
Amerikas Wasserkrise: Wenn der Hahn trocken bleibt und die Politik versagt
In den Vereinigten Staaten, dem selbsternannten Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wird fließendes Wasser zunehmend zum Privileg der Wohlhabenden. Was einst als selbstverständlich galt, entwickelt sich in amerikanischen Metropolen zu einem Luxusgut, das sich Millionen nicht mehr leisten können. Die Zahlen sprechen eine erschreckende Sprache: Über 70 Prozent der Haushalte in US-Großstädten müssen mittlerweile ohne verlässliche Wasserversorgung auskommen.
Von der Landkrise zur Stadtkrise
Die Wasserkrise, die jahrzehntelang als Problem ländlicher Regionen abgetan wurde, hat längst die glitzernden Fassaden der Großstädte erreicht. Portland verzeichnet mit einem Anstieg von fast 60 Prozent zwischen 2000 und 2021 den dramatischsten Zuwachs an Haushalten ohne Wasseranschluss. Doch auch die Ikonen amerikanischer Urbanität bleiben nicht verschont: Los Angeles, San Francisco und selbst New York kämpfen mit einer Realität, die man eher in Entwicklungsländern vermuten würde.
Besonders perfide zeigt sich die Krise in ihrer sozialen Dimension. In San Francisco, der Stadt der Tech-Milliardäre, leben über 70 Prozent der nicht-weißen Bevölkerung ohne zuverlässigen Wasseranschluss. Die Gentrifizierung und explodierende Mieten haben eine neue Form der Apartheid geschaffen – eine, die sich nicht durch Hautfarbe, sondern durch den Zugang zu sauberem Wasser definiert.
Die Finanzkrise als Brandbeschleuniger
Der Kollaps des Immobilienmarktes 2008 wirkt bis heute nach. Großkonzerne kauften massenhaft Immobilien auf, trieben die Mieten in astronomische Höhen und schufen ein System, in dem bezahlbarer Wohnraum zur Mangelware wurde. Die Folge: Menschen werden in prekäre Wohnsituationen gedrängt, wo funktionierende Sanitäranlagen zum unerreichbaren Luxus werden.
"Das Hauptproblem sind die häufigen Wasserabschaltungen und die Unklarheit darüber, ob das Wasser sicher ist oder nicht"
Diese Worte einer Bewohnerin aus Colorado spiegeln die Verzweiflung von 17 Millionen Amerikanern wider, die in Wohnmobilen leben. Fast 70 Prozent der Wohnmobilparks mit eigenen Wassersystemen verstoßen gegen die Vorschriften für sicheres Trinkwasser – ein Skandal, der in seiner Dimension kaum zu fassen ist.
Ein Menschenrecht? Nicht in Amerika!
Während die Vereinten Nationen bereits 2010 den Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht erklärten, enthielten sich die USA bezeichnenderweise. Ein Armutszeugnis für eine Nation, die sich gerne als Leuchtturm der Demokratie inszeniert. Stattdessen steigen die Wasserpreise ungebremst, und 14 Millionen Haushalte können ihre Wasserrechnungen nicht mehr bezahlen. Die brutale Konsequenz: Der Hahn wird zugedreht.
Nur vereinzelt regt sich Widerstand gegen diese unmenschliche Praxis. Kalifornien wagte 2012 den revolutionären Schritt, das Recht auf Wasser anzuerkennen – ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der nationalen Krise.
Gift aus dem Hahn
Doch selbst dort, wo Wasser fließt, ist die Gefahr nicht gebannt. Pennsylvania, Texas und West Virginia führen die beschämende Liste der Bundesstaaten mit dem schlechtesten Trinkwasser an. Die marode Infrastruktur, jahrzehntelang vernachlässigt zugunsten von Steuersenkungen für Konzerne, rächt sich nun bitter.
Diese Entwicklung offenbart das fundamentale Versagen des amerikanischen Systems. Während Milliarden in Rüstung und fragwürdige Auslandseinsätze fließen, verrotten die Wasserleitungen im eigenen Land. Ein Staat, der seinen Bürgern nicht einmal sauberes Wasser garantieren kann, hat seine grundlegendste Aufgabe verfehlt.
Lehren für Deutschland
Die amerikanische Wasserkrise sollte uns als mahnendes Beispiel dienen. Wenn wir unsere Infrastruktur weiter vernachlässigen und stattdessen Milliarden in ideologische Prestigeprojekte pumpen, könnte auch hierzulande bald der Hahn trocken bleiben. Die Privatisierung öffentlicher Güter und die Unterwerfung unter die Logik des Marktes führen unweigerlich in die Katastrophe – das zeigt das amerikanische Beispiel überdeutlich.
Während unsere Regierung von Klimaneutralität träumt und ein 500-Milliarden-Sondervermögen für fragwürdige Projekte plant, sollte sie lieber sicherstellen, dass auch in Zukunft sauberes Wasser aus deutschen Hähnen fließt. Denn eines lehrt uns die amerikanische Misere: Ohne funktionierende Grundversorgung ist alles andere nur Makulatur.
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