
Venezuelas Machtwechsel: Amerikas oberste Geheimdienstchefin wurde offenbar bewusst ausgeschlossen

Was für ein bemerkenswertes Schauspiel bietet sich derzeit in Washington: Während die Trump-Administration ihren bislang kühnsten außenpolitischen Coup landete – die militärische Operation zur Absetzung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro – befand sich ausgerechnet die Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, tausende Kilometer entfernt am Strand von Hawaii. Unwissend, ahnungslos, ausgeschlossen.
Die Ironie der Geschichte
Langjährige Unterstützer der ehemaligen Kongressabgeordneten reiben sich verwundert die Augen. Gabbard, die einst als vehemente Kritikerin jeglicher Interventionspolitik in Venezuela und dem Iran auftrat, schweigt nun beharrlich zu einer der aggressivsten außenpolitischen Aktionen der jüngeren amerikanischen Geschichte. Das Wall Street Journal enthüllt nun den Grund für dieses auffällige Schweigen: Sie wurde schlichtweg nicht informiert.
Hochrangige Beamte des Weißen Hauses hätten die oberste Geheimdienstkoordinatorin des Landes bereits seit dem vergangenen Sommer systematisch von sämtlichen Planungen zur Venezuela-Operation ferngehalten, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine bemerkenswerte Entscheidung, bedenkt man, dass das Amt des DNI eigentlich die Koordination aller Geheimdienste und die Beratung des Präsidenten in Sicherheitsfragen umfasst.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Die Begründung für diesen beispiellosen Ausschluss klingt ernüchternd pragmatisch: Trump sei Gabbard nicht besonders nahestehend, erklärte ein hochrangiger Regierungsbeamter. Man habe den Kreis der Eingeweihten bewusst klein halten wollen. Sie habe es schlicht nicht wissen müssen.
„Das ist völlig falsch", widersprach Vizepräsident J.D. Vance während einer Pressekonferenz im Weißen Haus. „Wir haben den Kreis sehr eng auf hochrangige Kabinettsmitglieder und entsprechende Regierungsbeamte beschränkt."
Doch Vances Dementi wirkt halbherzig. Zwischen den Zeilen scheint er zu bestätigen, dass Gabbard eben nicht zu jenen gehörte, die informiert werden mussten – obwohl sie theoretisch die höchste Geheimdienstposition des Landes bekleidet.
CIA-Direktor Ratcliffe gewinnt an Einfluss
Die eigentliche Koordination der nachrichtendienstlichen Arbeit lag offenbar bei CIA-Direktor John Ratcliffe, der zunehmend das Ohr des Präsidenten zu haben scheint. Gabbards Büro habe lediglich „analytische Unterstützung" geliefert – eine diplomatische Umschreibung dafür, dass sie von den operativen Entscheidungen vollständig ausgeschlossen war.
Selbst hochrangige Pentagon-Beamte wurden erst in letzter Minute über die Details der Operation informiert. Die Planung lag in den Händen einer kleinen Gruppe von Trump-Vertrauten, Generälen und – ohne jeden Zweifel – CIA-Direktor Ratcliffe.
Ein politisches Dilemma
Für Gabbard stellt diese Situation ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem dar. Als sie 2019 ihre Präsidentschaftskandidatur ankündigte, verurteilte sie Trumps damalige Bestrebungen zum „Regimewechsel" in Venezuela und dem Iran scharf. Nun dient sie einer Administration, die genau das umgesetzt hat – und wurde dabei nicht einmal konsultiert.
Die Frage, die sich aufdrängt: Ist Gabbard noch die richtige Person auf diesem Posten? Oder hat Trump sie bewusst in eine Position manövriert, in der sie zwar einen prestigeträchtigen Titel trägt, aber von den wirklich wichtigen Entscheidungen systematisch ferngehalten wird? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die ehemalige Interventionskritikerin ihre Stimme wiederfindet – oder ob sie endgültig zum schweigenden Statisten einer Politik wird, die sie einst vehement ablehnte.
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