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08.01.2026
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Grönland im Visier: Trumps geopolitisches Schachspiel entlarvt Europas Ohnmacht

Die arktische Insel Grönland avanciert zum Brennpunkt transatlantischer Spannungen. Während in Brüssel die Alarmglocken schrillen und europäische Staatschefs eilig gemeinsame Erklärungen verfassen, betreibt Washington unter Präsident Donald Trump eine Geopolitik, die den alten Kontinent in seinen Grundfesten erschüttert. Was auf den ersten Blick wie eine bizarre Laune des amerikanischen Präsidenten erscheinen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als strategisches Kalkül mit historischen Wurzeln.

Eine Insel, größer als Europa denkt

Grönland ist nicht irgendein Fleckchen Erde am Rande der Welt. Die flächenmäßig größte Insel des Planeten übertrifft jedes einzelne EU-Land an Ausdehnung, ist größer als Mexiko und umfasst mehr Territorium als Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien zusammengenommen. Dass ausgerechnet dort, wo gerade einmal 56.000 Menschen in einer der unwirtlichsten Regionen der Erde leben, nun die Zukunft der westlichen Allianz verhandelt wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Geographisch liegt Grönland auf dem nordamerikanischen Kontinent, politisch gehört es zum Königreich Dänemark – allerdings ausdrücklich nicht zur Europäischen Union. Wie die Färöer-Inseln genießt Grönland weitreichende Autonomie und trat bereits in den 1980er Jahren aus der damaligen EG aus, nachdem die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten hatte, frei darüber zu entscheiden. Ein Umstand, der die vollmundigen Verteidigungsreden aus Brüssel in einem besonderen Licht erscheinen lässt.

Historische Kaufversuche – keine trumpsche Erfindung

Die Vorstellung, Grönland zu erwerben, ist keineswegs eine Marotte des aktuellen US-Präsidenten. Bereits seit dem 19. Jahrhundert gab es mehrfach amerikanische Bestrebungen, die Insel von Dänemark zu übernehmen. Es waren amerikanische Entdecker wie Charles Francis Hall und Robert Peary, die als erste den Nordwesten und Norden Grönlands erkundeten, während sich die dänische Präsenz auf den Süden beschränkte.

Im Jahr 1868 stand man kurz davor, sowohl Grönland als auch Island von Dänemark zu kaufen. Das Vorhaben scheiterte letztlich am innenpolitischen Dauerstreit zwischen dem demokratischen Präsidenten Andrew Johnson und dem republikanisch kontrollierten Kongress. Ein weiterer Anlauf folgte 1910 mit einem komplexen Ringtausch-Modell, das Grönland an die USA, philippinische Inseln an Dänemark und schließlich Nordschleswig zurück an das Königreich bringen sollte.

Die faktische US-Kontrolle seit dem Zweiten Weltkrieg

Der entscheidende Wendepunkt kam während des Zweiten Weltkriegs. Nach der Nazi-Besetzung des dänischen Festlands landeten amerikanische Truppen 1940 auf Grönland – zunächst als vermeintlich staatsunabhängige „Freiwillige", später offiziell als US Army. Die unverteidigte Insel fürchtete deutsche Landungen, und tatsächlich errichteten die Deutschen später eine Wetterstation an der Ostküste.

Nach Kriegsende wurde die Lage kompliziert. Die Grönländer hatten sich an relative Selbstständigkeit gewöhnt, gleichzeitig waren US-Truppen stationiert. Aus amerikanischer Sicht war ein Kauf der Insel die logische Konsequenz. Im aufziehenden Kalten Krieg wäre das kleine Dänemark völlig unfähig gewesen, das Territorium zu verteidigen. Doch Kopenhagen lehnte mehrere Kaufangebote ab.

„Die USA haben faktisch bereits die militärische Kontrolle über die Insel und könnten direkt mit den dortigen Bewohnern und Behörden verhandeln."

An der amerikanischen Präsenz änderte die dänische Ablehnung freilich nichts. In Dänemarks Regierung sprach man intern von einer „de facto Teil-Besetzung durch die USA" und beschloss schließlich, den Zustand durch einen NATO-Beitritt zu formalisieren. Anders als gerne dargestellt, wurden die Amerikaner also nicht wirklich eingeladen – sie hatten sich selbst eingeladen und den Dänen klargemacht, dass man sich damit arrangieren müsse.

Die strategische Bedeutung im 21. Jahrhundert

Heute betreibt die US Space Force im Norden Grönlands die strategisch wichtige Pituffik Space Base, früher als Thule Air Base bekannt. Diese Einrichtung dient als Frühwarnsystem für Interkontinentalraketen – ein unverzichtbarer Baustein der amerikanischen Verteidigungsarchitektur. Die Parallelen zu Island sind dabei frappierend: Auch diese Insel wurde nach der Nazi-Besetzung des dänischen Festlands von den Alliierten besetzt und nutzte die Situation, um sich von Dänemark loszusagen.

Die Sicherheitsargumente der USA sind grundsätzlich schlüssig. Das dänische Militär – kleiner als die New Yorker Polizei – kann Grönland kaum vor Rivalen wie Russland und China schützen. Chinesische Firmen suchen bereits nach Bodenschätzen auf der Insel, und Russland rüstet in der Arktis massiv auf. Mit dem Schmelzen des Eises entstehen neue Schifffahrtsrouten und der Zugang zu enormen Rohstoffvorkommen wird möglich.

Europas peinliche Hilflosigkeit

Die Reaktionen aus Brüssel offenbaren einmal mehr die strategische Ohnmacht des alten Kontinents. Während Macron, Merz, Tusk und Starmer gemeinsame Erklärungen verfassen, bleibt die unbequeme Wahrheit: Europa kann Grönland nicht verteidigen und hat dort auch kein Mandat. Die EU-Kommission gerät wegen einiger Tweets in Schnappatmung, während die realen geopolitischen Machtverhältnisse längst andere sind.

Besonders bemerkenswert ist die Rhetorik aus der deutschen Linkspartei, die verkündet: „Grönland gehört den Grönländern." Eine Formulierung, die man in Bezug auf das eigene Land von dieser Seite wohl kaum hören wird. Die Doppelmoral könnte kaum offensichtlicher sein.

Mögliche Szenarien für die Zukunft

Eine amerikanische Invasion und Annexion Grönlands wäre natürlich wahnwitzig – die diplomatischen Folgen eines offenen Angriffs auf einen NATO-Partner wären verheerend. Realistischer erscheint ein anderes Modell: Grönland könnte unabhängig werden und sich außen- und sicherheitspolitisch noch enger an die USA binden. Das Stichwort lautet „freie Assoziation" – ein Modell, das bereits bei pazifischen Inselstaaten wie Palau, den Marshallinseln und den Föderierten Staaten von Mikronesien praktiziert wird.

US-Medienberichte deuten darauf hin, dass Außenminister Marco Rubio ein solches Modell ins Auge gefasst hat. Die typisch trumpschen, mitunter plumpen Forderungen nach einer vollständigen US-Übernahme haben allerdings politisches Kapital verspielt. Der neue grönländische Premier Jens-Frederik Nielsen verurteilte entsprechende Gedankenspiele scharf – man schielt zwar auf Unabhängigkeit, aber nicht darauf, unmittelbar Teil eines anderen Landes zu werden.

Die Krux der verfahrenen Lage

Die US-Forderungen bleiben vage, in Brüssel herrscht Aufregung, und in Grönland fragt niemand die Bevölkerung. Manch einer rechnet bereits vor, dass es gerade einmal 56 Milliarden US-Dollar kosten würde, jedem der 56.000 Einwohner eine Million Dollar für eine Abstimmung zugunsten eines USA-Beitritts zu bieten. Doch solche Überlegungen sind derzeit nicht auf dem Tisch.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Europa in dieser Frage keine Rolle spielt. Die Zukunft Grönlands wird zwischen Washington, Kopenhagen und Nuuk entschieden – nicht in Brüssel. Für die deutsche Außenpolitik unter der neuen Regierung Merz sollte dies ein Weckruf sein: Ohne eigene militärische Stärke und strategische Autonomie bleibt man Zuschauer im großen geopolitischen Spiel.

In Zeiten, in denen traditionelle Werte wie nationale Souveränität und klare Machtverhältnisse wieder an Bedeutung gewinnen, zeigt der Fall Grönland exemplarisch, wie weit sich Europa von der Realität entfernt hat. Die Schnappatmung in Brüssel mag moralisch befriedigend sein – geopolitisch ist sie bedeutungslos.

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