
Millionengrab in Wetzlar: Parkhaus muss abgerissen werden, bevor es je ein Auto gesehen hat
Es klingt wie eine Realsatire, ist aber bittere Wirklichkeit im Lahn-Dill-Kreis: Ein nagelneu errichtetes Parkhaus in Wetzlar soll abgerissen und komplett neu gebaut werden – noch bevor jemals ein einziges Fahrzeug darin geparkt hat. Seit zwei Jahren steht der Rohbau am Karl-Kellner-Ring leer, obwohl die 300 Stellplätze dringend benötigt werden. Was als notwendiges Infrastrukturprojekt begann, endet als Totalschaden. Ein Lehrstück über Pfusch am Bau, das den Steuerzahler einmal mehr fassungslos zurücklässt.
Frost legt Baufehler schonungslos offen
Der Winter 2024 wurde dem Rohbau zum Verhängnis. Meterlange Risse durchzogen die Parkhausebenen, Hohldielen platzten auf, Brüche von 16 bis 18 Metern Länge machten das Bauwerk unbrauchbar. Die Kreisverwaltung macht dafür in erster Linie das ausführende Bauunternehmen verantwortlich. Dieses habe offenbar nicht ausreichend Entwässerungsbohrungen gesetzt, wie die Justiziarin der Kreisverwaltung, Sabine Amelung-Hildebrand, erklärte. Doch damit nicht genug: Auch der Architekt und ein Materiallieferant könnten ihren Teil zur Misere beigetragen haben. Das Versagen scheint also keineswegs auf einen einzelnen Akteur beschränkt gewesen zu sein.
Man fragt sich unweigerlich: Wo war die Bauaufsicht? Wer hat die Qualitätskontrolle durchgeführt? Und warum fiel der Mangel erst auf, als der Frost die Schwachstellen gnadenlos offenlegte? Fragen, die in einem Land, das einst für seine Ingenieurskunst weltberühmt war, besonders schmerzhaft nachhallen.
Pragmatismus statt Prozess – aber zu welchem Preis?
Ein Gerichtsverfahren zur Klärung der Schuldfrage würde Jahre dauern. Jahre, in denen eine teure Bauruine gesichert werden müsste, während die dringend benötigten Parkplätze weiterhin fehlen. Der Lahn-Dill-Kreis hat sich daher für einen pragmatischen Weg entschieden und greift einen Vorschlag des Bauunternehmens auf: Abriss und Neubau auf Kosten der Firma. Der bestehende Rohbau soll bis auf den Keller zurückgebaut werden. An seiner Stelle soll ein sogenanntes Systemparkhaus entstehen – ein Stahlgerüst mit speziell angefertigten Betonplatten und einer Holzfassade.
Die Stahlstützen sollen dort platziert werden, wo heute die maroden Betonstützen stehen. Die Grundlogik des Bauwerks bliebe damit erhalten, die Statik würde jedoch komplett neu konzipiert. Mindestens ebenso viele Stellplätze wie im ursprünglichen Entwurf sollen entstehen, auch die Zufahrt soll unverändert bleiben. Elektronik und Schrankenanlage übernimmt der Landkreis selbst. Klingt vernünftig – wäre da nicht der bittere Beigeschmack, dass hier ein Parkhaus zweimal gebaut werden muss.
9,5 Millionen Euro für ein doppelt gebautes Parkhaus
Die finanziellen Dimensionen dieses Debakels sind beachtlich. Der Kreis kalkuliert derzeit mit Gesamtkosten von rund 9,5 Millionen Euro – etwa drei Millionen Euro mehr als in den ursprünglichen Planungen vorgesehen. Immerhin liegt die Summe noch unter dem im Haushalt vorgehaltenen Budget von 10,2 Millionen Euro. Doch dieser buchhalterische Trost ändert nichts am verheerenden Eindruck, der in der Öffentlichkeit entsteht: Erst gebaut, dann zerstört, dann neu errichtet. Ein Kreislauf der Verschwendung, der symptomatisch für den Zustand öffentlicher Bauprojekte in Deutschland steht.
Man erinnere sich nur an den Berliner Flughafen BER, die Elbphilharmonie oder Stuttgart 21 – die Liste der Baudesaster in diesem Land wird immer länger. Und während andernorts Milliarden versenkt werden, reicht in Wetzlar schon ein einziger Frostwinter, um ein komplettes Bauwerk in den Abriss zu schicken. Das Vertrauen der Bürger in die Kompetenz öffentlicher Bauherren und ihrer Auftragnehmer dürfte mit jedem solchen Fall weiter schwinden.
Noch ist nichts endgültig – aber der Druck wächst
Trotz der klaren Marschrichtung ist die Vereinbarung zwischen Kreis und Bauunternehmen noch nicht unterschrieben. Die Einigung muss im Detail ausgearbeitet werden, anschließend müssen die Kreisgremien ihr Plazet geben. Zudem seien Gespräche mit der Stadt Wetzlar erforderlich, da baurechtlich geklärt werden müsse, ob ein neuer Bauantrag notwendig werde. Ohne diese Schritte bleibt der Abriss vorerst nur ein Plan auf dem Papier.
Doch der politische Druck steigt. Die 300 Stellplätze sind eine verpflichtende Bauauflage, die mit dem Ausbau der Kreisverwaltung einhergeht. Bis zur Fertigstellung des neuen Parkhauses mietet der Kreis Ersatzparkflächen an und nutzt alternative Stellplätze in der Umgebung. Das hält den Betrieb notdürftig am Laufen, verlängert aber das kostspielige Provisorium auf unbestimmte Zeit.
Ein Symptom für den Verfall deutscher Baukultur
Was in Wetzlar geschieht, ist mehr als eine lokale Posse. Es ist ein Sinnbild für den schleichenden Verfall jener Qualitätsstandards, die Deutschland einst ausgezeichnet haben. Wenn ein Neubau nicht einmal einen einzigen Winter übersteht, ohne irreparabel beschädigt zu werden, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht mehr. Ob mangelnde Qualifikation der Handwerker, unzureichende Bauüberwachung oder schlicht Kostendruck, der zu Abstrichen bei der Ausführung führt – die Ursachen mögen vielfältig sein. Das Ergebnis ist stets dasselbe: Der Bürger zahlt die Zeche.
In einem Land, das gerade ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht hat, sollte der Fall Wetzlar als Warnsignal dienen. Denn was nützen Hunderte Milliarden an Investitionen, wenn die Qualität der Ausführung derart mangelhaft ist, dass Neubauten schon vor ihrer Inbetriebnahme wieder abgerissen werden müssen? Bevor man neue Schulden in astronomischer Höhe aufnimmt, sollte man vielleicht erst einmal sicherstellen, dass das Geld auch vernünftig verbaut wird. Aber solche Selbstverständlichkeiten scheinen in der deutschen Politik längst aus der Mode gekommen zu sein.
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