
Deutschlands Energieversorgung auf dünnem Eis: Defekter Eisbrecher legt LNG-Terminal Mukran lahm

Was wie eine Realsatire klingt, ist bittere Wirklichkeit im Februar 2026: Ein einziger technischer Defekt an einem Eisbrecher genügt, um eines der zentralen LNG-Terminals Deutschlands faktisch vom Netz zu nehmen. Die „Neuwerk", eigens von der Nordsee in die Ostsee verlegt, um eine Fahrrinne zum zugefrorenen Hafen Mukran auf Rügen freizuräumen, ist ausgefallen. Der LNG-Tanker „Minerva Amorgos" wartet seit über einer Woche in einer eisfreien Zone vor Rügen – und kann nicht anlegen. Deutschland, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, scheitert an einer Eisdecke.
Ein Land, das seine Infrastruktur vernachlässigt
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die gesamte Gasversorgung über das Terminal Mukran hängt an einem einzigen eisbrechenden Mehrzweckschiff. Als dieses am Freitag wegen eines nicht näher benannten technischen Defekts in den Hafen zurückkehren musste, war die Fahrrinne sofort wieder blockiert. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hüllt sich derweil in vielsagendes Schweigen – weder zur Art des Schadens noch zur voraussichtlichen Reparaturdauer gibt es belastbare Angaben. Transparenz sieht anders aus.
Besonders pikant: Der größte deutsche Ostsee-Eisbrecher „Arkona" wurde im Gegenzug in die Nordsee geschickt. Eine logistische Rochade, die nun wie ein strategischer Fehlgriff wirkt. Denn ohne die „Neuwerk" fehlt vor Ort genau jenes Schiff, das die Lage hätte stabilisieren sollen. Bei einer festliegenden Eisdecke reicht bereits ein kurzer Ausfall, um die mühsam freigeräumte Passage wieder zufrieren zu lassen.
Schlepper statt Eisbrecher – Notlösung mit Verfallsdatum
Als Ersatz soll nun der kleinere, gecharterte Schlepper „VB Bremen Fighter" die Fahrrinne eisfrei halten. Doch wer auch nur rudimentäre Kenntnisse der Seefahrt besitzt, weiß: Ein Schlepper ist kein Eisbrecher. Er kann Eis drücken und Rinnen notdürftig offen halten, doch bei nachdrückendem Eis fehlen ihm schlicht die Dauerleistung und die Räumtiefe eines spezialisierten Mehrzweckschiffs. Jeder Tanker-Anlauf wird damit zur Zitterpartie – eine Situation, die einer Industrienation unwürdig ist.
Am Samstagmittag nahm die „Neuwerk" Berichten zufolge Kurs auf Rostock, vermutlich zur Reparatur. Wann das Schiff wieder einsatzbereit sein wird, steht in den Sternen. Unterdessen verschiebt sich mit jedem zusätzlichen Wartetag der gesamte Betriebsablauf am LNG-Terminal. Einen belastbaren Fahrplan gibt es nicht mehr.
Die Quittung für jahrelange Energiepolitik-Irrwege
Diese Episode ist mehr als nur ein technisches Missgeschick. Sie ist ein Symptom einer Energiepolitik, die über Jahre hinweg auf ideologischen Prämissen statt auf nüchterner Infrastrukturplanung basierte. Deutschland hat sich durch den überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie und die gleichzeitige Abhängigkeit von russischem Gas in eine Verwundbarkeit manövriert, die nun bei jeder Krise – sei es geopolitischer oder meteorologischer Natur – schonungslos offengelegt wird.
Die LNG-Terminals, einst als Rettungsanker der deutschen Gasversorgung gefeiert, erweisen sich in der Praxis als anfällig für Störungen, die man bei sorgfältiger Planung hätte antizipieren können. Dass ein Winter mit Eisbildung auf der Ostsee die Verantwortlichen offenbar überrascht, grenzt an Fahrlässigkeit. Die Ostsee friert zu – das ist kein Jahrhundertereignis, sondern ein Naturphänomen, das in regelmäßigen Abständen auftritt und für das eine vorausschauende Infrastrukturpolitik Vorsorge hätte treffen müssen.
Gasspeicher unter Druck – die Lage spitzt sich zu
Die Blockade des Terminals Mukran trifft Deutschland in einer ohnehin angespannten Versorgungslage. Die Gasspeicher-Füllstände sind bereits deutlich kritischer, als es die offiziellen Verlautbarungen vermuten lassen. Jeder Tag, an dem kein LNG angeliefert werden kann, verschärft die Situation weiter. Und während die Politik sich in Sonntagsreden über Versorgungssicherheit ergeht, liegt ein Tanker mit dringend benötigtem Flüssiggas vor Rügen und wartet. Einfach nur wartet.
Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz steht nun vor der Aufgabe, die infrastrukturellen Versäumnisse der Vorgängerregierungen aufzuarbeiten. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Ein Land, das seine kritische Infrastruktur nicht gegen vorhersehbare Risiken absichert, spielt mit der Versorgungssicherheit seiner Bürger. Und das ist ein Spiel, das niemand gewinnen kann.
Für den deutschen Bürger, der seine Gasrechnung pünktlich bezahlt und darauf vertraut, dass der Staat die Grundversorgung sicherstellt, ist diese Situation schlicht inakzeptabel. Es wird höchste Zeit, dass in Berlin nicht nur über Energiewende philosophiert, sondern endlich in robuste, winterfeste Infrastruktur investiert wird. Denn eines sollte mittlerweile auch dem letzten Ideologen klar sein: Die Physik verhandelt nicht.
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