
Britische Truppen für die Ukraine: Große Versprechen, wenig Substanz

Das Vereinigte Königreich hat sich diese Woche in Paris zu einem historischen Schritt verpflichtet – oder zumindest so getan. Gemeinsam mit Frankreich unterzeichnete die britische Regierung eine „Absichtserklärung", Truppen in der Ukraine zu stationieren, um einen möglichen Waffenstillstand mit Russland abzusichern. Was auf dem Papier nach entschlossenem Handeln klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Nebel aus unbeantworteten Fragen und gefährlicher Unklarheit.
Starmer schweigt, während die Kritik anschwillt
Premierminister Keir Starmer hat zwar eine Abstimmung im Unterhaus versprochen, doch über die konkreten Details der geplanten Operation hüllt er sich in beharrliches Schweigen. Wie viele Soldaten sollen entsendet werden? Unter welchen Einsatzregeln werden sie operieren? Wie lange soll der Einsatz dauern? Auf all diese drängenden Fragen gibt es bislang keine Antworten – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die britischen Streitkräfte bereits unter erheblichem Druck stehen.
Diese mangelnde Transparenz schlägt mittlerweile hohe Wellen in Verteidigungskreisen. Ed Arnold vom renommierten Think Tank Royal United Services Institute beschreibt die Lage des Vereinigten Königreichs als „wirklich gefährlich". Der pensionierte Kommandeur Tim Collins warnte, dass jede Friedensmission ohne höhere Verteidigungsausgaben schlicht nicht glaubwürdig sei.
Hat Großbritannien überhaupt genug Soldaten?
Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron immerhin konkrete Zahlen nennt und von „mehreren Tausend" Soldaten spricht, bleibt Starmer vage. Im Unterhaus verteidigte er diese Haltung mit dem Argument, die Größe des Kontingents hänge von der Art des Waffenstillstands ab. Eine bequeme Ausrede, die jedoch kaum über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen kann.
Die strategische Verteidigungsüberprüfung des vergangenen Jahres machte unmissverständlich klar: Die britischen Streitkräfte sind seit dem Ende des Kalten Krieges dramatisch geschrumpft. Nur noch ein kleiner Teil der Truppen ist jederzeit einsatzbereit. Die aktuellen Zahlen des Verteidigungsministeriums beziffern die Anzahl der medizinisch einsatzfähigen Soldaten auf gerade einmal 99.162.
„Diese Mission darf absolut nicht scheitern. Und wenn es eine Mission ist, die nicht scheitern darf, muss sie absolut wasserdicht sein."
So warnt Ed Arnold und fügt hinzu, dass ein Einsatz in der Ukraine möglicherweise „größer" sein könnte als die Einsätze im Irak, in Afghanistan, im Kosovo und in Libyen zusammen – nicht unbedingt in der Truppenstärke, aber in Bezug auf die Konsequenzen eines möglichen Scheiterns.
Was passiert, wenn Russland tatsächlich angreift?
Die vielleicht beunruhigendste Frage bleibt völlig unbeantwortet: Was geschieht, wenn russische Truppen britische Soldaten direkt angreifen? Die Minister weichen dieser Frage konsequent aus und betonen stattdessen die Rolle Großbritanniens als Teil einer „Beruhigungstruppe", die Luft- und Seeunterstützung leisten und ukrainische Soldaten ausbilden soll.
Selbst der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich skeptisch. In einem Gespräch mit Journalisten fragte er offen: „Würden alle Partner der Koalition der Willigen stark reagieren, wenn Russland erneut angreift? Das ist eine schwierige Frage. Ich stelle sie allen, und ich habe immer noch keine klare Antwort bekommen."
Richard Shirreff, ehemaliger stellvertretender Oberbefehlshaber der NATO in Europa, brachte es auf den Punkt: „Das kann keine leicht bewaffnete Blauhelm-Friedenstruppe sein. Frieden durchzusetzen bedeutet, bereit zu sein, die Russen zu übertreffen – und das bedeutet auch, bereit zu sein, sie notfalls zu bekämpfen."
Die amerikanische Rückendeckung – ein frommer Wunsch?
Starmer hat stets betont, dass eine britische Militärbeteiligung von amerikanischer Unterstützung abhängt. Doch wie belastbar ist diese Zusage wirklich? Die Abschlusserklärung des Pariser Treffens wurde gegenüber einem früheren Entwurf deutlich abgeschwächt. Verweise auf eine amerikanische Beteiligung an der multinationalen Truppe – einschließlich US-Fähigkeiten wie Aufklärung und Logistik sowie einer Verpflichtung zur Unterstützung im Angriffsfall – wurden gestrichen.
Dies nährt die Befürchtung, dass Großbritannien über seine tatsächlichen Fähigkeiten hinaus redet und allzu optimistisch auf das Verhalten seiner Verbündeten setzt. Regierungsvertreter wiesen die Kritik zurück und argumentierten, es wäre „unverantwortlich", spezifische operative Details vorzeitig zu teilen. Diese Position dürfte jedoch nicht lange haltbar sein.
Ein gefährliches Spiel mit ungewissem Ausgang
Was bleibt, ist das Bild einer Regierung, die große Versprechungen macht, ohne die Mittel oder den Plan zu haben, diese einzulösen. Nigel Farage, der populistische Anführer der Reform UK-Partei, prognostizierte bereits, dass Großbritannien seine Verpflichtungen bestenfalls „sechs oder acht Wochen" aufrechterhalten könne. Eine vernichtende Einschätzung, die angesichts der offensichtlichen Planlosigkeit durchaus plausibel erscheint.
Die britische Öffentlichkeit verdient Klarheit darüber, wohin ihre Soldaten geschickt werden und unter welchen Bedingungen sie ihr Leben riskieren sollen. Stattdessen erhält sie vage Absichtserklärungen und ausweichende Antworten. In einer Zeit, in der Europa vor seinen größten sicherheitspolitischen Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg steht, ist diese Geheimniskrämerei nicht nur unverantwortlich – sie ist gefährlich.
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