
Indonesien versinkt im Chaos: Drei Tote bei Protesten nach tödlichem Polizeieinsatz
Was passiert, wenn ein Staat die Kontrolle über seine Sicherheitskräfte verliert? Indonesien liefert gerade die erschreckende Antwort. Nach dem Tod eines Motorradfahrers durch ein Polizeifahrzeug brennen Regierungsgebäude, Menschen sterben in den Flammen, und das Land versinkt in gewalttätigen Protesten. Ein Szenario, das uns in Deutschland angesichts steigender Polizeigewalt und zunehmender gesellschaftlicher Spannungen als mahnendes Beispiel dienen sollte.
Der Funke, der das Pulverfass entzündete
Die Bilder gingen viral: Ein Gig-Economy-Motorradfahrer wird von einem taktischen Polizeifahrzeug überrollt. Was folgte, war eine Explosion der Wut, die sich über das gesamte Land ausbreitete. In der Stadt Makassar im Osten Indonesiens eskalierte die Situation vollständig. Demonstranten stürmten das Gebäude des Stadtrats und setzten es in Brand – drei Menschen kamen in den Flammen ums Leben.
Die Opfer: Zwei Mitarbeiter des Stadtrats und ein Beamter wurden Opfer eines Mobs, der seine Wut nicht mehr kontrollieren konnte. Zwei starben noch am Ort des Geschehens, einer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Vier weitere Personen wurden verletzt und befinden sich in Behandlung.
Wenn der Staat versagt, brennt die Demokratie
Rahmat Mappatoba, Sekretär des Stadtrats von Makassar, zeigte sich schockiert über das Ausmaß der Gewalt: Die Demonstranten seien in das Gebäude eingedrungen und hätten es gezielt in Brand gesetzt. Eine neue Dimension der Eskalation, die zeigt, wie dünn die Decke der Zivilisation sein kann, wenn das Vertrauen in staatliche Institutionen schwindet.
"Das übersteigt unsere Vorstellungskraft. Normalerweise werfen Demonstranten während einer Demonstration nur Steine oder verbrennen einen Reifen vor dem Büro. Sie sind noch nie in das Gebäude eingedrungen oder haben es niedergebrannt."
Diese Worte offenbaren die Hilflosigkeit der Behörden angesichts einer Wut, die sich über Jahre aufgestaut hat. Die Bilder des brennenden Provinzratsgebäudes in der Nacht sind ein Symbol für den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.
Jakarta im Ausnahmezustand
In der Hauptstadt Jakarta versammelten sich Hunderte vor dem Hauptquartier der berüchtigten Mobile Brigade Corps, einer paramilitärischen Polizeieinheit, die für ihre brutalen Taktiken bekannt ist. Die Demonstranten machten diese Einheit für den Tod des Motorradfahrers Affan Kuniawan verantwortlich. Feuerwerkskörper flogen, Tränengas antwortete – ein Bild, das an Bürgerkriegsszenarien erinnert.
Die Menge versuchte, die Tore der Einheit niederzureißen und riss ein Schild von der Fassade des Gebäudes. Sieben Polizeibeamte wurden zur Befragung festgenommen – ein schwacher Versuch, die Situation zu beruhigen, der eher wie ein Eingeständnis des Versagens wirkt.
Prabowo Subiantos erste große Krise
Für Präsident Prabowo Subianto sind diese Proteste die größte und gewalttätigste Herausforderung seit seinem Amtsantritt vor weniger als einem Jahr. Seine Reaktion? Appelle zur Ruhe, das Versprechen einer Untersuchung und ein Besuch bei der Familie des getöteten Fahrers. Klassische Krisenrhetorik, die jedoch die tieferliegenden Probleme nicht adressiert.
Subianto hatte schnelles, staatlich getriebenes Wachstum versprochen, sah sich aber bereits mit Protesten wegen massiver Budgetkürzungen konfrontiert, die seine populistischen Programme finanzieren sollten – darunter ein eine Milliarde Dollar teures kostenloses Essenprogramm. Ein Paradebeispiel dafür, wie populistische Versprechen an der Realität scheitern.
Ein Land in Flammen
Die Proteste beschränkten sich nicht auf Jakarta und Makassar. Großstädte wie Yogyakarta, Bandung, Semarang und Surabaya auf Java sowie Medan in Nord-Sumatra wurden ebenfalls von Demonstrationen erschüttert. Ein landesweiter Aufstand gegen ein System, das seine Bürger im Stich gelassen hat.
Was in Indonesien geschieht, sollte uns eine Warnung sein. Wenn der Staat seine Kernaufgabe – den Schutz seiner Bürger – nicht mehr erfüllen kann, wenn Polizeigewalt ungestraft bleibt und wirtschaftliche Not sich mit politischer Frustration paart, dann brennen nicht nur Gebäude. Dann brennt das Vertrauen in die Demokratie selbst.
Die indonesische Tragödie zeigt: Ein Staat, der seine Sicherheitskräfte nicht kontrolliert und gleichzeitig die wirtschaftlichen Bedürfnisse seiner Bürger ignoriert, spielt mit dem Feuer. Und manchmal brennt dann tatsächlich alles nieder – im wahrsten Sinne des Wortes.
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