
Drohnenangriff auf russischen Öltanker: Eskalation im Schwarzen Meer

Die geopolitischen Spannungen im Schwarzen Meer erreichen eine neue Dimension. Ein Öltanker, der der sogenannten russischen Schattenflotte zugerechnet wird, wurde am Mittwoch von einer Drohne getroffen – nur etwa 30 Seemeilen vor der türkischen Küste. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Stadt Abana in der Provinz Kastamonu und wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die zunehmend aggressive Gangart im Energiekrieg zwischen Ost und West.
Die „Elbus" unter Beschuss
Bei dem angegriffenen Schiff handelt es sich um den Tanker „Elbus", der unter der Flagge des pazifischen Inselstaates Palau registriert ist – eine typische Praxis für Schiffe der Schattenflotte, die westliche Sanktionen umgehen sollen. Nach dem Drohneneinschlag entwickelte sich enormer Rauch an den oberen Aufbauten des Tankers. Die türkische Küstenwache eilte unmittelbar nach dem Notruf zum Einsatzort. Glücklicherweise blieb die Besatzung unverletzt.
Das Schiff wurde anschließend in den türkischen Hafen von Inebolu geschleppt, wo es nun eingehenden Untersuchungen unterzogen wird. Die „Elbus" befand sich auf dem Weg in den russischen Hafen Noworossijsk, um dort mutmaßlich Rohöl zu laden. Zuvor hatte der Tanker Singapur verlassen und erst vor wenigen Tagen den strategisch bedeutsamen Bosporus durchquert.
Trumps aggressive Energiepolitik zeigt Wirkung
Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Aktionen gegen Schiffe, die mit sanktionierten Staaten in Verbindung gebracht werden. Erst kürzlich stürmten US-Spezialkräfte mit Helikoptern den Öltanker „Marinera" – ein Schiff, das noch Tage zuvor unter dem Namen „Bella-1" fuhr und der venezolanischen Schattenflotte zugerechnet wird. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten bereits vier Öltanker konfisziert.
US-Botschafter Gordon Sondland erläuterte die Strategie von Präsident Donald Trump unmissverständlich: Man wolle weiteren Druck auf die Wirtschaft im Iran, in Russland und Venezuela ausüben, bis die gewünschten Resultate erzielt würden. Eine Aussage, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Der russische Duma-Abgeordnete Aleksey Zhuravlyov bezeichnete das amerikanische Vorgehen hingegen als „Piraterie" – ein Vorwurf, der in Moskau auf fruchtbaren Boden fallen dürfte.
Schweigen aus Kiew
Wer hinter dem Drohnenangriff auf die „Elbus" steckt, bleibt vorerst im Dunkeln. Die Ukraine hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert – ein vielsagendes Schweigen, das Raum für Spekulationen lässt. Die Untersuchungen dauern an, eine offizielle Erklärung steht noch aus. Die zuständigen Behörden beobachten die Sicherheitslage in der Region nach eigenen Angaben aufmerksam.
Die Schattenflotte als Achillesferse
Die sogenannte Schattenflotte Russlands besteht aus älteren Tankern, die unter Billigflaggen fahren und dazu dienen, trotz westlicher Sanktionen weiterhin Öl auf den Weltmarkt zu bringen. Diese Schiffe operieren oft ohne ausreichende Versicherung und stellen nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein erhebliches ökologisches Risiko dar. Ein Leck oder gar das Sinken eines solchen Tankers könnte verheerende Umweltschäden im Schwarzen Meer verursachen.
Die Ereignisse zeigen einmal mehr, wie fragil die globale Energieversorgung geworden ist und wie sehr sich der Konflikt zwischen Russland und dem Westen auf alle Bereiche ausweitet. Während Europa unter hohen Energiepreisen ächzt und Deutschland seine Gasspeicher auf Rekordtief sieht, tobt im Hintergrund ein erbitterter Kampf um Öl, Gas und geopolitischen Einfluss. Die Frage ist nicht mehr, ob es zu weiteren Eskalationen kommt – sondern wann und wo.
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