
Gasspeicher auf Rekordtief – Warum die Regierung dennoch Entwarnung gibt
Die deutschen Gasspeicher weisen derzeit den niedrigsten Füllstand seit Jahren auf. Gerade einmal 31,15 Prozent zeigt die Anzeige Anfang Februar – ein Wert, der in früheren Zeiten wohl für hektische Krisensitzungen gesorgt hätte. Doch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU gibt sich betont gelassen: „Sorgen sind nicht angebracht", verkündete sie während einer Dienstreise nach Saudi-Arabien. Ist diese Entspanntheit gerechtfertigt oder handelt es sich um politischen Zweckoptimismus?
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Der Vergleich mit den Vorjahren offenbart das Ausmaß der Situation. Vor exakt einem Jahr lagen die Füllstände noch bei stolzen 54,43 Prozent – also fast doppelt so hoch wie heute. Selbst in den Jahren 2018 bis 2021, als russisches Gas noch ungehindert durch die Pipelines floss und niemand an einen Krieg in der Ukraine dachte, betrug der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt immerhin 43,44 Prozent.
Die Bundesnetzagentur sieht dennoch keinen Grund zur Panik. „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet", teilt die Behörde mit. Klaus Müller, der Chef der Bundesnetzagentur und ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter, erklärt den scheinbaren Widerspruch mit einem grundlegenden Wandel der Speicherrolle.
LNG-Terminals verändern die Spielregeln
Seit dem Bruch mit Russland hat Deutschland massiv in alternative Infrastruktur investiert. Neue LNG-Terminals für Flüssigerdgas ermöglichen es, Gas aus Norwegen, den USA oder Aserbaidschan zu beziehen. Diese Diversifizierung macht die Bundesrepublik weniger abhängig von prall gefüllten Speichern. „Niedrige Speicherfüllstände sind kein automatisches Indiz für eine Gasmangellage", betont Müller.
Interessanterweise lag der monatliche Gasverbrauch in den vergangenen Monaten durchweg unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021. Einzige Ausnahme bildete der Januar mit einem Plus von 2,6 Prozent – zurückzuführen vor allem auf die Industriekunden, die 5,8 Prozent mehr Gas benötigten. Dies könnte ein positives Signal für die wirtschaftliche Erholung sein.
Paradoxe Preiseffekte durch staatliche Vorgaben
Die Gasspeicherfüllstandsverordnung schreibt vor, dass die Speicher zum 1. November zu 80 Prozent und zum 1. Februar zu 30 Prozent gefüllt sein müssen. Diese Vorgaben haben jedoch einen unerwünschten Nebeneffekt auf den Markt. Natasha Fielding von der Preisberichtsagentur Argus Media beobachtet ein Paradoxon:
„Wir beobachten das Gegenteil, die Sommerpreise sind teilweise sogar höher als im Winter."
Der Anreiz, Gas im Sommer günstig einzuspeichern, entfällt damit. Müller selbst kritisiert die Füllstandsvorgaben als „sperriges Instrument", das den Markt verzerre. Er plädiert stattdessen für eine strategische Gasreserve, um auf externe Schocks reagieren zu können.
Kritische Phase im Frühjahr möglich
Trotz aller Entspannung warnen Experten vor voreiliger Sorglosigkeit. „Deutschland könnte sich mit den eingespeicherten Mengen allein noch mehrere Wochen komplett versorgen", erklärt Fielding. Doch sie fügt hinzu: „Kritisch könnte es im Frühjahr werden, wenn die Speicherstände weiter sinken und es doch noch mal kalt werden sollte."
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, die Energieversorgung langfristig zu sichern, ohne die ohnehin strapazierten Staatsfinanzen weiter zu belasten. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur wird die Schuldenlast weiter erhöhen – Geld, das künftige Generationen durch Steuern und Abgaben zurückzahlen müssen. Ob die neue Große Koalition hier einen nachhaltigeren Kurs einschlägt als ihre Vorgänger, bleibt abzuwarten. Die deutschen Bürger jedenfalls sollten weiterhin sparsam mit Gas umgehen – nicht nur wegen der Versorgungssicherheit, sondern auch angesichts des nach wie vor erhöhten Preisniveaus.

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