
Tokio-Washington-Achse: Wie Japans Wahlsieg Europa kalt erwischt
Während Europa noch damit beschäftigt ist, sich in endlosen Debatten über Gendersprache, ESG-Standards und Nachhaltigkeitsziele zu verlieren, formiert sich im Pazifik eine Machtachse, die den alten Kontinent geopolitisch in die Bedeutungslosigkeit zu drängen droht. Der überwältigende Wahlsieg der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi am 8. Februar 2026 markiert einen Wendepunkt – und Brüssel schaut zu wie das Kaninchen vor der Schlange.
Takaichi triumphiert mit Zweidrittelmehrheit
Die Liberaldemokratische Partei (LDP) hat bei den vorgezogenen Wahlen in Japan eine komfortable Zweidrittelmehrheit errungen. Ein Ergebnis, das in seiner Deutlichkeit selbst erfahrene Beobachter überrascht haben dürfte. Takaichi, die 64-jährige Regierungschefin, hatte ihren Wahlkampf auf Themen gebaut, die man in Deutschland kaum noch zu artikulieren wagt: Stärkung der Binnennachfrage, konsequente Migrationspolitik und massive Aufrüstung der Streitkräfte. Man stelle sich vor – eine Politikerin, die tatsächlich nationale Interessen in den Vordergrund stellt. In Berlin würde man dafür vermutlich an den medialen Pranger gestellt.
Drei Tage vor der Wahl hatte US-Präsident Donald Trump der japanischen Premierministerin seine „vollumfängliche Unterstützung" zugesichert und sie als „starke, mächtige und weise Führerin" bezeichnet. Am Wahlabend revanchierte sich Takaichi und stellte eine „unbegrenzte" Allianz zwischen Japan und den USA in Aussicht. Trump sprach umgehend eine Einladung ins Weiße Haus für den 19. März aus.
Die Erbin Shinzo Abes macht Ernst
Takaichi knüpft bewusst an die Politik des 2022 ermordeten früheren Premierministers Shinzo Abe an, der bereits in den späten 2010er-Jahren eine weitgehende Abkehr von Japans pazifistischer Nachkriegsdoktrin eingeleitet hatte. Das ursprünglich für 2029 anvisierte Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, will Takaichi nun um zwei Jahre vorziehen. Ihr erster Zusatzhaushalt enthielt bereits Investitionen in die Abwehr von Hyperschallraketen, Cyberabwehrkapazitäten und öffentlich-private Verteidigungspartnerschaften.
Man vergleiche dies mit der deutschen Verteidigungspolitik, wo das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro in bürokratischen Mühlen zerrieben wird und die Bundeswehr nach wie vor unter chronischer Unterfinanzierung leidet. Japan macht vor, wie eine Nation ihre Sicherheitsinteressen ernst nimmt – ohne sich dabei in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren.
Handelsabkommen mit Substanz statt leerer Versprechen
Die wirtschaftliche Dimension der Tokio-Washington-Achse ist beeindruckend. Das bereits 2025 geschlossene Handelsabkommen wurde nach Takaichis Amtsantritt erheblich erweitert. Es umfasst einen Zollsatz von 15 Prozent für die meisten japanischen Ausfuhren in die USA sowie japanische Investitionszusagen von rund 550 Milliarden US-Dollar in amerikanische Industriebranchen – darunter Halbleiter, Energieinfrastruktur und Fertigung. Im Gegenzug erhielten japanische Automobilhersteller und Halbleiterunternehmen bevorzugten Marktzugang, während sich US-Rüstungsunternehmen und Digitalkonzerne um Aufträge im Bereich der öffentlichen Beschaffung in Japan bewerben können.
Besonders brisant: Im Bereich kritischer Mineralien einigten sich beide Länder auf den Aufbau gemeinsamer Vorräte an Seltenen Erden, Lithium und Kobalt. Gemeinschaftsunternehmen sollen in Verarbeitungsanlagen in Australien und Indonesien investieren. „Unsere Verbündeten sind unsere Lieferketten", kommentierte Trump. Ein Satz, der in seiner strategischen Klarheit alles übertrifft, was man aus Brüssel in den letzten Jahren gehört hat.
Europa droht zum geopolitischen Zaungast zu verkommen
Und wo bleibt Europa in diesem Machtpoker? Zwar hatten die EU und Japan im Juli 2025 auf einem bilateralen Gipfel eine verstärkte Kooperation vereinbart. Doch von größeren gemeinsamen Entwicklungsprojekten oder Investitionen sei bislang wenig zu sehen, wie Beobachter des European Council on Foreign Relations feststellen. Das „Fenster" für eine solche Zusammenarbeit werde nicht auf unbestimmte Zeit offenbleiben, heißt es warnend.
Die EU beabsichtigte, die Industriepolitik zu koordinieren und die Forschungskooperation auszubauen. Außerdem waren Verhandlungen über ein Informationssicherheitsabkommen für Verteidigungstechnologie- und Cyberprojekte angedacht. Doch in all diesen Bereichen drohe die EU gegenüber US-amerikanischen Anbietern den Kürzeren zu ziehen. Die Regierung Trump habe wenig Interesse, Nicht-Amerikanern in der erweiterten Partnerschaft mit Japan Spielraum zu überlassen.
Brüssels Antwort: Mehr Bürokratie statt Realpolitik
Was schlägt die EU als Gegenmaßnahme vor? Man solle Tokio an die „Argumente für eine solide EU-Japan-Beziehung" erinnern und auf „Multilateralismus", „liberale Werte", „regelbasierte, ethische Ressourcenentwicklung" sowie „Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung" setzen. Dazu kämen „gemeinsame Emissionsvereinbarungen und klare ESG-Standards". Man möchte laut auflachen, wenn es nicht so traurig wäre. Während Washington und Tokio knallharte Rohstoffabkommen schmieden und Lieferketten sichern, will Brüssel mit ESG-Regulierung und Nachhaltigkeitsrhetorik punkten.
In Takaichis Reden und politischen Ansagen stünden diese Themen jedenfalls nicht an prominenter Stelle, wird eingeräumt. Welch diplomatische Untertreibung. Die japanische Premierministerin hat offenkundig verstanden, dass in einer Welt zunehmender geopolitischer Rivalitäten nicht Sonntagsreden über Klimaneutralität zählen, sondern handfeste strategische Partnerschaften und militärische Stärke.
Taiwan als Zündschnur im Pazifik
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch Takaichis unmissverständliche Positionierung in der Taiwan-Frage. Im vergangenen November hatte sie erklärt, ein Angriff Pekings auf Taiwan würde auch für Japan eine „lebensbedrohliche Situation" darstellen – und die Frage einer militärischen Unterstützung für die Insel aufgeworfen. Damit sprach sie aus, was frühere Regierungen in Tokio nur hinter vorgehaltener Hand äußerten.
Peking reagierte erwartungsgemäß scharf: mit militärischen Drohgebärden, Reisesperren für etwa eine halbe Million Touristen, dem Importstopp für japanische Meeresfrüchte und der Streichung von fast 1.900 Flügen. Dennoch sei nicht damit zu rechnen, dass beide Mächte ihre wirtschaftlichen Beziehungen vollständig kappen würden. Zu viel Wohlstand stehe auf dem Spiel. Stattdessen sei eine „gemanagte Rivalität" zu erwarten – offizielle Kooperation gepaart mit unterschwelligem strategischem Wettbewerb.
Deutschlands Lehre aus dem pazifischen Machtpoker
Für Deutschland und Europa sollte die Entwicklung im Pazifik ein Weckruf sein. Während Takaichi nationale Interessen konsequent verfolgt, die Verteidigung stärkt und strategische Rohstoffpartnerschaften schmiedet, verliert sich die europäische Politik in regulatorischem Kleinklein. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht, doch ob damit tatsächlich strategische Weichenstellungen erfolgen oder lediglich die nächste Schuldenorgie finanziert wird, bleibt abzuwarten.
Eines zeigt das Beispiel Japan jedenfalls überdeutlich: Nationen, die ihre eigenen Interessen klar definieren und konsequent verfolgen, werden in der neuen Weltordnung bestehen. Wer hingegen glaubt, mit moralischen Appellen und bürokratischen Regulierungen geopolitische Relevanz bewahren zu können, wird zum Zaungast degradiert. Europa – und insbesondere Deutschland – sollte sich diese Lektion zu Herzen nehmen, bevor es endgültig zu spät ist.
In Zeiten derartiger geopolitischer Verwerfungen und der zunehmenden Unsicherheit bei Rohstofflieferketten erweist sich einmal mehr der Besitz physischer Edelmetalle als kluger Baustein einer vorausschauenden Vermögenssicherung. Gold und Silber sind nicht von politischen Allianzen oder Handelsabkommen abhängig – sie bewahren ihren Wert unabhängig davon, welche Machtblöcke sich gerade formieren.

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