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Kettner Edelmetalle

Altgold-Welle 2026: Wie Recyclinggold das Goldangebot prägt

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Rund ein Viertel bis ein Drittel des weltweiten Goldangebots stammt nicht aus dem Bergbau, sondern aus dem Recycling alter Ketten, Ringe, Zahnkronen und Leiterplatten. In Deutschland, das keine nennenswerte Goldförderung besitzt, ist Altgold sogar die einzige heimische Rohstoffquelle für Feingold. Und doch bleibt die Recyclingmenge trotz Rekordpreisen unter dem Niveau des Jahres 2009. Dieser Beitrag erklärt den Widerspruch, zeichnet den Weg vom Schmuckkästchen bis zum neuen Barren nach und zeigt, welche Faktoren am Ende den Auszahlungsbetrag bestimmen.

Das zweite Standbein des Goldangebots

Gold ist praktisch unzerstörbar. Nahezu jedes Gramm, das jemals gefördert wurde, existiert noch, sei es als Schmuckstück, Münze, Barren, Kontaktfläche in einem Steckverbinder oder als Zentralbankreserve. Genau deshalb unterscheidet sich der Goldmarkt von fast allen anderen Rohstoffmärkten. Sein Angebot speist sich aus zwei Quellen. Neben der Minenproduktion steht ein gewaltiger, über Jahrhunderte gewachsener Bestand, der jederzeit zurück in den Markt fließen kann, wenn der Preis stimmt oder die Not es verlangt.

Die Größenordnung ist beachtlich. Nach Daten des World Gold Council wurden im Jahr 2025 rund 1.404 Tonnen Gold recycelt. Bei einem Gesamtangebot von 5.002 Tonnen, dem höchsten Wert in der bis 1970 zurückreichenden Datenreihe der Organisation, entspricht das rund 28 Prozent. Zwei Jahre zuvor lag die Recyclingmenge bei 1.237 Tonnen und damit bei etwa 25 Prozent des Weltmarktangebots, 2024 bei 1.365 Tonnen. Der Rest stammt aus dem Bergbau, dessen Förderung nach ersten Schätzungen 2025 mit 3.672 Tonnen einen neuen Höchststand erreichte, nachdem sie jahrelang um die Marke von 3.600 Tonnen gependelt hatte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Recyclinggold deckt je nach Jahr rund 25 bis 30 Prozent des weltweiten Goldangebots.
  • Der bisherige Rekord stammt aus dem Krisenjahr 2009 mit 1.728 Tonnen, damals 42 Prozent des Gesamtangebots.
  • Etwa 90 Prozent des recycelten Goldes stammen aus Altgold, also Schmuck, Zahngold, Barren und Münzen. Elektronikschrott macht den kleineren Rest aus.
  • Für den Auszahlungsbetrag beim Verkauf zählen drei Größen: Gewicht, Feingehalt und Ankaufsspanne.
  • Physikalisch besteht kein Unterschied zwischen Recyclinggold und neu gefördertem Minengold.
Altgoldschmuck aus zerbrochenen Ketten und Ringen neben einem frisch gegossenen Goldbarren
Nach der Aufbereitung ist Altgold von neu gefördertem Minengold nicht mehr zu unterscheiden.

Der Widerspruch: Rekordpreise, aber kein Rekordangebot

Die klassische Lehrbuchlogik ist schnell erzählt: Steigt der Preis, steigt das Angebot. Beim Goldrecycling funktioniert diese Mechanik nur eingeschränkt. Das deutlichste Beispiel der jüngeren Marktgeschichte lieferte das Jahr 2025. Der Goldpreis legte in US-Dollar um 67 Prozent zu, der Jahresdurchschnittspreis um 44 Prozent, die Recyclingmenge wuchs im gleichen Zeitraum um lediglich 3 Prozent. Trotz dieses Preissprungs liegt die Menge weiterhin deutlich unter dem Höchststand von 2009. Gegenüber den 1.728 Tonnen von damals fehlen fast 19 Prozent.

Bemerkenswert ist auch das regionale Muster. In den Industrieländern, also in den USA, Europa und Japan, nahm das Altgoldaufkommen 2025 spürbar zu. In wichtigen Schwellenländern wie Indien, dem Nahen Osten und Südostasien ging es dagegen zurück, unter den großen Schwellenländern verzeichnete allein China ein Plus. Der weltweite Anstieg blieb also gerade deshalb so klein, weil sich die Bewegungen gegenseitig aufhoben.

Auch 2026 zeichnet der World Gold Council ein ähnliches Bild. Im ersten Quartal stieg das Goldrecycling auf 366 Tonnen, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, während der Goldpreis mehrfach neue Rekordstände erreichte. Stärker fiel der Zuwachs nicht aus, weil im Nahen Osten logistische Probleme auftraten und in Europa und Nordamerika die Sammel- und Verarbeitungskapazitäten an ihre Grenzen kamen. Im zweiten Quartal blieb das Gesamtangebot mit 1.269 Tonnen unverändert, weil eine um 2 Prozent höhere Minenproduktion den Rückgang des Recyclings um 6 Prozent ausglich. Ausschlaggebend dafür waren die gegenüber dem Vorquartal niedrigeren Preise, die weniger Anreiz zum Verkauf von altem Goldschmuck boten. Ein Preisanstieg um zweistellige Prozentsätze übersetzt sich also allenfalls in einstellige Mengenreaktionen.

Warum der Preis allein nicht reicht

Der stärkste Bremsfaktor ist die Erwartungshaltung. Wer glaubt, dass der Preis weiter steigt, wartet ab. Verkaufsbereitschaft entsteht typischerweise erst, wenn Besitzer den Höhepunkt für erreicht halten, nicht mitten in einem Aufwärtstrend. Dazu kommt, dass die leicht mobilisierbaren Bestände seit 2009 in mehreren Verkaufswellen bereits abgeflossen sind. Was heute noch in den Schmuckkästchen liegt, ist häufig emotional gebunden: Eheringe, Erbstücke, Erinnerungsschmuck. Solche Stücke wandern selten zum Ankäufer, gleichgültig wie hoch der Kurs notiert.

Hinzu kommt die Rolle, die Gold in unsicheren Zeiten spielt. Genau dann, wenn geopolitische Spannungen den Preis nach oben treiben, ist die Motivation zum Halten am größten. Preisanreiz und Sicherheitsbedürfnis ziehen also in entgegengesetzte Richtungen. Längerfristig wirkt zudem ein struktureller Effekt. Der Schmuckabsatz sinkt seit Jahren, weil hohe Preise die Nachfrage bremsen, und weniger neuer Schmuck heute bedeutet zwangsläufig weniger Altgold in zehn oder zwanzig Jahren.

Ein oft übersehener Faktor sind schließlich Tauschgeschäfte. In Indien und China finanzieren Kunden neuen Schmuck zunehmend, indem sie alte Stücke beim Juwelier in Zahlung geben. Solche Umtauschvorgänge verändern das Nettoangebot nicht und zählen in der Statistik des World Gold Council deshalb nicht als Recycling. In China verstärkte die Einführung einer siebenprozentigen Mehrwertsteuer auf Schmuckverkäufe diesen Effekt zusätzlich.

Für den Markt hat das eine unbequeme Konsequenz: Recycling wirkt als Puffer, aber nicht als Ventil. Es kann kurzfristige Angebotslücken dämpfen, einen echten Nachfrageschub aus Investment und Zentralbanken jedoch nicht ausgleichen. Der World Gold Council selbst sieht für 2026 nur ein bescheidenes Wachstumspotenzial, sowohl bei der Minenproduktion, die durch betriebliche Grenzen und lange Projektlaufzeiten gebremst wird, als auch beim Recycling, das im Verhältnis zum Goldpreis weiterhin gedämpft bleibt.

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Die Kette: vom Ankäufer zur Scheideanstalt zum neuen Barren

Zwischen dem Schmuckstück in der Schublade und dem geprägten Barren im Tresorfach liegen mehrere Stationen. Wer sie kennt, versteht auch, warum bei jedem Schritt eine Marge entsteht.

Am Anfang steht der Verkauf an einen Ankäufer – Juwelier, Edelmetallhändler, spezialisierter Altgold-Ankauf oder direkt eine Scheideanstalt. Hier wird das Material gewogen, der Feingehalt bestimmt und ein Preis kalkuliert. Ankäufer bündeln die Ware anschließend, bis eine wirtschaftlich sinnvolle Menge für die Weiterverarbeitung zusammenkommt. Wichtig zu wissen ist dabei, dass der Ankauf von Altgold und der Ankauf von Anlageprodukten zwei verschiedene Geschäfte sind. Kettner Edelmetalle etwa kauft im Rahmen des Ankaufs von Edelmetallen ausschließlich Barren und Münzen aus Anlagemetall zurück, nicht Bruchgold oder Zahngold.

Die zweite Station ist die Scheideanstalt. Sie trennt Edelmetalle aus Mischmaterial und bringt sie auf Feingehalt. Die eingelieferte Ware wird eingeschmolzen, homogenisiert und beprobt, denn erst diese Probe aus der Schmelze liefert den verbindlichen Feingehalt für die Abrechnung. Danach kommen je nach Material unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Pyrometallurgische Schmelzprozesse eignen sich für stark verunreinigte Mischschrotte, nasschemische Verfahren mit Königswasser lösen Gold selektiv aus komplexen Materialien, und die Elektrolyse liefert am Ende Feingold mit 999,9 Promille. Wie diese Trennung im Detail abläuft, beschreibt der Beitrag zur Edelmetallscheidung.

Am Ende der Kette steht das neue Produkt. Aus dem Feingold entstehen Granalien, Gussbarren oder geprägte Barren, oder es geht als Vormaterial zurück in die Schmuck- und Elektronikindustrie. Für den Käufer eines Goldbarrens ist die Herkunft am Produkt nicht ablesbar. Ein Barren aus recyceltem Material ist chemisch identisch mit einem Barren aus frisch gefördertem Minengold, Unterschiede bestehen ausschließlich in der Dokumentation der Lieferkette und in Zertifizierungen.

Geschmolzenes Gold wird in einer Scheideanstalt in eine Barrenform gegossen
In der Scheideanstalt schließt sich der Kreislauf. Aus eingeschmolzenem Altgold entsteht Feingold mit 999,9 Promille.

Was Ihr Altgold tatsächlich wert ist

Der größte Irrtum beim Altgoldverkauf ist die Annahme, ein 20-Gramm-Armband sei 20 Gramm Gold wert. Bezahlt wird immer der Feingoldanteil, nicht das Bruttogewicht. Schmuckgold ist eine Legierung: Kupfer, Silber, Zink oder Palladium sorgen für Härte und Farbe, tragen zum Materialwert aber kaum etwas bei. Welcher Anteil tatsächlich Gold ist, verrät im Regelfall der Stempel im Inneren des Rings oder am Kettenverschluss.

Gängige Goldlegierungen und ihr Feingoldanteil
StempelKaratFeingoldanteilTypische Verwendung
3338 kt33,3 %Günstiger Schmuck, vor allem älterer deutscher Bestand
3759 kt37,5 %Britischer und skandinavischer Schmuck
58514 kt58,5 %Der Klassiker im deutschen Schmuckmarkt
75018 kt75,0 %Hochwertiger Schmuck, Trauringe
91622 kt91,6 %Indischer und arabischer Schmuck, Krügerrand
999 / 999,924 kt99,9 %Anlagebarren und Anlagemünzen

Ein Rechenbeispiel macht die Mechanik greifbar. Angenommen, der Feingoldpreis liegt bei 118 Euro je Gramm, was der Größenordnung des Sommers 2026 bei einem Goldpreis um 4.250 US-Dollar je Feinunze entspricht. Eine 585er Kette mit 20 Gramm Bruttogewicht enthält dann 11,7 Gramm Feingold, der reine Materialwert beträgt rund 1.381 Euro. Davon geht die Ankaufsspanne ab, die Schmelz-, Analyse-, Transport- und Versicherungskosten sowie das Preisrisiko des Ankäufers abdeckt. Je nach Anbieter und Menge landen Verkäufer erfahrungsgemäß bei 85 bis 95 Prozent des Materialwerts, wobei kleine Posten eher am unteren und größere Mengen eher am oberen Ende liegen. Da der Goldpreis täglich schwankt, ist jede solche Rechnung eine Momentaufnahme. Maßgeblich ist der Kurs am Tag der Abrechnung.

Zwei Positionen fallen in dieser Rechnung regelmäßig unter den Tisch. Erstens wird nicht mitbezahlt, was kein Edelmetall ist. Steine, Perlen, Federn, Stahlverschlüsse und Uhrwerke werden herausgetrennt oder ihr Gewicht wird abgezogen. Zweitens wird der Schmuckwert nicht vergütet. Wer ein signiertes Stück eines bekannten Hauses besitzt, sollte vor dem Einschmelzen den Liebhaberwert prüfen lassen. Er kann den Materialwert um ein Vielfaches übersteigen, und eingeschmolzen ist er unwiederbringlich verloren.

Zwei Sonderfälle sind es wert, gesondert betrachtet zu werden. Zahngold ist häufig mehr wert als vermutet, weil Dentallegierungen oft zusätzlich Platin und Palladium enthalten. Details dazu liefert der Beitrag Zahngold: So viel ist Ihr Goldzahn wirklich wert. Beschädigte Anlageprodukte gehören dagegen nur im Ausnahmefall ins Altgold. Solange ein Barren oder eine Münze identifizierbar ist, behält das Stück seinen Handelswert und sollte über den regulären Ankauf verkauft werden.

Feinwaage mit Goldschmuck, Lupe und Prüfstein mit Strichproben auf dunklem Schiefer
Gewicht und Feingehalt bestimmen den Preis. Ohne saubere Prüfung bleibt jede Wertangabe eine Schätzung.

Prüfverfahren: Wie der Feingehalt bestimmt wird

Ein Stempel ist ein Hinweis, kein Beweis. Punzen können fehlen, abgerieben oder schlicht gefälscht sein. Seriöse Ankäufer prüfen deshalb nach, und zwar mit abgestuftem Aufwand. Am Anfang steht die Sichtprüfung samt Magnettest. Gold ist nicht magnetisch, damit lassen sich Eisenkerne und plumpe Fälschungen aussortieren, über den Feingehalt sagt der Test allerdings nichts. Einen Schritt weiter führt die Dichtebestimmung durch Wiegen in Luft und in Wasser. Bei Legierungen bleibt ihr Ergebnis ein Näherungswert, weil unterschiedliche Zusammensetzungen dieselbe Dichte ergeben können.

Der klassische Werkstattest ist die Strichprobe. Das Stück wird auf einem Prüfstein abgestrichen, der Strich anschließend mit Prüfsäuren behandelt. Das geht schnell und kostet fast nichts, erfasst aber nur die Oberfläche, weshalb die Methode bei Dubletten und dick vergoldeten Stücken täuschen kann. Im professionellen Ankauf hat sich deshalb die Röntgenfluoreszenzanalyse durchgesetzt: zerstörungsfrei, in Sekunden, mit Angabe aller Legierungsbestandteile. Auch sie misst allerdings nur die oberen Materialschichten.

Die eigentliche Referenz bleibt die Dokimasie, auch Kupellation genannt. Dabei wird eine Probe eingeschmolzen und im Kupellationsofen von unedlen Metallen befreit. Das Verfahren arbeitet im Promillebereich genau und ist deshalb der Maßstab in jeder Scheideanstalt, zerstört dafür aber die Probe. Für den Hausgebrauch bleibt festzuhalten, dass improvisierte Tests mit Feuerzeug oder Essig nichts taugen. Welche Methoden wirklich belastbar sind, ordnet der Ratgeber Gold auf Echtheit prüfen ein. Und ein Hinweis, der sich nicht oft genug wiederholen lässt: Das eigenständige Einschmelzen von Gold zu Hause vernichtet Wert und ist gefährlich.

Worauf Verkäufer beim Ankauf achten sollten

Der Altgoldmarkt ist wenig standardisiert. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Angebot für dasselbe Material liegen regelmäßig zweistellige Prozentsätze. Wer sich vor dem Gang zum Ankäufer eine knappe Checkliste einprägt, verschenkt deutlich weniger:

  1. Lassen Sie sich den Preis je Gramm Feingold nennen, nicht je Gramm Ware. Nur so werden Angebote vergleichbar. Wer keinen Bezug zum aktuellen Feingoldkurs herstellt, ist ein Warnsignal.
  2. Legierungen getrennt wiegen lassen. Wer 333er und 750er Schmuck gemeinsam abgibt, riskiert eine Mischkalkulation zum niedrigsten Satz.
  3. Nach dem Prüfverfahren fragen. Eine RFA-Messung im Beisein des Kunden oder eine dokumentierte Schmelzanalyse schafft Transparenz, eine reine Blickdiagnose reicht nicht.
  4. Beim Versandankauf ins Kleingedruckte schauen. Entscheidend sind Versicherungssumme, Rücksendekosten bei abgelehntem Angebot und die Frage, ob vor Ihrer Zustimmung eingeschmolzen wird.
  5. Legitimation akzeptieren. Ankäufer sind nach dem Geldwäschegesetz zur Identifizierung verpflichtet. Ein Anbieter, der bewusst darauf verzichtet, arbeitet nicht sauber.

Und der wichtigste Punkt zum Schluss, weil er in keine Checkliste passt: Verkaufen Sie nicht unter Zeitdruck. Zwei oder drei Vergleichsangebote kosten einen Nachmittag und verändern das Ergebnis oft spürbarer als jede Verhandlung am Tresen.

Steuerlicher Hinweis: Der Verkauf von privatem Altgold fällt unter die privaten Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG. Nach mehr als einem Jahr Haltedauer ist ein Gewinn einkommensteuerfrei. Innerhalb der Jahresfrist gilt seit 2024 eine Freigrenze von 1.000 Euro für alle privaten Veräußerungsgeschäfte eines Jahres, und zwar als Freigrenze und nicht als Freibetrag. Wird sie erreicht, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig. Bei Erbstücken wird die Besitzzeit des Erblassers angerechnet, geerbter Schmuck erfüllt die Jahresfrist daher fast immer. Dies ist eine allgemeine Information und ersetzt keine steuerliche Beratung.

Deutschland: ein Land ohne Minen, aber mit Beständen

Deutschland fördert kein Gold in nennenswertem Umfang. Alles Feingold, das hierzulande entsteht, kommt aus importiertem Vormaterial oder aus dem Recycling. Pforzheim ist historisch das Zentrum der deutschen Edelmetallscheidung, weitere große Standorte liegen in Hanau und im Umfeld der Schmuckindustrie.

Neben klassischem Altgold rückt der Elektronikschrott in den Fokus. Gold sitzt dort, wo Kontakte zuverlässig leiten und nicht korrodieren dürfen: in Bonddrähten, Steckverbindern, Leiterplatten. Die Mengen je Gerät sind winzig. Ein Smartphone enthält im Durchschnitt rund 36 Milligramm Gold, ein Laptop bis zu etwa 0,25 Gramm. In der Summe ergibt sich dennoch ein relevanter Bestand. Allein die ungenutzten Mobiltelefone in deutschen Schubladen werden auf mehr als sieben Tonnen Gold geschätzt.

Global betrachtet bleibt Elektronikschrott aber ein Nebenschauplatz, denn rund 90 Prozent des recycelten Goldes stammen aus Schmuck, Zahngold, Barren und Münzen. Der Grund ist schlichte Ökonomie. Aus einer Tonne Leiterplatten lassen sich nur einige hundert Gramm Gold gewinnen, und der Aufwand für Sammlung, Zerlegung und Aufbereitung ist hoch. Die oft zitierte Aussage, eine Tonne Altgeräte enthalte mehr Gold als eine Tonne Erz, stimmt zwar. Sie verschweigt jedoch, dass Erz in Millionen Tonnen anfällt, während Altgeräte einzeln eingesammelt werden müssen.

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Was das für Anleger und Käufer bedeutet

Aus dieser Angebotsmechanik lassen sich einige nüchterne Schlüsse ziehen, ganz ohne Prognose über künftige Preise. Der erste betrifft die Elastizität. Weder Minen noch Recycling reagieren kurzfristig stark auf Preissignale. Neue Minenprojekte brauchen von der Entdeckung bis zur ersten Unze zehn Jahre und mehr, und das Recycling stößt an die Grenze dessen, was Haushalte tatsächlich herzugeben bereit sind.

Der zweite Schluss betrifft die Deutung der Zahlen. Recycling ist auch ein Stimmungsindikator. Springt die Menge nach oben, steckt dahinter selten Kalkül, sondern meist wirtschaftlicher Druck in privaten Haushalten, wie sich 2009 nach der Finanzkrise gut beobachten ließ. Bleibt sie trotz Rekordnotierungen flach, wie in den vergangenen beiden Jahren, spricht das eher für Zurückhaltung und ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Und drittens ist die Herkunft beim fertigen Barren eine Frage der Dokumentation, nicht der Qualität. Wer bewusst auf Recyclinggold setzt, achtet auf Herstellerangaben und Zertifizierungen, am Metall selbst ist der Unterschied nicht zu erkennen.

Für den praktischen Bestandsaufbau bleiben deshalb die üblichen Kriterien maßgeblich: anerkannte Hersteller, gängige Stückelungen und ein enger Spread zwischen An- und Verkauf. Produkte von LBMA-zertifizierten Herstellern wie die 1-Unze-Goldbarren von Heraeus oder international breit gehandelte Anlagemünzen wie der Krügerrand erfüllen diese Anforderungen. Wer den aktuellen Materialwert eigener Bestände überschlagen will, findet im Rechner zum Goldpreis pro Gramm die passende Grundlage.

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Häufige Fragen zu Goldrecycling und Altgoldverkauf

Wie hoch ist der Anteil von Recyclinggold am weltweiten Goldangebot?

Je nach Jahr liegt der Anteil bei rund 25 bis 30 Prozent. 2025 wurden nach Daten des World Gold Council 1.404 Tonnen recycelt, was rund 28 Prozent des Gesamtangebots von 5.002 Tonnen entsprach. Der Rest stammt aus der Minenproduktion, die im selben Jahr mit geschätzten 3.672 Tonnen einen Höchststand erreichte.

Warum steigt die Recyclingmenge trotz hoher Goldpreise nur langsam?

Weil Verkaufsentscheidungen nicht allein vom Preis abhängen. 2025 zeigte das exemplarisch. Der Goldpreis stieg in US-Dollar um 67 Prozent, die Recyclingmenge nur um 3 Prozent. Viele Besitzer erwarten weiter steigende Notierungen und warten ab, die leicht mobilisierbaren Bestände sind nach mehreren Verkaufswellen ausgedünnt, und in unsicheren Zeiten wirkt Gold als Rückversicherung. Der Rekord von 1.728 Tonnen aus dem Jahr 2009 entstand, weil hoher Preis und akuter Liquiditätsbedarf nach der Finanzkrise zusammentrafen.

Wie berechne ich den Wert meines Altgolds?

Gewicht in Gramm mal Feingehalt geteilt durch 1.000 ergibt den Feingoldanteil. Diesen multiplizieren Sie mit dem aktuellen Goldpreis je Gramm. 20 Gramm 585er Schmuck ergeben beispielsweise 11,7 Gramm Feingold. Vom so ermittelten Materialwert zieht der Ankäufer seine Spanne ab, üblich sind Auszahlungen im Bereich von etwa 85 bis 95 Prozent.

Ist Recyclinggold weniger wert als Minengold?

Nein. Nach der Aufbereitung in der Scheideanstalt ist Feingold chemisch und physikalisch identisch, unabhängig von der Herkunft. Unterschiede bestehen nur in der Dokumentation der Lieferkette und in freiwilligen Nachhaltigkeitszertifikaten. Beim Weiterverkauf spielt allein der Feingehalt eine Rolle.

Welche Prüfmethode ist beim Ankauf die zuverlässigste?

Die Kupellation, auch Dokimasie genannt, gilt als Referenzverfahren und arbeitet im Promillebereich, zerstört aber eine Materialprobe. Im täglichen Ankauf hat sich die zerstörungsfreie Röntgenfluoreszenzanalyse durchgesetzt. Strichprobe und Dichtebestimmung sind schnelle Vorprüfungen, aber weniger genau.

Muss ich den Verkauf von Altgold versteuern?

Der Verkauf zählt zu den privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 EStG. Liegt zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr, ist ein Gewinn einkommensteuerfrei. Innerhalb der Jahresfrist gilt seit 2024 eine Freigrenze von 1.000 Euro für alle privaten Veräußerungsgeschäfte eines Jahres. Wird sie erreicht, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der übersteigende Teil. Bei geerbtem Schmuck wird die Besitzzeit des Erblassers angerechnet. Für den Einzelfall ist eine steuerliche Beratung sinnvoll.

Lohnt es sich, Elektronikgeräte wegen des Goldgehalts zu sammeln?

Für Privatpersonen in der Regel nicht. Ein Smartphone enthält im Schnitt rund 36 Milligramm Gold, das entspricht bei üblichen Preisen einem sehr geringen Betrag pro Gerät. Hinzu kommt, dass die Rückgewinnung industrielle Anlagen erfordert. Sinnvoll ist die ordnungsgemäße Rückgabe von Altgeräten an Sammelstellen, damit die Metalle überhaupt in den Kreislauf gelangen.

Kann Recycling eine Angebotslücke am Goldmarkt schließen?

Nur begrenzt. Recycling wirkt als Puffer und dämpft kurzfristige Engpässe, kann einen starken Nachfrageanstieg aus Investment und Zentralbanken aber nicht ausgleichen. Auch die Minenproduktion reagiert wegen langer Projektlaufzeiten nur träge. Das Goldangebot gilt deshalb insgesamt als unelastisch.

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Stand: August 2026. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Angaben zu Mengen und Anteilen beruhen auf Veröffentlichungen des World Gold Council und Metals Focus. Rechenbeispiele sind vereinfacht und verwenden angenommene Preise, die sich mit dem Marktkurs verändern.

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