
Deutschlands Bierkultur am Abgrund: Absatz stürzt auf historisches Rekordtief

Was einst als unerschütterliche Säule deutscher Identität galt, bröckelt nun in besorgniserregendem Tempo. Der Bierabsatz in Deutschland ist im vergangenen Jahr um erschreckende 6,0 Prozent eingebrochen – ein Minus, das selbst die düstersten Prognosen übertrifft und einen historischen Tiefstand markiert. Mit nur noch rund 7,8 Milliarden Litern wurde so wenig Gerstensaft verkauft wie nie zuvor seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993.
Schlimmer als in den Corona-Jahren
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes lesen sich wie ein Abgesang auf eine traditionsreiche Branche. Selbst während der Pandemie, als Kneipen geschlossen blieben und Volksfeste abgesagt wurden, floss noch deutlich mehr Bier durch deutsche Kehlen. Doch was damals als vorübergehende Krise erschien, entpuppt sich nun als struktureller Niedergang. Die deutschen Brauereien stehen vor einem Scherbenhaufen, der sich nicht mehr mit temporären Faktoren erklären lässt.
Besonders alarmierend: In der Statistik sind alkoholfreie Biere und Malztrunk nicht einmal enthalten. Auch Importe aus Nicht-EU-Staaten bleiben unberücksichtigt. Das tatsächliche Bild des deutschen Bierkonsums dürfte also noch düsterer ausfallen, als die nackten Zahlen ohnehin schon vermuten lassen.
Konsumzurückhaltung trifft die Branche mit voller Wucht
Der Deutsche Brauerbund schlägt Alarm. Hauptgeschäftsführer Holger Eichele bringt die Misere auf den Punkt: Die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher treffe die Brauereien ebenso hart wie den Handel und die Gastronomie. Die wirtschaftliche Verunsicherung der Deutschen, befeuert durch Inflation, steigende Energiekosten und eine Regierungspolitik, die das Vertrauen der Bürger systematisch zerstört hat, schlägt sich nun auch im Bierkonsum nieder.
Die Gastronomie, traditionell ein wichtiger Absatzkanal für die Brauereien, kämpft weiterhin ums Überleben. Viele Betriebe haben sich von den Pandemie-Jahren bis heute nicht erholt. Kneipen schließen, Restaurants geben auf, und mit ihnen verschwindet ein Stück deutscher Geselligkeit. Wer kann es den Menschen verdenken, dass sie ihr Geld zusammenhalten, wenn die Zukunft so ungewiss erscheint?
Inlandsmarkt und Export gleichermaßen betroffen
Der Löwenanteil von 82,5 Prozent des Bieres wurde im Inland verkauft – hier betrug der Rückgang 5,8 Prozent. Doch auch der Export bietet keinen Lichtblick: Die steuerfreien Mengen, die ins Ausland gingen oder als sogenannter Haustrunk an Brauerei-Mitarbeiter ausgegeben wurden, brachen sogar um rund 7,0 Prozent ein. Die deutsche Bierkultur verliert offenbar auch international an Strahlkraft.
Gesellschaftlicher Wandel als Sargnagel
Neben der akuten Wirtschaftskrise wirken langfristige Trends wie ein schleichendes Gift. Ein vermeintlich gesünderer Lebensstil ohne Alkohol, veränderte Trinkgewohnheiten und die Überalterung der Gesellschaft nagen seit Jahren am Bierabsatz. Die jüngere Generation greift seltener zum Glas, während die treuen Biertrinker der älteren Jahrgänge langsam aussterben.
Man mag von diesen Entwicklungen halten, was man will – Fakt ist, dass hier ein Stück deutscher Tradition unwiederbringlich verloren geht. Die Brauereien, oft mittelständische Familienbetriebe mit jahrhundertealter Geschichte, stehen vor existenziellen Herausforderungen. Wie viele von ihnen werden die nächsten Jahre überleben?
Die Zahlen sind ein Weckruf – nicht nur für die Bierbranche, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft. Wenn selbst das Bier nicht mehr läuft, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht mehr in diesem Land.












