
CDU bleibt hart: Keine Annäherung an die Linkspartei trotz Zweidrittelmehrheit-Dilemma
Die CDU zieht klare rote Linien in der deutschen Politik. Generalsekretär Carsten Linnemann stellte in einem Interview mit den Funke-Medien unmissverständlich klar, dass seine Partei auch weiterhin jegliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei kategorisch ablehne. Diese Haltung gewinnt besondere Brisanz vor dem Hintergrund, dass die Große Koalition für wichtige Verfassungsentscheidungen auf Stimmen aus anderen Lagern angewiesen sein könnte.
Antisemitismus und Sozialismus als Ausschlusskriterien
Linnemann begründete die strikte Ablehnung mit deutlichen Worten: Die Linkspartei habe sich niemals klar von radikalem Gedankengut distanziert. Besonders alarmierend sei die beunruhigende Zunahme antisemitischer Strömungen innerhalb der Partei. "Wachsender Antisemitismus und ein Bekenntnis zum Sozialismus - das ist das Gegenteil von dem, was wir in der CDU wollen", so der Generalsekretär. Diese Aussage unterstreicht, dass die Union ihre konservativen Grundwerte verteidigt und sich nicht von pragmatischen Überlegungen zu faulen Kompromissen verleiten lässt.
Der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU, der sowohl eine Zusammenarbeit mit der AfD als auch mit der Linkspartei ausschließt, bleibe unverändert bestehen. Diese Haltung zeigt, dass die Union - anders als andere Parteien - noch Prinzipien hat und diese auch in schwierigen parlamentarischen Situationen nicht über Bord wirft.
Das Dilemma der Zweidrittelmehrheit
Die aktuelle politische Konstellation stellt die Große Koalition vor erhebliche Herausforderungen. Für Verfassungsänderungen und die Wahl von Verfassungsrichtern ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Da Union, SPD und Grüne gemeinsam diese Mehrheit nicht mehr erreichen, wären sie theoretisch auf die Stimmen der Linken oder der AfD angewiesen. Linnemann machte jedoch deutlich, dass es "keine Gespräche mit der AfD geben" werde - über die Linke schwieg er sich aus, was Raum für Spekulationen lässt.
Besonders brisant wird diese Situation bei der anstehenden Wahl von Verfassungsrichtern. Die Union hatte kürzlich einer Kandidatin kurzfristig ihre zuvor zugesagte Unterstützung entzogen, was für erhebliche Verstimmungen sorgte. Trotz dieser Komplikationen zeigte sich Linnemann optimistisch, dass eine geeignete Kandidatin oder ein Kandidat die erforderliche breite Mehrheit finden werde - wie dies ohne Gespräche mit Linken oder AfD gelingen soll, ließ er jedoch offen.
Schuldenbremse: Union bleibt standhaft
Auch beim Thema Schuldenbremse positionierte sich Linnemann klar gegen die von SPD und Grünen favorisierte Reform. Die Vereinbarung der Koalitionspartner, eine Kommission zur Prüfung einer Reform einzusetzen, bedeute keineswegs, dass es tatsächlich zu Änderungen kommen werde. "Aus Sicht der Union kann die Schuldenbremse im Prinzip so bleiben wie sie ist", betonte der CDU-Generalsekretär.
Diese Haltung ist zu begrüßen, denn die Schuldenbremse ist eines der wenigen verbliebenen Instrumente, die verhindern, dass künftige Generationen noch stärker mit den Schulden heutiger Ausgabenpolitik belastet werden. Gerade angesichts des bereits beschlossenen 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens für Infrastruktur wäre eine weitere Aufweichung der Schuldenbremse ein fatales Signal.
Die Realität hinter den Prinzipien
Die strikte Haltung der CDU mag prinzipienfest erscheinen, wirft jedoch praktische Fragen auf. Wie will die Große Koalition wichtige Verfassungsentscheidungen treffen, wenn sie weder mit der Linken noch mit der AfD sprechen will? Die mathematische Realität im Bundestag lässt sich nicht durch moralische Überlegenheit überwinden.
Es bleibt abzuwarten, ob die Union ihre harte Linie durchhalten kann oder ob der Pragmatismus der Macht sie zu stillschweigenden Arrangements zwingen wird. Die Geschichte zeigt, dass Prinzipien in der Politik oft dann aufgeweicht werden, wenn es um die eigene Handlungsfähigkeit geht. Immerhin: Die klare Absage an die Linkspartei mit ihrer zunehmend antisemitischen Ausrichtung ist ein wichtiges Signal in Zeiten, in denen der Antisemitismus in Deutschland wieder salonfähig zu werden droht.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die CDU ihre Standhaftigkeit bewahren kann oder ob sie - wie so oft in der Vergangenheit - ihre Prinzipien dem politischen Tagesgeschäft opfert. Für die Glaubwürdigkeit der Union und die Stabilität unserer Demokratie wäre es wünschenswert, wenn sie diesmal bei ihrer klaren Linie bliebe.