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07.02.2026
11:12 Uhr

ADAC-Funktionär muss nach Spritpreis-Skandal den Hut nehmen – doch die Mitglieder bleiben skeptisch

ADAC-Funktionär muss nach Spritpreis-Skandal den Hut nehmen – doch die Mitglieder bleiben skeptisch

Was passiert, wenn ein Automobilclub, der eigentlich die Interessen seiner Mitglieder vertreten sollte, plötzlich höhere Spritpreise als „richtiges Instrument" bezeichnet? Er verliert in kürzester Zeit rund 60.000 Mitglieder. Der ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand hat diese bittere Lektion auf die harte Tour gelernt und musste Anfang Februar 2026 seinen Posten räumen.

Ein Interview mit verheerenden Folgen

Der Stein des Anstoßes war ein Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung Ende Dezember 2025. Hillebrand erklärte darin, der ADAC halte die CO₂-Bepreisung für ein „richtiges Instrument", um Klimaschutzziele zu erreichen. Noch brisanter war seine Aussage, die Menschen bräuchten einen „Anreiz", um auf klimaschonende Alternativen umzusteigen. Für Millionen von Autofahrern, die ohnehin unter den explodierenden Lebenshaltungskosten ächzen, klang das wie blanker Hohn.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In den sozialen Netzwerken kursierten Kündigungsschreiben, Beschwerden fluteten die ADAC-Zentrale. Der Club bestätigte schließlich selbst die erschreckende Zahl von etwa 60.000 Kündigungen im Zusammenhang mit dem Interview. Ein finanzieller Aderlass, der die Beitragsbasis empfindlich trifft.

Dilettantisches Krisenmanagement verschärft den Schaden

Besonders fatal wirkte das anschließende Krisenmanagement des Clubs. Statt sofort klare Kante zu zeigen, verteidigte Hillebrand zunächst seine Grundposition. Erst als der Proteststurm nicht abebbte, sprach er plötzlich von einem „Missverständnis". Diese Reihenfolge entlarvte sich selbst als durchsichtiges Taktieren. Die Mitglieder erkannten das Muster: Erst die ideologische Linie halten, dann zurückrudern, wenn es zu teuer wird.

Am 2. Februar 2026 folgte schließlich der unvermeidliche Rücktritt. Der ADAC begründete den Schritt offiziell mit „Irritationen" unter den Mitgliedern und einem erlittenen „Reputationsschaden". Hillebrand habe „persönlich Verantwortung" übernommen, hieß es in der Pressemitteilung. Technikpräsident Karsten Schulze übernahm den Bereich kommissarisch.

Bauernopfer statt echter Kurskorrektur?

Doch viele Mitglieder bleiben skeptisch – und das zu Recht. Denn die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wofür steht der ADAC eigentlich in der Sache? Bis heute fehlt eine klare Aussage, dass der Club höhere Spritpreise als politisches Steuerungsinstrument kategorisch ablehnt. Genau das aber erwarten die Beitragszahler von ihrer Interessenvertretung.

Der Rücktritt eines einzelnen Funktionärs wirkt unter diesen Umständen wie ein klassisches Bauernopfer. Der Kopf rollt, damit Ruhe einkehrt – doch die fragwürdige Linie bleibt bestehen. Das ist zu wenig für einen Verein, der sich als Anwalt der Autofahrer versteht.

„Der ADAC kann Klimaziele einordnen, doch er muss zuerst die Interessen seiner Mitglieder schützen – selbst wenn das politischen Vorgaben widerspricht und unbequeme Positionen erzwingt."

Die Lehre aus dem Debakel

Der Fall Hillebrand offenbart ein grundsätzliches Problem vieler Verbände und Institutionen in Deutschland. Zu oft biedern sich Funktionäre dem politischen Zeitgeist an, statt die Interessen derjenigen zu vertreten, die sie bezahlen. Die grüne Transformation wird als alternativlos verkauft, während die Bürger die Zeche zahlen sollen.

Das Vertrauen der ADAC-Mitglieder wird nur zurückkehren, wenn der Club den Auftrag seiner Beitragszahler sichtbar priorisiert. Es braucht eine klare Ansage zur Belastungsgrenze – und zwar nicht erst dann, wenn wieder Zehntausende ihre Mitgliedschaft kündigen. Solange diese Kurskorrektur ausbleibt, werden viele Autofahrer den Verdacht nicht los, dass der ADAC längst mehr den politischen Eliten dient als seinen eigenen Mitgliedern.

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