
Goldpreis im Höhenrausch: Trumps Dollar-Schwäche katapultiert das Edelmetall auf historische Höhen

Was sich derzeit am Goldmarkt abspielt, lässt selbst hartgesottene Anleger staunen. Ein Rekordhoch jagt das nächste, und die Frage, die sich mittlerweile nicht mehr nur Experten stellen, lautet: Wo ist eigentlich die Obergrenze? Die Antwort könnte lauten: Möglicherweise gibt es keine – zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Trumps Dollar-Kommentare als Brandbeschleuniger
Der jüngste Schub für das gelbe Edelmetall kam aus einer Richtung, die man durchaus als ironisch bezeichnen könnte. Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump, der sonst so gerne die amerikanische Wirtschaftsstärke betont, signalisierte kürzlich, dass ihn der Rückgang des US-Dollars nicht sonderlich beunruhige. Eine Aussage, die an den Devisenmärkten wie eine Bombe einschlug und den Greenback auf Talfahrt schickte.
Die Konsequenz war vorhersehbar und doch bemerkenswert: Der Goldpreis schoss am Mittwochmorgen um nahezu zwei Prozent nach oben und erreichte mit 5.311,29 US-Dollar pro Feinunze einen neuen historischen Höchststand. Zum achten Mal in Folge verzeichnete das Edelmetall damit einen Handelstag mit Gewinnen – eine Serie, die selbst in der bewegten Geschichte des Goldmarktes ihresgleichen sucht.
Eine Rallye der Superlative
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Innerhalb von gerade einmal anderthalb Wochen legte der Goldpreis um fast 700 Dollar zu – ein Plus von knapp 15 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt der Zuwachs bereits rund 22 Prozent. Und als wäre das nicht genug, hatte Gold bereits im vergangenen Jahr mit einem Anstieg von 65 Prozent eine Performance hingelegt, die so manchen Aktienindex vor Neid erblassen ließ.
Für Anleger aus dem Euroraum ergibt sich dabei ein doppelter Vorteil: Ein schwächerer Dollar macht das in der amerikanischen Währung gehandelte Gold automatisch attraktiver. Es ist, als würde man beim Einkaufen einen zusätzlichen Rabatt erhalten – nur dass dieser Rabatt in diesem Fall von der mächtigsten Volkswirtschaft der Welt gewährt wird.
Geopolitische Brandherde befeuern die Nachfrage
Doch Trumps Dollar-Kommentare allein erklären nicht das Ausmaß dieser Rallye. Hinter dem Goldpreis-Anstieg verbirgt sich ein komplexes Geflecht aus geopolitischen Spannungen und strukturellen Verschiebungen im globalen Finanzsystem. Die volatile Lage im Iran, weltweite Konflikte und nicht zuletzt die protektionistischen Zolldrohungen Washingtons – man denke nur an die Grönland-Debatte – treiben die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold in schwindelerregende Höhen.
Besonders bemerkenswert ist das Verhalten der Zentralbanken. Länder wie China und Indien kaufen verstärkt Gold, um sich gegen politische Risiken, Sanktionsdrohungen und Zollrisiken abzusichern. Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset Management bringt es auf den Punkt: Die Notenbanken dieser Welt haben offenbar das Vertrauen in die Stabilität des Dollar-dominierten Finanzsystems verloren.
Der schleichende Abschied vom Dollar
Die Statistiken untermauern diesen Trend eindrucksvoll. Der Anteil der Goldreserven an den gesamten Zentralbankreserven stieg bis zum dritten Quartal 2025 auf 25,8 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil des US-Dollars von einst stolzen 61,9 Prozent im Jahr 2001 auf nunmehr 42,3 Prozent. Ein historischer Vergleich zeigt, wohin die Reise noch gehen könnte: Zwischen 1950 und 1987 lag der durchschnittliche Goldanteil bei etwa 60 Prozent.
6.000 Dollar – Utopie oder baldige Realität?
Angesichts dieser Entwicklung erscheinen selbst die kühnsten Prognosen plötzlich realistisch. Die Deutsche Bank hält einen Anstieg auf 6.000 Dollar noch in diesem Jahr für möglich. Nigel Green von DeVere teilt diese Einschätzung. Auch die polnische Notenbank wird am Markt als aktiver Käufer ausgemacht – ein weiteres Indiz dafür, dass das Vertrauen in traditionelle Währungen schwindet.
Was wir derzeit erleben, ist mehr als nur eine kurzfristige Spekulation. Es ist der Ausdruck einer tiefgreifenden Verschiebung im globalen Finanzsystem. Die Zeiten, in denen der US-Dollar als unangefochtene Weltleitwährung galt, scheinen sich dem Ende zu neigen. Und Gold, das älteste Wertaufbewahrungsmittel der Menschheit, erlebt eine Renaissance, die ihresgleichen sucht.
Was bedeutet das für deutsche Anleger?
Für den deutschen Sparer, der ohnehin schon unter der schleichenden Enteignung durch Inflation und Negativzinsen leidet, könnte Gold einmal mehr zum rettenden Anker werden. Während die Politik in Berlin weiterhin Schulden in Milliardenhöhe aufhäuft und das 500-Milliarden-Sondervermögen die Inflation weiter anheizen dürfte, bietet das Edelmetall einen Schutz, den keine Regierung und keine Zentralbank aushebeln kann.
Die aktuelle Goldpreis-Entwicklung ist dabei kein Zufall, sondern das logische Ergebnis jahrelanger Fehlpolitik – sowohl in den USA als auch in Europa. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, kommt an physischen Edelmetallen als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio kaum noch vorbei.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf Basis eigener Recherchen und gegebenenfalls nach Konsultation eines unabhängigen Finanzberaters getroffen werden. Der Wert von Anlagen kann schwanken, und vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.

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