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China gegen COMEX: der Goldmarkt-Umbruch am 24. Juli 2026

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Am 24. Juli 2026 verabschiedet sich der weltgrößte Goldmarkt still von einer Praxis, die den Westen seit Jahrzehnten prägt: Chinesische Privatanleger dürfen an der Shanghai Gold Exchange kein gehebeltes Papiergold mehr handeln. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, ist in Wahrheit ein Bruch mit dem gesamten Preisfindungsmodell der COMEX. Peking baut konsequent eine Infrastruktur auf, in der jeder Goldhandel physisch gedeckt sein muss, während New York und London weiter mit einem Vielfachen an Papieransprüchen operieren. Wer den Vorgang versteht, erkennt, warum immer mehr Beobachter den Goldpreis nicht am Ende, sondern am Anfang einer strukturellen Neubewertung sehen.

Die COMEX: ein Kartenhaus aus Papier

Um die Tragweite der chinesischen Entscheidung zu begreifen, muss man zunächst verstehen, wie der Goldpreis im Westen entsteht. An der COMEX in New York existieren im Jahr 2026 rechnerisch rund hundert Papieransprüche für jede reale Unze Gold, die tatsächlich in den zugelassenen Lagerhäusern liegt. Dieses Verhältnis von 100 zu 1 ist nicht statisch, sondern hat sich zuletzt beschleunigt: Noch 2024 lag es bei 65 zu 1, was einem Anstieg der Hebelung um mehr als die Hälfte entspricht. Historisch war der Extremwert im November 2015 mit fast 300 Ansprüchen pro physischer Unze zwar noch drastischer, doch die Richtung ist eindeutig.

Der entscheidende Punkt liegt darin, dass dieses aufgeblähte Papierangebot fast nie zu echter Lieferung führt. Weniger als fünf Prozent aller COMEX-Kontrakte werden jemals physisch ausgeliefert, während die übrigen rund 99 Prozent schlicht in bar abgewickelt werden. Täglich wickelt die COMEX auf diese Weise ein Handelsvolumen von etwa 450 Milliarden US-Dollar ab, fast ausschließlich über Kontrakte, hinter denen kein einziges Gramm Metall bewegt wird. Der Preis, den die Welt jeden Morgen als Goldkurs abliest, entsteht damit in einem Markt, in dem das Angebot künstlich vervielfacht werden kann.

Kontrast zwischen einem Wirbel aus Papierkontrakten und einem Tresor mit physischen Goldbarren
Zwei Welten treffen aufeinander: der Papiermarkt der COMEX und die physisch gedeckte Ordnung, die China errichtet.

Wie fragil dieses Konstrukt ist, zeigte sich Anfang 2026 in aller Deutlichkeit. Bereits im Januar verlangten physische Händler einen Aufschlag von 15 Prozent über dem offiziellen Spotpreis, weil sich Papierpreis und tatsächlicher Metallpreis zu entkoppeln begannen. Am 30. Januar 2026 stürzte der Goldpreis dann innerhalb kurzer Zeit um zwölf Prozent von 5.595 auf 4.941 US-Dollar ab. Bemerkenswert war, was zeitgleich in Fernost geschah: In Shanghai wurde physisches Gold mit einem Aufschlag von 50 bis 80 US-Dollar pro Unze über dem COMEX-Preis gehandelt. Der physische Markt widersprach dem Papiermarkt in Echtzeit und ließ keinen Zweifel daran, welcher der beiden Preise die wahre Knappheit abbildete.

Shanghai gegen New York: der fundamentale Unterschied

Der Gegensatz zwischen der Shanghai Gold Exchange und der COMEX ist kein gradueller, sondern ein prinzipieller. An der SGE ist die physische Lieferung nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Für jeden Handel muss echtes Metall bewegt werden, weshalb sich das Papier-zu-Gold-Verhältnis dort näherungsweise bei eins zu eins bewegt. Niemand kann in Shanghai zehn Ansprüche auf dieselbe Unze verkaufen. Genau das macht den Shanghai-Preis zum ehrlicheren Preis, denn er entsteht aus tatsächlichem Angebot und tatsächlicher Nachfrage, nicht aus der freien Vermehrbarkeit von Kontrakten.

Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, wie unterschiedlich die beiden Systeme funktionieren und warum das für die künftige Preisentwicklung entscheidend ist.

COMEX und Shanghai Gold Exchange im direkten Vergleich
MerkmalCOMEX (New York)SGE (Shanghai)
AbwicklungBarausgleich (rund 99 Prozent)Physische Lieferung als Pflicht
Papier-zu-Gold-Verhältnisetwa 100 zu 1etwa 1 zu 1, physisch gedeckt
Hebel für Privatanlegerbis zu 21 zu 1ab 24. Juli 2026 kein Hebel mehr
Preisfindungüber Papierkontrakteüber physisches Angebot und Nachfrage
Kontrahentenrisikohochminimal durch physische Lieferung

Noch bestimmen London und die COMEX den Löwenanteil des globalen Goldhandels, doch entscheidend ist die Dynamik: Das Gewicht Shanghais wächst rasant, während der Westen auf seinem Bestand verwaltet. Mit dem neuen HAU-Benchmark, also einem offiziellen Referenzpreis für physisches Gold aus Hongkong, der seit dem 7. Juli 2026 live verfügbar ist, erhält der physische Osten erstmals eine eigene, international sichtbare Referenz. Der Punkt ist einfach: An der SGE muss für jeden Handel echtes Gold vorhanden sein, und ein Preis, der aus dieser Bedingung entsteht, lässt sich kaum dauerhaft unter dem physischen Wert halten.

Chinas Drei-Säulen-Infrastruktur für physisches Gold

Die Entscheidung vom 24. Juli steht nicht für sich allein, sondern ist Teil eines sorgfältig geplanten Umbaus. Die erste Säule ist die Shanghai Gold Exchange selbst, an der die physische Lieferung Standard ist. Für Privatanleger endet dort der gehebelte Papierhandel, und die Margin-Anforderungen wurden auf 120 bis 140 Prozent angehoben, was einem faktischen Handelsverbot für reine Spekulanten gleichkommt. Wer in Shanghai Gold handeln will, muss es künftig im Grunde vollständig bezahlen und real halten.

Die zweite Säule ist Hongkong als internationales Tor. Der bereits erwähnte HAU Gold Price Benchmark startete am 7. Juli 2026 und wird von 41 Gründungsinstitutionen getragen, darunter große Namen wie JPMorgan, HSBC, UBS und Standard Chartered sowie fünf chinesische Banken. HSBC hat eine Tresorkapazität von 200 Tonnen in Hongkong zugesagt, und Standard Chartered prüft den Bau eines eigenen Goldtresors, der für die Gruppe der erste weltweit wäre. Über eine direkte physische Anbindung sind Zwei-Wege-Goldtransfers zwischen Shanghai und Hongkong möglich, sodass Metall in beide Richtungen fließen kann.

Moderner Hochsicherheitstresor mit langen Reihen gestapelter Goldbarren
Hongkong plant den Ausbau der Tresorkapazität auf über 2.000 Tonnen. Papierkontrakte bräuchten diesen Raum nicht.

Die dritte Säule ist der massive Ausbau der Lagerkapazität. Aktuell liegt sie bei rund 150 bis 200 Tonnen, doch das erklärte Ziel liegt bei über 2.000 Tonnen innerhalb von drei Jahren, angekündigt im Budget 2026 bis 2027 durch Finanzminister Paul Chan. Die Hong Kong Airport Authority errichtet dafür einen Tresor mit 1.000 Tonnen Fassungsvermögen direkt am Flughafen. Diese Verzehnfachung der Kapazität trägt eine klare Botschaft: Papierkontrakte brauchen keinen Tresorraum. Man baut nur dann Platz für 2.000 Tonnen, wenn man erwartet, dass tatsächlich 2.000 Tonnen echtes Metall ankommen. Ergänzend plant die HKEX neue auf Yuan lautende Gold-Futures mit physischer Lieferung, und Hongkong wickelt bereits über 70 Prozent aller globalen Offshore-Yuan-Zahlungen ab, mit Einlagen von rund 1,13 Billionen Yuan Ende Mai 2026.

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Die Zentralbanken haben längst gewählt

Während die Diskussion um Papier und Metall in der Öffentlichkeit oft abstrakt bleibt, haben die wichtigsten Akteure des globalen Finanzsystems ihre Entscheidung bereits getroffen. Nach dem EZB-Bericht vom Juni 2026 hat Gold die US-Staatsanleihen als größte Reserveposition der Welt überholt, zum ersten Mal seit 1996. Gold macht demnach rund 27 Prozent der globalen Zentralbankreserven aus, US-Treasuries nur noch etwa 22 Prozent. In absoluten Zahlen stehen rund vier Billionen US-Dollar an Zentralbank-Goldbeständen knapp 3,9 Billionen in Staatsanleihen gegenüber.

Diese Verschiebung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der längsten Kaufserie der Geschichte. Seit 16 Jahren kaufen die Zentralbanken netto Gold, in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich rund 1.000 Tonnen pro Jahr, verglichen mit etwa 500 Tonnen im Jahrzehnt davor. Das erste Quartal 2026 war mit 244 Tonnen das stärkste Auftaktquartal aller Zeiten. 89 Prozent der Zentralbanken erwarten, dass die globalen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter steigen, und ein Rekordanteil von 45 Prozent plant, die eigenen Bestände aufzustocken.

Die Institutionen, die das globale Finanzsystem betreiben, tauschen in Rekordtempo Papier gegen Metall. Sie wetten nicht darauf, dass der Papierpreis ehrlich ist, sondern darauf, dass er zu niedrig ist.

Besonders deutlich agiert die chinesische Notenbank. Die PBOC kaufte 20 Monate in Folge Gold und hielt Ende Juni 2026 Reserven von 75,44 Millionen Feinunzen. Allein im Juni erwarb sie 14,93 Tonnen, den höchsten Monatskauf seit zweieinhalb Jahren. Der World Gold Council weist zudem darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Käufe gar nicht offiziell gemeldet wird, die tatsächlichen Bestände also höher liegen dürften. Dass 2025 sogar der Stablecoin-Anbieter Tether mit über 100 Tonnen zum größten einzelnen Goldkäufer avancierte, unterstreicht, wie breit die Flucht ins physische Metall inzwischen getragen wird. Verkauft werden derweil vor allem US-Staatsanleihen, also die Papierversprechen der mächtigsten Regierung der Welt.

Die Korrektur war papiergetrieben, die Erholung wird physisch sein

Der Kursverlauf des Jahres 2026 wirkt auf den ersten Blick wie ein Argument gegen Gold, erweist sich bei genauerem Hinsehen jedoch als das Gegenteil. Von seinem Januar-Hoch bei 5.597 US-Dollar fiel der Goldpreis bis Juni auf unter 4.000 US-Dollar, ein Rückgang von rund 30 Prozent. Das zweite Quartal 2026 brachte mit minus 14,1 Prozent den steilsten Quartalsrückgang seit 2013. Ausgelöst wurde diese Kaskade jedoch nicht durch schwindende Nachfrage, sondern durch Margin Calls bei gehebelten chinesischen Privatanlegern, die ihre Positionen zwangsweise auflösen mussten.

Die physische Nachfrage brach in dieser Phase gerade nicht ein. China importierte im Mai 163 Tonnen Gold und damit Rekordmengen, die PBOC kaufte im Juni wie erwähnt 14,93 Tonnen, und die weltweite Gesamtnachfrage lag im ersten Quartal mit 1.206 Tonnen ein Prozent über dem Vorjahr, das stärkste Auftaktquartal aller Zeiten. Die Investmentnachfrage allein sprang um 170 Prozent auf 552 Tonnen, den höchsten Wert seit dem ersten Quartal 2022. Genau hier liegt die Bedeutung des 24. Juli: Ab diesem Tag ist der Mechanismus, der die Verkaufskaskade überhaupt erst ermöglichte, dauerhaft entfernt. Künftige Korrekturen dürften strukturell flacher ausfallen, weil die gehebelte Zwangsverkaufsspirale schlicht fehlt.

Aufrecht stehende Goldmünze vor einem angedeuteten steigenden Kursverlauf
Ohne gehebelte Zwangsverkäufe dürften künftige Korrekturen flacher verlaufen als die papiergetriebene Bewegung im Frühjahr 2026.

Eine historische Parallele: der London Gold Pool von 1968

Die Geschichte kennt einen bemerkenswert ähnlichen Fall. 1961 gründeten die USA gemeinsam mit sieben europäischen Verbündeten den London Gold Pool, um den offiziellen Goldpreis von 35 US-Dollar zu verteidigen. Zwischen 1958 und 1968 verloren die USA dabei rund 8.000 Tonnen Gold, ihre Reserven fielen von etwa 20.000 auf ungefähr 12.000 Tonnen. In der letzten Woche vor dem Zusammenbruch im März 1968 wurden in wenigen Tagen zwischen 780 und 1.000 Tonnen verkauft, US-Militärflugzeuge flogen Gold von Fort Knox nach London, und der Boden des Wiegeraums der Bank of England brach unter dem Gewicht zusammen.

Am 14. März 1968 bat Washington London, den Goldmarkt zu schließen, woraufhin die Queen einen Bankfeiertag erklärte. Danach existierten zwei Preise nebeneinander: der offizielle von 35 US-Dollar zwischen den Zentralbanken und der freie Marktpreis, der sofort über 40 US-Dollar sprang. 1971 beendete US-Präsident Nixon schließlich die Gold-Dollar-Konvertibilität, und innerhalb von zehn Jahren stieg der Goldpreis von 35 auf 850 US-Dollar, ein Plus von mehr als 2.300 Prozent. Das Muster ist dasselbe wie heute: ein durch künstliches Angebot verteidigter Papierpreis, bis die physische Nachfrage ihn bricht, danach zwei Preise und am Ende ein neues System.

Was die großen Banken für den Goldpreis erwarten

Auch die Prognosen der großen Institute deuten in eine Richtung. Beim aktuellen Kurs von um die 4.000 bis 4.100 US-Dollar sehen praktisch alle großen Häuser erhebliches Aufwärtspotenzial für die kommenden Jahre, wie die folgende Übersicht zeigt.

Institutionelle Goldpreisprognosen, Stand Juli 2026
InstitutionZiel Ende 2026Ziel 2027
J.P. Morganrund 6.000 USD6.300 USD
Wells Fargo6.100 bis 6.300 USD
Bank of America6.000 USDExtremszenario 8.000 USD
UBS5.500 USD5.400 USD
Goldman Sachs4.900 USD (revidiert Juni)5.400 bis 5.600 USD
Morgan Stanley5.200 USD

Eine Reuters-Umfrage unter 31 Analysten ergab einen Median von 4.916 US-Dollar für 2026, während die Prognosen für 2027 eine Bandbreite von 5.000 bis 8.000 US-Dollar aufspannen. Am äußersten Rand des Spektrums stehen 30.000 offene Call-Optionen an der CME auf einen Goldpreis von 20.000 US-Dollar zum Dezember 2026, was einer gewetteten Vervielfachung entspricht. Solche Extremwetten sollte man nicht überbewerten, doch sie zeigen, wie ernst manche Marktteilnehmer den strukturellen Umbruch nehmen.

Silber: das vergessene Metall mit dem größten Defizit der Geschichte

Wer über Gold spricht, sollte Silber nicht übergehen, denn dort verschärft sich die physische Knappheit noch schneller. Für 2025 wird ein Angebotsdefizit von 265 Millionen Unzen prognostiziert, das größte der Geschichte. Getrieben wird es von der Industrie: Die Solarbranche verbrauchte 2024 rund 232 Millionen Unzen und wächst mit etwa 30 Prozent pro Jahr, während die Elektromobilität mit rund 40 Gramm Silber je Fahrzeug bis 2028 auf 30 Millionen Fahrzeuge jährlich skalieren dürfte. Die US Mint erhöhte Anfang 2026 die Aufschläge auf Silbermünzen um 85 Prozent, ein deutliches Zeichen für Lieferengpässe.

Die Gold-Silber-Ratio liegt derzeit bei etwa 62 zu eins, historisch näher an 65, in frühen Bullenmarktphasen jedoch schon bei 32 oder sogar 16 zu eins. Sollte sich das Verhältnis wieder verengen, hätte Silber prozentual das größere Aufholpotenzial. Entsprechend reichen die Prognosen von rund 110 US-Dollar bei Citi über 135 US-Dollar im Basisfall der Bank of America bis zu deutlich höheren Langfristzielen einzelner Analysten. Wer sein Edelmetall-Depot diversifizieren möchte, findet in unserem Sortiment an Goldmünzen und den passenden Silberprodukten die ganze Bandbreite.

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Warum Gold langfristig nur eine Richtung kennt

Hinter der Momentaufnahme des 24. Juli stehen mehrere strukturelle Treiber, die unabhängig voneinander in dieselbe Richtung wirken. Da ist zunächst die Geldpolitik: Das US-Fiskaldefizit liegt bei über zwei Billionen US-Dollar pro Jahr, die Staatsverschuldung nähert sich der Marke von vierzig Billionen US-Dollar, und die Inflation verharrt mit 3,8 Prozent deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Goldman Sachs fasst diese Dynamik unter dem Begriff des Debasement Trade zusammen, also Gold als Schutz gegen die systematische Entwertung von Papierwährungen.

Hinzu kommt die De-Dollarisierung. Die BRICS-Staaten reduzieren ihre Dollar-Reserven, und China errichtet mit Shanghai und Hongkong eine goldgedeckte Handelsinfrastruktur, in der sich Yuan gegen Gold tauschen lässt, ohne US-Dollar und außerhalb des SWIFT-Systems. Der Analyst Luke Groman führt diese Logik zu einem eindrücklichen Gedankenexperiment: Teilt man Chinas Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar durch die rund 940 Tonnen Goldimporte, ergibt sich rechnerisch ein theoretischer Goldpreis von rund 38.000 US-Dollar pro Unze. Das ist keine Prognose, sondern eine Illustration dafür, wie weit Papierpreis und physische Realität auseinanderliegen können.

Der dritte Treiber ist die physische Knappheit selbst. Zentralbanken kaufen seit vier Jahren mehr als tausend Tonnen jährlich, China importiert Rekordmengen, und an der COMEX steht dem ein Papier-zu-Gold-Verhältnis von hundert zu eins gegenüber. Sollte dieses Verhältnis kippen, weil zu viele Kontraktinhaber gleichzeitig physische Lieferung verlangen, würde der Metallpreis regelrecht nach oben schnellen. Der vierte Treiber schließlich ist der strukturelle Wandel, den China mit dem 24. Juli einleitet und der über die SGE und den HAU-Benchmark den physischen Preis Schritt für Schritt sichtbarer macht.

Gestapelte Goldbarren und Goldmünzen in cinematic Beleuchtung vor dunklem Hintergrund
Physisches Gold hat jede Krise, jede Währungsreform und jeden Systemwechsel überlebt.

Bemerkenswerte Details am Rande

Einige Beobachtungen verdichten das Bild. Beim Crash am 30. Januar 2026 handelte Gold in Shanghai mit 50 bis 80 US-Dollar Aufschlag über dem COMEX-Preis, der physische Markt widersprach dem Papiermarkt also in Echtzeit. Zugleich zogen Investoren im Juni rund 2,9 Milliarden US-Dollar aus chinesischen Gold-ETFs ab, ein Rekordabfluss, und schichteten in den heimischen Aktienmarkt um, der 60 Prozent über den Tiefs von 2024 notierte. Schon 2014 hatte der Chef der Shanghai Gold Exchange auf einer Londoner Konferenz sinngemäß erklärt, Gold werde im Osten verbraucht, aber im Westen bepreist, und sobald China Einfluss auf den Goldmarkt gewinne, werde der wahre Preis sichtbar. Zwölf Jahre später wird genau das umgesetzt.

Dass der Umbruch kein rein östliches Phänomen ist, zeigt der SILVER Act, den der US-Senat am 21. Mai 2026 einbrachte und der mindestens zwei zugelassene Edelmetall-Lagerstätten pro US-Zeitzone vorschreibt. Auch Washington stärkt also seine physische Infrastruktur. Schätzungen zufolge befinden sich zwischen 40.000 und 45.000 Tonnen Gold im breiteren chinesischen System, die als Brückensicherheit für eine internationalisierte Abwicklung dienen könnten. Wer die Entwicklung praktisch begleiten möchte, findet einen fundierten Einstieg über unsere Ratgeber zum Thema Goldbarren kaufen und die übergreifende Kategorie Gold.

Fazit: der Anfang eines neuen Goldmarktes

Der 24. Juli 2026 markiert nicht das Ende einer Geschichte, sondern den Beginn eines neuen Goldmarktes. China baut systematisch eine physische Preisfindungsinfrastruktur auf, die den westlichen Papiermarkt langfristig ablösen könnte. Der COMEX mit ihrem Verhältnis von 100 Papieransprüchen je physischer Unze steht ein System gegenüber, in dem jeder Handel gedeckt sein muss. Die Zentralbanken der Welt haben ihre Wahl bereits getroffen und tauschen Staatsanleihen gegen Metall. Die Frage lautet damit weniger, ob der Goldpreis steigt, sondern wie schnell der Papierpreis den physischen Realitäten folgt. Wer heute physisches Gold besitzt, hält einen Vermögenswert, der seit Jahrtausenden jede Krise und jeden Systemwechsel überdauert hat und gerade dabei ist, seinen wahren Preis offenzulegen.

Häufige Fragen zum Goldmarkt-Umbruch

Was ändert sich am 24. Juli 2026 konkret?

Ab diesem Datum dürfen chinesische Privatanleger an der Shanghai Gold Exchange kein gehebeltes Papiergold mehr handeln. Die Margin-Anforderungen wurden auf 120 bis 140 Prozent angehoben, was den rein spekulativen Handel praktisch unmöglich macht. Damit entfällt der Mechanismus, der im Frühjahr 2026 die gehebelte Verkaufskaskade ausgelöst hatte.

Warum gilt der Shanghai-Preis als ehrlicher als der COMEX-Preis?

An der Shanghai Gold Exchange muss für jeden Handel physisches Gold bewegt werden, das Verhältnis von Papier zu Metall liegt näherungsweise bei eins zu eins. An der COMEX existieren dagegen rund 100 Papieransprüche je realer Unze, und weniger als fünf Prozent der Kontrakte werden je physisch ausgeliefert. Ein Preis, der aus echter Lieferung entsteht, bildet die tatsächliche Knappheit genauer ab.

Bedeutet die Korrektur von 2026, dass Gold überbewertet war?

Der Rückgang von rund dreißig Prozent war papiergetrieben und wurde durch Zwangsverkäufe gehebelter Positionen ausgelöst, nicht durch schwindende Nachfrage. Physisch importierte China im Mai Rekordmengen, und die weltweite Gesamtnachfrage erreichte im ersten Quartal einen Höchststand. Fundamental sprechen die Daten nicht für eine Überbewertung.

Was hat der London Gold Pool von 1968 mit heute zu tun?

Damals verteidigten die USA und ihre Verbündeten einen künstlich niedrigen Goldpreis, bis die physische Nachfrage das System sprengte. Danach existierten zwei Preise nebeneinander, später folgte ein neues Währungssystem und ein Preisanstieg von über zweitausend Prozent in zehn Jahren. Das Muster aus verteidigtem Papierpreis und schließlichem Bruch durch die physische Realität ähnelt der heutigen Lage.

Warum kaufen die Zentralbanken so viel Gold?

Seit sechzehn Jahren kaufen die Zentralbanken netto Gold, zuletzt rund tausend Tonnen pro Jahr. Gold hat US-Staatsanleihen als größte Reserveposition überholt. Die Notenbanken tauschen damit Papierversprechen gegen ein knappes, physisches Gut, das kein Kontrahentenrisiko trägt.

Welche Rolle spielt physisches Gold für Privatanleger?

Physisches Gold ist frei von Kontrahentenrisiko und unabhängig von Papierkontrakten. Gerade in einem Umfeld, in dem sich Papierpreis und physischer Preis zeitweise entkoppeln, ist der tatsächliche Besitz des Metalls entscheidend. Ob Barren oder Münzen hängt von den individuellen Zielen ab. Dieser Beitrag ist eine Information und keine Anlageberatung.

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