
Wer wird Lagardes Erbe? Das große Stühlerücken bei der EZB hat begonnen
Noch hat Christine Lagarde offiziell bis Oktober 2027 Zeit auf dem Chefsessel der Europäischen Zentralbank. Doch in den Hinterzimmern von Brüssel, Frankfurt und den europäischen Hauptstädten hat das Ränkespiel um ihre Nachfolge längst begonnen. Jüngste Berichte, wonach die Französin möglicherweise vorzeitig abtritt, haben die Spekulationen zusätzlich angeheizt. Es geht um nichts weniger als den mächtigsten wirtschaftspolitischen Posten Europas – und die Frage, wer künftig über Zinsen, Geldpolitik und damit über das Schicksal von Millionen europäischer Sparer entscheidet.
Drei Vakanzen, ein Machtkampf
Lagardes Position ist nur eine von drei hochrangigen Stellen im sechsköpfigen EZB-Direktorium, die im kommenden Jahr neu besetzt werden müssen. Die Entscheidung liegt letztlich bei den Staats- und Regierungschefs der Eurozone – und wer die europäische Politik kennt, weiß: Es wird ein Kuhhandel, bei dem Nationalitäten, politische Loyalitäten und strategische Interessen mindestens ebenso schwer wiegen wie fachliche Qualifikation. Transparenz? Fehlanzeige. Wie üblich dürfte das Ergebnis nach stundenlangen nächtlichen Verhandlungen aus dem Hut gezaubert werden.
Der Favorit aus Den Haag
Als Topkandidat gilt Klaas Knot, der langjährige Gouverneur der niederländischen Zentralbank und ehemalige Vorsitzende des Financial Stability Board. Knot bringt zweifellos die nötige Erfahrung mit. In seiner ersten Amtszeit als überzeugter Sparfuchs bekannt, hat er seinen Kurs im Laufe der Schuldenkrise merklich gemäßigt – offenbar mit einem Auge auf Frankfurt. Kritiker innerhalb der EZB monieren allerdings seine Nähe zur Politik. Paradoxerweise könnte genau das ein Vorteil sein, denn es sind schließlich Politiker, die ihn ernennen müssten. Sein größtes Handicap: Knot ist derzeit ohne offizielles Amt und verfügt damit über keinen institutionellen Apparat, der seine Kampagne stützen könnte.
Spaniens stiller Trumpf
Pablo Hernández de Cos, ehemaliger Gouverneur der Bank von Spanien und aktuell Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, gilt als der Insider-Favorit. Er hat die spanische Notenbank nach Jahren politisch kompromittierter Führung wieder auf Kurs gebracht. Doch genau diese Unabhängigkeit könnte ihm zum Verhängnis werden: Seine Kritik an der zaghaften Rentenreform von Ministerpräsident Pedro Sánchez dürfte ihm in Madrid nicht nur Freunde gemacht haben. Zudem würde ein Abzug aus Basel Europa einen prestigeträchtigen Posten in der globalen Finanzarchitektur kosten – gerade in Zeiten, in denen die Trump-Administration den transatlantischen Beziehungen ohnehin schwer zusetzt.
Deutschland meldet Ansprüche an – und das zu Recht
Besonders spannend ist die Frage, ob endlich wieder ein Deutscher an die Spitze der EZB rückt. In Berlin herrscht – völlig nachvollziehbar – das Gefühl, dass es nach zwei französischen und einem italienischen Präsidenten höchste Zeit sei, das Erbe der Bundesbank und der Deutschen Mark angemessen zu würdigen. Zwanzig Jahre lang mussten die Deutschen zusehen, wie ihre geldpolitische Tradition in Frankfurt zunehmend verwässert wurde. Gleich drei Kandidaten stehen bereit.
Isabel Schnabel: Die ambitionierte Marktexpertin
Isabel Schnabel, derzeit Direktoriumsmitglied und verantwortlich für die Marktoperationen der EZB, macht keinen Hehl aus ihrem Interesse am Spitzenposten. Auffällig ist, wie sie zuletzt mit optimistischen Zukunftsvisionen für Europa aufgefallen ist – ein Signal an Südeuropa, dass sie mehr ist als nur eine typische deutsche Falkin. Allerdings spricht die bisherige Praxis gegen eine zweite Amtszeit im Direktorium, und EZB-Insider beschreiben sie als durchaus polarisierende Persönlichkeit.
Joachim Nagel: Der diplomatische Bundesbanker
Joachim Nagel, der amtierende Bundesbankpräsident, gilt als verbindlicher im Umgang, hat sich jedoch bereits mehrfach mit Bundeskanzler Friedrich Merz angelegt – zuletzt in der heiklen Frage gemeinsamer EU-Schulden. Als SPD-Mitglied könnte Nagel für Merz innenpolitisch wertvoller sein als in Frankfurt: Ein sozialdemokratischer Bundesbankchef, der die SPD bei schwierigen Haushaltsentscheidungen bei der Stange hält, ist für den Kanzler möglicherweise nützlicher als ein EZB-Präsident Nagel.
Jörg Kukies: Der Goldman-Sachs-Mann mit SPD-Parteibuch
Der vielleicht überraschendste Kandidat ist Jörg Kukies, ehemaliger Finanzminister unter Olaf Scholz. Er verfügt über exzellente politische Verbindungen und einen hochpragmatischen Politikstil, der auch Merz nicht abschrecken dürfte. Wie einst Mario Draghi bringt Kukies zudem eine Goldman-Sachs-Vergangenheit mit – was die Finanzmärkte beruhigen, bei kritischen Bürgern aber durchaus Stirnrunzeln hervorrufen könnte. Ob ein weiterer ehemaliger Investmentbanker an der Spitze der europäischen Geldpolitik wirklich das ist, was der europäische Sparer braucht, sei dahingestellt.
Die Notlösung aus Sofia
Als Außenseiterin wird Kristalina Georgieva, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, gehandelt. Ihr fehlt zwar die direkte politische Patronage auf Regierungschef-Ebene, doch immerhin gehört ihr Heimatland Bulgarien seit dem Schengen-Beitritt Anfang 2025 nun vollständig zum europäischen Kernclub. Niemand sollte die Möglichkeit ausschließen, dass ihr Name nach 16 Stunden zermürbender Verhandlungen in Brüssel plötzlich aus dem Hut gezogen wird.
Was für den deutschen Sparer auf dem Spiel steht
Die Besetzung des EZB-Präsidentenamtes ist weit mehr als eine personalpolitische Fußnote. Wer an der Spitze der Zentralbank steht, bestimmt maßgeblich über Inflation, Zinsniveau und damit über den Wert der Ersparnisse von Millionen Bürgern. Die Ära Lagarde war geprägt von einer historisch lockeren Geldpolitik, die Sparer systematisch enteignete und die Inflation auf Rekordhöhen trieb. Ein deutscher Kandidat – oder zumindest einer, der die Tradition solider Geldpolitik hochhält – wäre ein dringend nötiges Korrektiv.
Doch die Erfahrung lehrt Skepsis. Das europäische Postengeschacher folgt seinen eigenen Gesetzen, in denen fachliche Eignung oft nur eine Nebenrolle spielt. Für den deutschen Bürger bleibt in Zeiten geldpolitischer Unsicherheit und schleichender Geldentwertung eine bewährte Strategie: Physische Edelmetalle wie Gold und Silber bieten einen zeitlosen Schutz gegen die Unwägbarkeiten der Geldpolitik – unabhängig davon, wer letztlich auf dem Chefsessel in Frankfurt Platz nimmt.
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