
Goldpreis im Sturzflug: Warum Anleger jetzt einen kühlen Kopf bewahren sollten

Die Edelmetallmärkte erleben turbulente Tage, wie sie selbst erfahrene Händler selten gesehen haben. Nach dem historischen Höchststand von 5.594,70 US-Dollar je Feinunze Gold am vergangenen Donnerstag folgte ein dramatischer Absturz auf zeitweise nur noch 4.409,47 US-Dollar. Ein Minus von über 1.000 Dollar innerhalb weniger Handelstage – da wird manchem Anleger schwindelig.
Extreme Volatilität erschüttert die Märkte
Doch wer jetzt in Panik verfällt, könnte einen schwerwiegenden Fehler begehen. Die Marktbeobachter sind sich weitgehend einig: Was wir derzeit erleben, ist keine fundamentale Trendwende, sondern eine klassische Korrektur nach einem überhitzten Anstieg. Ole Hansen von der Saxo Bank bringt es auf den Punkt: Die extremen Preisschwankungen mit Tagesbewegungen von bis zu 500 US-Dollar hätten zu einer sinkenden Liquidität geführt. Marktteilnehmer würden zurückhaltend agieren – verständlich, wenn man bedenkt, welche Nerven solche Achterbahnfahrten kosten.
Der Goldpreis konnte sich zwischenzeitlich auf bis zu 4.788,73 US-Dollar erholen, bevor er wieder leicht nachgab. Beim Silber zeigte sich ein ähnliches Bild, nur noch nervöser: Nach einem kurzfristigen Absturz auf 71,78 US-Dollar kämpfte sich der Kurs in den Bereich über 80 Dollar vor. Zur Erinnerung: In der Vorwoche hatte Silber noch bei stolzen 121,64 US-Dollar notiert.
Die fundamentalen Gründe für Gold bleiben intakt
Was viele Beobachter übersehen: An den grundlegenden Argumenten für den Goldbesitz hat sich durch die jüngste Korrektur rein gar nichts geändert. Die Staatsschulden der westlichen Industrienationen befinden sich auf Rekordniveau – Deutschland macht da mit seinem neuen 500-Milliarden-Sondervermögen keine Ausnahme. Geopolitische Spannungen nehmen eher zu als ab, man denke nur an den eskalierenden Nahost-Konflikt oder die anhaltenden Unsicherheiten im Ukraine-Krieg.
Hinzu kommen die massiven Käufe der Zentralbanken, die Gold als strategische Reserve weiter aufstocken. Der World Gold Council verzeichnete im Vorjahr eine starke Nachfrage von Investoren mit 2.175 Tonnen bei einer Gesamtnachfrage von 5.002 Tonnen. Diese institutionellen Käufer lassen sich von kurzfristigen Preisschwankungen nicht beirren.
Stärkerer Dollar als Belastungsfaktor
Ein Faktor, der den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzt, ist die jüngste Stärke des US-Dollars. Je fester die amerikanische Währung notiert, desto teurer wird der Kauf von Gold und Silber für Anleger außerhalb des Dollarraums. Dies trägt international zur Kaufzurückhaltung bei – ein Effekt, der jedoch erfahrungsgemäß nicht von Dauer ist.
Silber: Industrieabhängigkeit als Achillesferse
Beim Silber könnte die Erholung nach Einschätzung der Analysten schleppender verlaufen als beim Gold. Der Grund liegt in der stärkeren Abhängigkeit von der Industrienachfrage. Der Solarsektor, traditionell ein wichtiger Abnehmer, sucht zunehmend nach Alternativen. Auch gewinnen Recyclingmaterialien an Bedeutung, was die Primärnachfrage dämpfen könnte.
„Wir erwarten, dass jeder Rückschlag mit einer neuen Nachfrage gedeckt wird, wobei 6.000 US-Dollar langfristig als mögliches nächstes Aufwärtsziel gelten."
Diese optimistische Einschätzung von Ole Hansen sollte Anlegern Mut machen. Kurzfristige politische Turbulenzen – etwa ein möglicher Shutdown der US-Regierungsfinanzierung – könnten jederzeit eine Gegenbewegung auslösen.
Physische Edelmetalle als Stabilitätsanker
In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Bestandteil eines ausgewogenen Anlageportfolios. Während Papiergold und gehebelte Produkte bei solchen Schwankungen schnell zu Totalverlusten führen können, bleibt physisches Gold und Silber ein greifbarer Wert – unabhängig von Börsenkursen und Liquiditätsproblemen.
Wer langfristig denkt und sein Vermögen gegen die Unwägbarkeiten einer zunehmend instabilen Welt absichern möchte, sollte die aktuelle Korrektur als das betrachten, was sie ist: eine Gelegenheit, nicht eine Katastrophe.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor dem Kauf von Edelmetallen oder anderen Anlageprodukten eine eigenständige Recherche durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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