
Orbáns Energie-Coup: Ungarn baut mit Russland an einer neuen Ölachse – und Brüssel schaut hilflos zu

Während die Europäische Union gebetsmühlenartig den vollständigen Ausstieg aus russischer Energie predigt, macht Ungarn vor, wie man Realpolitik betreibt. Budapest verhandelt derzeit über einen spektakulären Deal, der die energiepolitische Landkarte Südosteuropas grundlegend verändern könnte – und Deutschland zum Verlierer macht.
MOL greift nach serbischem Ölkonzern – mit Moskaus Segen
Der ungarische Energieriese MOL führt Gespräche über eine Beteiligung am serbischen Öl- und Gaskonzern NIS. Das Pikante daran: Mehrheitseigner von NIS ist Gazprom Neft, die Öl-Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom, die seit 2022 auf sämtlichen westlichen Sanktionslisten steht. Ein Schlüsselabkommen könnte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters bereits in Kürze unterzeichnet werden.
Ungarns Außenminister Péter Szijjártó verkündete vergangene Woche, dass die Dokumente nach der Unterzeichnung den Vereinigten Staaten zur Genehmigung vorgelegt werden müssten. Denn MOL ist international tätig, rechnet in US-Dollar ab und benötigt den Zugang zu amerikanischen Finanzmärkten. Ohne Washingtons Segen wäre der Deal praktisch undurchführbar.
Brüssel steht am Spielfeldrand – machtlos und ratlos
Die EU-Kommission kann in diesem Fall nur zuschauen. Serbien ist kein EU-Mitglied, und Ungarn nutzt geschickt jene südliche Route der Druschba-Pipeline, die weiterhin vom EU-Ölembargo ausgenommen ist. Genau an diesen Korridor will Budapest nun Serbien anbinden. Ein klassisches Beispiel dafür, wie man Regelwerke nicht bricht, sondern elegant umgeht.
Die serbische NIS betreibt die strategisch wichtige Raffinerie in Pančevo, große Teile des Tankstellennetzes und zentrale Speicheranlagen. Wer dort mitentscheidet, kontrolliert Angebot und Preise im gesamten Land. MOL würde mit diesem Kauf die komplette Lieferkette vom Rohöl bis zur Zapfsäule beherrschen – wohlgemerkt außerhalb des unmittelbaren Zugriffs der EU.
Neue Pipeline zwischen Budapest und Belgrad geplant
Als wäre der NIS-Deal nicht schon brisant genug, haben Ungarn, Serbien und Russland im Juli 2025 den Bau einer neuen Ölpipeline zwischen Budapest und Belgrad vereinbart. Die rund 128 Kilometer lange Leitung soll Serbien erstmals direkt an die südliche Druschba-Route anschließen. Der Baubeginn ist für 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2027.
Für Serbien wäre dies der erste direkte Zugang zu dieser strategischen Achse. Für Ungarn bedeutet es eine weitere Festigung seiner Position als Energie-Drehscheibe in Südosteuropa. Und für Deutschland? Eine weitere Schwächung der eigenen energiepolitischen Stellung.
Deutschland als Verlierer der neuen Energieordnung
Nach dem Ausfall von Nord Stream und dem faktischen Stopp der Druschba-Lieferungen nach Schwedt entwickelt sich Ungarn zum energiepolitischen Gegenspieler Deutschlands. Während die Bundesrepublik unter den höchsten Strompreisen Europas ächzt – fast viermal so hoch wie in Ungarn –, sichert sich Budapest günstige Energiequellen und baut seine Infrastruktur aus.
Der Deal zeigt, wie Energiepolitik in Südosteuropa derzeit gemacht wird: nicht über Gipfeltreffen oder moralische Appelle, sondern über Beteiligungen, Infrastruktur und Zugriff.
Viktor Orbán beweist einmal mehr, dass er die Interessen seines Landes über ideologische Vorgaben aus Brüssel stellt. Man mag von seiner Politik halten, was man will – aber während deutsche Politiker über Klimaneutralität philosophieren und die Industrie aus dem Land treiben, handelt Ungarn pragmatisch und sichert die Energieversorgung seiner Bürger zu bezahlbaren Preisen.
Die EU könnte eingreifen – tut es aber nicht
Brüssel hätte theoretisch die Möglichkeit, diesen Kurs zu stoppen, indem es die Pipeline-Ausnahme für russisches Rohöl vollständig aufhebt. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist das jedoch nicht gelungen. Ungarn nutzt diesen Spielraum gezielt – juristisch regelkonform, politisch jedoch klar gegen die Ausstiegslogik der EU gerichtet.
In Brüssel wird der Vorgang bislang lediglich zur Kenntnis genommen. Formale Einwände gegen den Deal gibt es derzeit nicht. Ein Armutszeugnis für eine Union, die sich gerne als Wertegemeinschaft präsentiert, aber bei handfesten wirtschaftlichen Interessen einzelner Mitgliedsstaaten regelmäßig kapituliert.
Während die EU den vollständigen Ausstieg aus russischer Energie plant, organisieren Ungarn und Serbien ihre Versorgung selbst – und spielen nach eigenen Regeln. Vielleicht sollte sich die deutsche Politik ein Beispiel daran nehmen, wie man nationale Interessen vertritt, anstatt sie auf dem Altar einer vermeintlich höheren Moral zu opfern.












