Kostenlose Beratung
+49 7930-2699
200.000
Kunden
Sicherer
Versand
Kettner Edelmetalle
19.02.2026
06:21 Uhr

Das stille Sterben der deutschen Wurst: Wie Politik und Handelsriesen eine Traditionsbranche zerstören

Darf's noch eine Bockwurst sein? Diese Frage klingt mittlerweile fast zynisch, wenn man sich das Trümmerfeld anschaut, das die deutsche Wurstindustrie hinterlässt. Was sich derzeit in Deutschlands Fleischverarbeitungsbetrieben abspielt, ist kein konjunktureller Schluckauf – es ist der systematische Niedergang einer Branche, die einst zum Rückgrat des deutschen Mittelstands gehörte.

Eberswalder: Nur die Spitze des Eisbergs

Ende Januar erreichte die Nachricht vom Insolvenzantrag der Eberswalder Wurst GmbH im brandenburgischen Britz die Öffentlichkeit. Zum 28. Februar schließen die Tore des ostdeutschen Traditionsunternehmens endgültig. Über 500 Menschen stehen vor dem Nichts. Der Betrieb gehörte seit 2023 zur Zur-Mühlen-Gruppe, der Wurstwarensparte des Fleischgiganten Tönnies – oder wie sich der Konzern seit 2024 lieber nennt: „Premium Food Group". Ein Name, der angesichts der Realität fast wie Hohn klingt.

Die Gewerkschaft NGG wirft dem Konzern vor, gezielt auf eine Strategie des „Aufkaufens und Schließens" zu setzen, um Marktanteile zu konsolidieren. Versprochene Investitionen seien ausgeblieben, stattdessen habe man den Betrieb „auf Verschleiß gefahren". Besonders pikant: Nach dem Betriebsverfassungsgesetz können Unternehmen in den ersten vier Jahren nach Gründung von Sozialplanpflichten befreit sein – ein Schlupfloch, das hier offenbar gezielt ausgenutzt worden sei. Der ausgehandelte Sozialplan gilt als völlig unzureichend.

Sieben Insolvenzen in nur einem Jahr

Doch wer glaubt, Eberswalder sei ein bedauerlicher Einzelfall, der irrt gewaltig. Allein im vergangenen Jahr mussten sieben deutsche Wursthersteller Insolvenz anmelden oder wurden von Konzernen geschluckt. Die Liste liest sich wie ein Nachruf auf den deutschen Mittelstand:

Anfang 2025 stellte die ThüFleiWa aus Apolda in Thüringen einen Insolvenzantrag. Das Unternehmen, das seit über einem Jahrhundert Fleisch- und Wurstwaren herstellte, versuchte sich zunächst in Eigenverwaltung zu retten. Vergeblich. Am Ende kaufte die EWU Thüringer Wurst lediglich den Markennamen und die Verkaufsfilialen – die Produktion in Apolda existiert nicht mehr. Bereits im Dezember 2024 hatte die Halberstädter Konserven aus Sachsen-Anhalt ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Im Februar 2025 folgte Meisters Wurst und Fleischwaren aus Sachsen – auch hier fand sich kein Investor, der Betrieb musste schließen. Im September übernahm die Tönnies-Gruppe den zweitgrößten deutschen Wurstproduzenten, The Family Butchers. Im Oktober traf es den niedersächsischen Traditionsbetrieb Dieter Hein und den bayerischen Wurstspezialisten Wolf Essgenuss. Im November wurde der Schinkenexperte Hermann Wein aus Baden-Württemberg vom Schweizer Marktführer Bell Food Group geschluckt.

Die gnadenlose Macht der „Big Four"

Um diese Krise zu verstehen, muss man den Blick auf die wahren Machtverhältnisse im deutschen Lebensmittelmarkt richten. Und die sind erschreckend. Das Bundeskartellamt hat es in seiner Sektoruntersuchung unmissverständlich formuliert: Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe kontrollieren rund 85 Prozent des Marktes. Fünfundachtzig Prozent. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen.

„Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist ein stark konzentrierter Markt", stellte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, nüchtern fest.

Was das für einen spezialisierten Wursthersteller bedeutet, liegt auf der Hand: Ein Auslistungsbescheid einer dieser vier Handelsgruppen kann das sofortige Todesurteil sein. Man ist kein Partner auf Augenhöhe – man ist Bittsteller. Während die Rohstoffpreise wild schwanken, fordern die Discounter stabile „Dauertiefpreise". Das volle Risiko der Preissteigerungen in der Lieferkette trägt allein der Produzent. Die Wurstindustrie wird zwischen steigenden Erzeugerpreisen und gnadenlosen Handelskonditionen regelrecht zerquetscht.

Auch die Monopolkommission schlägt Alarm

Die Monopolkommission warnt in ihrem Sondergutachten eindringlich davor, dass der Wettbewerb auf Hersteller- und Landwirtschaftsebene weiter abnehme. Sie fordert strengere Fusionskontrollen und eine konsequentere Durchsetzung von Regeln gegen Machtmissbrauch. Doch wer glaubt ernsthaft, dass die Politik hier entschlossen durchgreift? Die Erfahrung der letzten Jahre lehrt uns das Gegenteil.

Politischer Regulierungswahn als Brandbeschleuniger

Und damit kommen wir zum eigentlichen Kern des Problems. Die deutsche Politik hat es in den vergangenen Jahren meisterhaft verstanden, der Fleischbranche das Leben zur Hölle zu machen. Immer neue Auflagen für Tierwohl, Nachhaltigkeit und Umweltschutz – gesellschaftlich durchaus nachvollziehbar – treiben die Produktionskosten in astronomische Höhen. Gleichzeitig fehlt jede politische Flankierung, die es den Betrieben ermöglichen würde, diese Mehrkosten auch am Markt durchzusetzen.

Die Folgen sind verheerend. Viele Landwirte reduzieren ihre Tierbestände, weil sich Schweinemast schlicht nicht mehr rechnet. Regionales Fleisch wird knapper und teurer. Die Preissteigerungen lassen sich im brutalen Wettbewerb des Handels aber kaum weitergeben. So entsteht ein toxisches Spannungsfeld zwischen politischen Wunschvorstellungen, wirtschaftlicher Realität und preissensiblen Verbrauchern.

Man muss es so deutlich sagen: Jahrelang hat die Politik – insbesondere unter dem Einfluss grüner Ideologie – Auflagen geschaffen, ohne sich auch nur ansatzweise um die wirtschaftlichen Konsequenzen zu scheren. Das Ergebnis sehen wir jetzt: Betriebsschließungen, Massenentlassungen, das Ausbluten ganzer Regionen. Und die Leidtragenden sind wie immer die einfachen Arbeitnehmer, die Familien in der Uckermark, in Thüringen, in Sachsen.

ESG-Ideologie als Sargnagel

Als wäre der Druck durch Politik und Handel nicht genug, kommt nun auch noch die Finanzwelt hinzu. Investoren bewerten die Fleischbranche zunehmend durch die Brille sogenannter ESG-Kriterien – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der FAIRR Index stuft Dutzende börsennotierte Unternehmen der intensiven Tierhaltung als „hoch riskant" ein. Der Vermögensverwalter Invesco ordnet die gesamte Branche ausdrücklich als „high risk" ein.

Was das in der Praxis bedeutet? Kredite werden teurer, Investoren scheuen das Engagement, Kapital fließt ab. Die ESG-Bewegung, die von ihren Befürwortern als Fortschritt gefeiert wird, erweist sich für die deutsche Fleischwirtschaft als weiterer Sargnagel. Hier zeigt sich einmal mehr, wie eine gut gemeinte Idee in der Realität verheerende Konsequenzen haben kann – besonders für den Mittelstand, der nicht über die Ressourcen verfügt, sich den immer neuen Anforderungen der Nachhaltigkeitsbürokratie anzupassen.

Eine Branche im freien Fall

Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch in Deutschland ist von 58,5 Kilogramm im Jahr 2019 auf nur noch 53,2 Kilogramm im Jahr 2024 gesunken. Das konjunkturelle Klima in der Branche bewerten die befragten Unternehmen mit mageren 4,29 von zehn Punkten. 86 Prozent der Betriebe geben an, gestiegene Kosten kaum an den Handel weitergeben zu können. Zwei Drittel schätzen ihre Auslastung als unzureichend ein.

Für die kommenden Monate sehen die Unternehmen vor allem drei Risiken: sinkenden Konsum, Fachkräftemangel und Inflation. Viele rechnen mit weiter rückläufigem Schweinefleischverbrauch und prüfen bereits Standortentscheidungen – ein Euphemismus für weitere Schließungen und Verlagerungen ins Ausland.

Strukturwandel oder Strukturbruch?

Was wir hier erleben, ist kein sanfter Strukturwandel, sondern ein Strukturbruch. Eine Branche, die Generationen von Familien ernährt hat, die regionale Identität stiftete und handwerkliche Tradition verkörperte, wird zwischen den Mühlsteinen aus Regulierungswut, Handelskonzentration und ideologisch getriebenem Konsumwandel zerrieben. Und die Politik? Sie schaut zu. Oder schlimmer noch: Sie befeuert den Prozess.

Die Gewerkschaft NGG fordert politisches Eingreifen, um Industriearbeitsplätze besser zu schützen. Eine berechtigte Forderung. Doch solange die politischen Prioritäten in Berlin eher bei Gender-Sternchen und Klimaneutralitätszielen liegen als beim Schutz des produzierenden Mittelstands, dürfte sich an der Misere wenig ändern. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, die Wirtschaft wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Ob das mehr als Lippenbekenntnisse sind, wird sich zeigen müssen.

Eines steht fest: Die Wurstkrise ist ein Symptom für ein viel tieferes Problem. Sie zeigt, was passiert, wenn ein Land seine produktive Basis vernachlässigt, den Mittelstand mit Auflagen erstickt und die Marktmacht weniger Konzerne unkontrolliert wachsen lässt. Deutschland, einst Werkbank der Welt, droht zum Importeur seiner eigenen Grundnahrungsmittel zu werden. Und das sollte uns alle beunruhigen – ob wir nun Wurst essen oder nicht.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“

Willst du Teil unserer Erfolgsstory sein?

Werde jetzt Teil vom #TeamGold

Offene Stellen