine Bank in Liechtenstein. Rund 10.000 Euro. Eingefroren – ohne jede Benachrichtigung, erkennbar nur an einer merkwürdigen Buchung auf ein Sperrkonto. Jahre später gab es eine Teilerstattung: rund 6.000 US-Dollar. Andere Währung. Deutlich weniger Wert. Der Rest: verschwunden.

Und der Staat? Nicht einmal die Verluste dürfen Sie absetzen

Man möchte meinen, wenigstens steuerlich zeige sich ein Rest von Anstand. Weit gefehlt. Das Sächsische Finanzgericht entschied im Februar 2026, dass derartige Verluste steuerlich nicht absetzbar seien – weil sie nicht endgültig seien.

Die Logik ist von einer atemberaubenden Dreistigkeit:

  • Der Anleger darf nicht verkaufen
  • Er bekommt keine Dividende
  • Die Bank bewertet die Position mit null
  • Aber der Verlust zählt nicht

Das Geld ist nicht weg – es ist ja nur eingefroren. Man fühlt sich unangenehm an jene berühmt gewordene Habeck-Volte erinnert, wonach niemand insolvent sei, sondern lediglich aufhöre zu produzieren.

Kontaktschuld auf dem Aktienmarkt

Die naheliegende Beruhigungsformel lautet: Betrifft doch nur russische Papiere. Selbst schuld. Regenauer räumt mit dieser Illusion in wenigen Sätzen auf.

Denn gesperrt wird nicht die einzelne Position. Gesperrt wird das gesamte Depot. Wer neben deutschen und amerikanischen Titeln auch nur einen einzigen sanktionierten Wert hält, verliert den Zugriff auf alles. Regenauer nennt es treffend „Kontaktschuld auf dem Aktienmarkt".

Und morgen? Morgen kann es das chinesische Papier sein. Übermorgen ein US-Titel, weil irgendjemand eine „bedrohliche KI" identifiziert hat. Wir bewegen uns, so seine nüchterne Einschätzung, in Richtung Kriegswirtschaft – und in einer Kriegswirtschaft ist alles sanktionsfähig.

„Nichts von dem funktioniert als Anlageinstrument, was man nicht zu Hause in der Hand hat."

Wenn selbst die Bank die Wahrheit einräumt

Besonders pikant: Einem Betroffenen liegt E-Mail-Verkehr mit seiner Bank vor. Er hatte konkret nachgefragt, Quellen genannt, Gerichtsurteile zitiert. Nach mehreren internen Weiterleitungen antwortete schließlich ein Mitarbeiter ehrlich: Nein, das Portfolio sei nicht sicher. Im Sanktionsfall gebe es faktisch keine Rechtsansprüche – man müsste gegen drei Parteien in drei Jurisdiktionen gleichzeitig vorgehen. Spanien. London. New York.

Viel Vergnügen bei der Klage gegen JP Morgan.

Der digitale Euro: Die Lösung für ein Problem, das niemand hat

Warum das alles jetzt? Weil parallel eine zweite Baustelle vorangetrieben wird, die ohne die erste kaum Sinn ergibt: der digitale Euro. Noch in diesem Jahr soll die EU die Gesetzesentwürfe durchwinken, eine Pilotphase folgen, spätestens 2029 der Rollout.

Bemerkenswert: Selbst die Wirtschaft will das Ding nicht. Das Handelsblatt berichtete am 10. August über eine Umfrage, wonach Unternehmen den digitalen Euro schlicht für überflüssig halten.

„Niemand hat nach einer digitalen Währung gefragt, niemand braucht sie. Es ist kein Wählerwunsch, es ist nichts, was irgendeine Bedarfslücke füllt. Man wird Bedarf schaffen."

Warum Zentralbankgeld anders ist

Der ehemalige BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens hat es in aller Offenheit formuliert: Digitales Zentralbankgeld erlaube völlige Transparenz – und es erlaube, Regeln nicht nur einzuführen, sondern sie durchzusetzen. Automatisiert. Programmierbar. Per Blacklisting nach Unternehmen, Produkt, Region.

Wer wissen will, wie fragil das bestehende Papiergeldsystem inzwischen ist, findet in unserem Beitrag Trump auf der Dollar-Münze: Wenn Papiergeld sich selbst inszeniert – und Gold einfach glänzt weitere Anhaltspunkte. Und wer die Gegenbewegung beobachten will, sollte einen Blick auf die Diskussion um goldgedeckte US-Anleihen werfen.

Das Szenario: Cyberpandemie statt Bankrun

Wie kommt man von hier nach dort? Regenauer hält weniger einen klassischen Bankenkollaps für wahrscheinlich als vielmehr eine „Cyberpandemie" – ein Ausfall von SWIFT, SEPA, Zahlungsterminals, Internet-Backends. Ein paar Tage. Eine Woche.

Drei Tage ohne Supermarkt, ohne Bankautomat, ohne Kartenzahlung – und die Großstadt kippt. Und dann tritt der Staat auf. Als helfende Hand.

  • Bürgerwallet herunterladen
  • eID verknüpfen
  • Überbrückungsgeld, Notgeld, „universelles Grundeinkommen" – 1.000 oder 2.000 Euro monatlich
  • Die Einlagensicherung greift vielleicht sogar – aber gutgeschrieben wird in digitalem Euro
  • Bargeldabhebung? Nicht mehr vorgesehen

Die Schulden hingegen? Die bleiben. Wie 1929. Nur der Gläubiger heißt plötzlich anders – vielleicht Euroclear, vielleicht JP Morgan. Und wenn die Raten sofort fällig gestellt werden und Sie nicht zahlen können, dürfen Sie Ihr eigenes Haus, Ihr eigenes Auto, Ihre eigene Praxis gerne zurückmieten.

Dass dies keine Fantasie ist, zeigt der Blick über den Atlantik: Große Vermögensverwalter kaufen dort systematisch Eigenheime, Tierarztpraxen, Friseursalons, Malerbetriebe – und vermieten sie den vormaligen Eigentümern zurück. Eine Enteignungsspirale ungekannten Ausmaßes.

Die Geschichte kennt diese Muster – alle

Wer glaubt, so etwas passiere nur anderen, sollte einen nüchternen Blick in die jüngere Vergangenheit werfen:

  • Italien 1992: Ministerpräsident Amato lässt über Nacht 0,6 Prozent von jedem Bankkonto abbuchen. Die Italiener wachen auf – das Geld ist weg.
  • Zypern 2013: Sparguthaben werden zwangsweise abgeschöpft.
  • Griechenland 2015: Abhebungen auf 60 Euro pro Tag begrenzt.
  • Kanada 2022: Konten protestierender Trucker eingefroren – ohne Gerichtsurteil.
  • Deutschland 1952: Lastenausgleich – 50 Prozent auf Immobilienvermögen.

Hinzu kommt das Bail-in-Verfahren, ein Erbe der Krise von 2008: Die nächste Bankenrettung läuft nicht mehr mühsam über Steuergelder und Parlamente. Sie läuft über Ihr Guthaben. Legal.

Was bleibt, wenn nichts mehr sicher ist

Regenauers Schlussfolgerung ist von entwaffnender Schlichtheit. Es gebe beim Thema Geld letztlich nur zwei Fragen:

„Will ich Casino und will ich mein Geld vermehren – oder will ich mein Geld in die Zukunft retten? In eine sehr unsichere Zukunft."

Wer die zweite Frage bejaht, landet unweigerlich bei dem, was man physisch in der Hand halten kann. Bei einem Vermögenswert ohne Gegenparteirisiko. Ohne Clearingstelle im Kleingedruckten. Ohne Central Clearing Counterparty, die im Ernstfall die Systemrettung über den Kleinanleger stellt.

Gold ist die älteste Währung der Menschheitsgeschichte. Es hat sämtliche Papierwährungen überlebt, alle Zentralbanken, alle Reformen, alle Währungsschnitte. Und es hat einen entscheidenden Vorzug: Eine Goldmünze im eigenen Zugriff braucht keine Erlaubnis, kein Wallet, keine eID.

Konkrete Wege in die physische Unabhängigkeit

Für Einsteiger eignen sich kleine Stückelungen, die schrittweisen Aufbau erlauben – etwa ein 1g Gold Maple Leaf oder die UnityBar mit 5 x 1g Münzbarren, die sich einzeln abtrennen lässt. Wer klassische Anlagemünzen bevorzugt, findet mit dem 1/10 Unze Gold Krügerrand 2026 einen bewährten Einstieg – der große Bruder, der 1 Unze Gold Krügerrand 2026, gehört zu den weltweit meistgehandelten Goldmünzen überhaupt.

Wer breiter streuen möchte, findet Klassiker wie den Maple Leaf, den Wiener Philharmoniker, die Britannia, den American Eagle, das Känguru, den China Panda oder die begehrten Lunar-Serien. Wer auf Gewicht statt Prägung setzt, greift zu klassischen Goldbarren. Und für Sammler mit einem Faible für Besonderes: die 1/200 Unze Gold „Gold Mark" 2026 in Polierter Platte, limitiert auf 5.000 Stück.

Papier bleibt Papier – auch wenn es glänzt

Ein Wort der Warnung sei erlaubt: Der Trend zu sogenanntem Papiergold, das derzeit bei europäischen Anlegern ein Comeback erlebt, ist genau der falsche Weg für jeden, der die Lektion dieses Gesprächs verstanden hat. Ein Zertifikat auf Gold ist kein Gold. Es ist ein Versprechen – abgewickelt über exakt jene Infrastruktur, die hier zur Debatte steht.

Dass der Goldpreis dabei kurzfristig schwanken kann, gehört zum Bild. Unsere Analyse Gold zittert um die 4.000er-Marke – doch die Bodenbildung hält stand ordnet solche Bewegungen ein. Entscheidend ist die Funktion, nicht die Tageslaune des Marktes.

Fazit: Die unbequemste Frage, die Sie sich heute stellen können

Nehmen Sie Ihren Depotvertrag. Ihren Kreditvertrag. Ihre Hypothekenurkunde. Und lesen Sie das Kleingedruckte, das Sie nie gelesen haben. Irgendwo dort wird eine Clearingstelle namentlich genannt sein. In vielen Fällen wird es Euroclear sein.

Und dann stellen Sie sich die Frage, die Regenauer im Publikum stellt und die kaum jemand beantworten kann: Was passiert eigentlich mit meinem Vermögen, wenn dieses Konstrukt einmal ins Rutschen gerät?

Die Antwort ist unangenehm. Aber sie ist auch befreiend. Denn wer erkennt, dass Sicherheit nicht dort liegt, wo man sie vermutet hat, kann handeln. Solange noch Zeit ist.

„Was auf der Bank ist, ist nicht sicher. Es ist sicherlich besser, das in physischer Kontrolle selbst kontrollieren zu können, was man als Vermögen in die Zukunft retten will."

Eigenverantwortung ist kein Luxus. Sie ist die letzte verbliebene Sicherheit. Und sie beginnt mit dem Schritt aus dem digitalen Buchungssystem heraus – hinein in das, was Sie tatsächlich besitzen, weil es in Ihrem Tresor liegt und nirgendwo sonst.

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