
Gaza am Tropf: Israel blockiert medizinische Evakuierung Tausender Schwerkranker

Während in diplomatischen Hinterzimmern weiter um Formulierungen gerungen wird, sterben im Gazastreifen Menschen – nicht nur durch Waffengewalt, sondern schlicht, weil ihnen der Zugang zu lebensrettender medizinischer Versorgung verwehrt bleibt. Die jüngsten Zahlen der Vereinten Nationen zeichnen ein erschütterndes Bild: Von geschätzten 18.500 Schwerkranken, die dringend eine Behandlung außerhalb des Küstenstreifens benötigen, konnten seit der teilweisen Wiederöffnung des Grenzübergangs Rafah vor rund zweieinhalb Wochen gerade einmal 260 Patienten ausreisen. Das entspricht nicht einmal anderthalb Prozent.
Versprechen gebrochen, Hoffnungen zerschlagen
Die Diskrepanz zwischen Zusage und Realität könnte kaum größer sein. Israel hatte zugesichert, täglich deutlich mehr Ausreisen über den Grenzübergang Rafah zu ermöglichen. Davon ist man meilenweit entfernt. 260 Menschen in zweieinhalb Wochen – das sind weniger als 20 pro Tag. Für die Tausenden, die auf Chemotherapien, Dialysebehandlungen oder dringend notwendige Operationen warten, ist diese Zahl nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Oder, um es unverblümt zu sagen: ein Todesurteil auf Raten.
Parallel zu dieser humanitären Katastrophe in Zeitlupe kamen am Mittwoch erneut mindestens zwei Menschen durch israelisches Militärfeuer ums Leben – nach palästinensischen Angaben bei zwei getrennten Vorfällen im Norden und Süden des Gazastreifens. Die israelische Armee schwieg zunächst zu den konkreten Vorfällen. Weitere Menschen seien verletzt worden.
Waffenruhe nur auf dem Papier?
Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: Seit Inkrafttreten der im Oktober vereinbarten Feuerpause sollen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 600 Menschen getötet und über 1.600 verletzt worden sein. Gewiss, diese Zahlen lassen sich unabhängig nicht verifizieren. Doch selbst wenn man einen erheblichen Unsicherheitsfaktor einrechnet, bleibt die Frage: Was genau ist eine Waffenruhe wert, unter der Hunderte sterben?
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte erneut mit Nachdruck, die medizinischen Ausreisen müssten umgehend ausgeweitet werden – nicht nur nach Ägypten, sondern auch ins Westjordanland und nach Ostjerusalem. Zugleich rief er andere Staaten dazu auf, mehr Patienten für spezialisierte Behandlungen aufzunehmen. Ein Appell, der in der internationalen Gemeinschaft bislang weitgehend verhallt.
Ein Gesundheitssystem in Trümmern
Der Grenzübergang Rafah ist der einzige direkte Zugang von Gaza nach Ägypten und damit die Lebensader für medizinische Evakuierungen. Seine Öffnung und Kapazität sind seit Monaten Gegenstand zäher internationaler Verhandlungen zwischen Israel, Ägypten, den USA und den Vereinten Nationen. Hilfsorganisationen fordern seit langem, die Ausreisen zu entpolitisieren und ausschließlich nach medizinischer Dringlichkeit zu priorisieren. Doch in einem Konflikt, in dem jeder Grenzübergang zum Druckmittel wird, erscheint diese Forderung beinahe naiv.
Dabei sind Evakuierungen allein ohnehin nur ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde. Das Gesundheitssystem in Gaza gilt nach mehr als zwei Jahren Krieg als weitgehend funktionsunfähig. Zahlreiche Kliniken sind zerstört oder außer Betrieb, es fehlt an Medikamenten, Strom und qualifiziertem Personal. Die WHO betont daher, dass Evakuierungen und der Wiederaufbau medizinischer Kapazitäten vor Ort gleichzeitig vorangetrieben werden müssten.
Europas Verantwortung – und Deutschlands Schweigen
Während die Weltgemeinschaft zusieht, drängt sich eine unbequeme Frage auf: Wo bleibt die europäische Stimme? Wo bleibt insbesondere die deutsche Diplomatie, die sich so gerne als Vermittlerin inszeniert? Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat bislang wenig erkennen lassen, dass sie im Nahost-Konflikt eine eigenständige, humanitär geprägte Linie verfolgen möchte. Stattdessen versteckt man sich hinter transatlantischer Solidarität und vagen Bekenntnissen zum Existenzrecht Israels – was zweifellos richtig ist, aber eben nur die halbe Wahrheit darstellt.
Denn das Existenzrecht eines Staates rechtfertigt nicht die systematische Blockade medizinischer Hilfe für Zivilisten. Es rechtfertigt nicht, dass Krebspatienten, Kinder mit Verbrennungen und Menschen, die dringend operiert werden müssten, an einem Grenzübergang festsitzen und auf den Tod warten. Wer sich als Wertegemeinschaft versteht, muss auch dann unbequeme Wahrheiten aussprechen, wenn sie einen Verbündeten betreffen. Alles andere wäre Heuchelei.
Die Lage in Gaza ist nicht nur eine humanitäre Krise – sie ist ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der gesamten internationalen Ordnung. Und dieser Prüfstein wird gerade mit erschreckender Gleichgültigkeit ignoriert.
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