
Atomgespräche im Oman: Verwirrung vor heiklen Verhandlungen zwischen USA und Iran

Die diplomatische Bühne ist bereitet, doch das Drehbuch scheint noch nicht abgestimmt zu sein. Während der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bereits konkrete Details zu den bevorstehenden Atomgesprächen verkündet, hüllt sich Washington in vielsagendes Schweigen. Ein Schauspiel, das die ohnehin fragile Lage im Nahen Osten nicht gerade beruhigt.
Teheran prescht vor – Washington zögert
Der iranische Chefdiplomat ließ über die Plattform X verlauten, dass die Verhandlungen am Freitag um 10.00 Uhr Ortszeit in der omanischen Hauptstadt Maskat beginnen sollen. Mit demonstrativer Höflichkeit bedankte er sich bei den "omanischen Brüdern" für die getroffenen Vorbereitungen. Doch aus dem Weißen Haus und dem State Department? Kein offizielles Wort der Bestätigung.
US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich lediglich dahingehend, dass die Vereinigten Staaten grundsätzlich für einen Dialog bereit seien. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff stehe für ein Treffen am Freitag zur Verfügung. Eine bemerkenswert vage Formulierung für ein Ereignis von derart geopolitischer Tragweite.
Trumps Zuckerbrot und Peitsche
Die Vorgeschichte dieser Gespräche liest sich wie ein diplomatisches Wechselbad der Gefühle. Noch vor wenigen Wochen hatte US-Präsident Donald Trump der iranischen Führung unverhohlen mit militärischen Angriffen gedroht. Der Anlass: das brutale Vorgehen des Sicherheitsapparates gegen die Massenproteste Anfang Januar, bei denen nach Schätzungen Tausende Demonstranten in den Nächten des 8. und 9. Januar getötet worden sein sollen.
Nun also der Schwenk zum Dialog. Ein klassisches Trump-Manöver, das man bereits aus seiner ersten Amtszeit kennt: maximaler Druck, gefolgt von überraschenden Gesprächsangeboten. Ob diese Taktik im Umgang mit dem theokratischen Regime in Teheran Früchte trägt, bleibt abzuwarten.
Die vergessenen Stimmen der iranischen Opposition
Was in der diplomatischen Choreographie völlig unterzugehen droht, sind die Hoffnungen und Ängste jener Iranerinnen und Iraner, die unter Einsatz ihres Lebens gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik auf die Straße gegangen sind. Für sie bedeuten neue Verhandlungen mit dem Westen vor allem eines: eine Legitimierung des Regimes, das sie stürzen wollen.
Die Demonstranten fordern einen Machtwechsel und fürchten, dass neue Gespräche der Regierung in Teheran den Rücken stärken könnten.
Diese Sorge ist keineswegs unbegründet. Die Geschichte lehrt, dass internationale Anerkennung und Verhandlungen auf Augenhöhe autoritären Regimen oft genau jene Atempause verschaffen, die sie zur Konsolidierung ihrer Macht benötigen.
Der Oman als neutraler Boden
Die Wahl des Sultanats Oman als Verhandlungsort ist dabei kein Zufall. Das kleine Golfstaatentum hat sich über Jahrzehnte einen Ruf als diskreter Vermittler in der Region erarbeitet. Bereits in der Vergangenheit dienten die klimatisierten Konferenzräume Maskats als Kulisse für heikle Gespräche zwischen verfeindeten Parteien.
Ob diese Verhandlungen tatsächlich zu einer Entspannung im Atomstreit führen werden, oder ob sie lediglich ein weiteres Kapitel im endlosen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Washington und Teheran darstellen, wird sich zeigen. Die Verwirrung im Vorfeld jedenfalls verheißt nichts Gutes für den Ausgang dieser diplomatischen Gratwanderung.

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