
Siemens Energy: Wenn Rekordaufträge nicht mehr reichen – Die Macht der Analysten über den Aktienkurs
Es ist schon bemerkenswert, wie die Börse ihre eigenen Gesetze schreibt. Da präsentiert ein deutsches Traditionsunternehmen Rekordaufträge von 16,6 Milliarden Euro, einen historischen Auftragsbestand von 136 Milliarden Euro und eine Gewinnsteigerung um das Zehnfache – und was macht die Aktie? Sie fällt. Willkommen in der absurden Welt der Finanzmärkte, wo nicht mehr Fakten zählen, sondern die Meinungen einiger weniger Analysten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Siemens Energy hat im dritten Geschäftsquartal geliefert, was sich jeder Investor nur wünschen kann. Die Auftragseingänge explodierten förmlich von 10,4 auf 16,6 Milliarden Euro – ein Plus von satten 65 Prozent auf vergleichbarer Basis. Besonders pikant: Ausgerechnet die oft gescholtene Windkrafttochter Siemens Gamesa, die in der Vergangenheit mit Qualitätsproblemen zu kämpfen hatte, trug maßgeblich zu diesem Erfolg bei. Zwei milliardenschwere Großaufträge aus der Ostsee zeigen, dass das Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht hat.
Doch damit nicht genug. Das Geschäft mit Gaskraftwerken – jener Technologie, die unsere grünen Ideologen am liebsten verbieten würden – boomt ebenfalls. Etwa die Hälfte des Auftragseingangs von 6,2 Milliarden Euro stammt aus den USA, wo man offenbar pragmatischer mit der Energiewende umgeht als hierzulande. Auch die Netztechnologie legte um ein Viertel zu. Ein breites, gesundes Wachstum über alle Sparten hinweg.
Der Gewinn explodiert – die Börse gähnt
Noch beeindruckender ist die Gewinnentwicklung. Das Ergebnis vor Sondereffekten schnellte von mickrigen 49 Millionen auf stolze 497 Millionen Euro hoch. Selbst nach Abzug der Trump'schen Zölle, die mit 100 Millionen Euro zu Buche schlugen, blieb ein Nachsteuergewinn von 697 Millionen Euro. Eine Verzehnfachung des Gewinns – in normalen Zeiten würde das für Kursfeuerwerke sorgen.
"Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bekräftigt, mit einer Tendenz zu den oberen Enden der Spannen."
Das Management zeigt sich zuversichtlich und erwartet ein Umsatzwachstum zwischen 13 und 15 Prozent sowie eine operative Marge von 4,0 bis 6,0 Prozent. Solide Zahlen für ein Unternehmen, das noch vor wenigen Jahren als Sorgenkind galt.
Die Macht der Analysten – oder: Wie man einen Aktienkurs ruiniert
Und dann kam die UBS. Die Schweizer Großbank, deren eigene Geschäfte auch schon mal besser liefen, erdreistete sich, ihre Verkaufsempfehlung zu bekräftigen. Mit einem Kursziel von 38 Euro – bei einem aktuellen Kurs von 95 Euro! Die Begründung der Analystin Supriya Subramanian? Das Ergebnis sei "durchwachsen". Man fragt sich, welche Zahlen sie sich angeschaut hat.
Diese eine negative Einschätzung reichte aus, um die Aktie um 3,5 Prozent abstürzen zu lassen. Dabei hatte JPMorgan-Analyst Akash Gupta noch die starke Dynamik gelobt und darauf hingewiesen, dass der Auftragseingang 18 Prozent über den Erwartungen lag. Doch an der Börse zählt offenbar nur, wer am lautesten schreit.
Die Psychologie des Marktes – oder: Warum Fakten keine Rolle mehr spielen
Was wir hier beobachten, ist symptomatisch für die heutigen Finanzmärkte. Fundamentaldaten werden zur Nebensache, wenn ein einflussreicher Analyst den Daumen senkt. Die Siemens Energy-Aktie hatte sich seit Jahresbeginn verdoppelt, seit dem Tiefpunkt sogar um 730 Prozent zugelegt. Da nehmen viele Anleger gerne Gewinne mit – verständlich, aber kurzsichtig.
Denn die langfristigen Perspektiven bleiben glänzend. Der Energiehunger der Welt wächst unaufhaltsam, die Energiewende – so chaotisch sie auch umgesetzt wird – braucht Unternehmen wie Siemens Energy. Mit einem Auftragsbestand von 136 Milliarden Euro ist das Unternehmen auf Jahre ausgelastet.
Ein Blick in die Zukunft
Für kluge Anleger könnte die aktuelle Schwäche eine Kaufgelegenheit darstellen. Während die Herde panisch verkauft, weil eine Schweizer Bank das so will, bleiben die Fakten unverändert positiv. Das Unternehmen wächst, verdient Geld und hat volle Auftragsbücher.
Natürlich gibt es Risiken. Die US-Zölle unter Trump könnten weiter steigen, die deutsche Energiepolitik bleibt ein Vabanquespiel, und die Qualitätsprobleme bei den Windturbinen sind noch nicht vollständig überwunden. Doch wer an der Börse keine Risiken eingehen will, sollte sein Geld besser unters Kopfkissen legen – oder noch besser: in physische Edelmetalle investieren, die als krisensichere Anlage zur Vermögenssicherung dienen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss seine Investitionsentscheidungen selbst treffen und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen. Wir empfehlen, vor jeder Investition ausreichend zu recherchieren und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen.