
Historische Edelmetall-Rally: Physische Knappheit lässt Preise explodieren

Was sich derzeit an den globalen Edelmetallmärkten abspielt, dürfte selbst hartgesottene Marktbeobachter in Erstaunen versetzen. Während der Goldpreis unaufhaltsam neue Rekordmarken ansteuert, hat Silber erstmals die psychologisch bedeutsame Schwelle von 100 US-Dollar je Unze durchbrochen. Ein regelrechtes Feuerwerk, das durch eine fundamentale Verschiebung der Marktmacht von West nach Ost befeuert wird – und das sollte jeden aufmerksamen Anleger hellhörig machen.
Silber durchbricht magische 100-Dollar-Marke
Der Silberpreis erreichte am vergangenen Freitag ein beeindruckendes Hoch von 103,45 US-Dollar. Doch die eigentliche Brisanz liegt nicht allein in dieser Zahl. An der Shanghai Gold Exchange wird physisches Silber bereits mit einem satten Aufschlag von 14 Prozent gegenüber den Papiergold-Notierungen an der New Yorker COMEX gehandelt. Was bedeutet das? Ganz einfach: Es herrscht eine reale, greifbare Knappheit an physischem Edelmetall.
Die Situation verschärft sich zusehends. Scheideanstalten sind Berichten zufolge auf Monate hinaus ausgebucht, während die physischen Bestände in westlichen Lagern nahezu erschöpft sein sollen. Wer jetzt noch glaubt, Papiergold und physisches Gold seien dasselbe, der irrt gewaltig.
Leerverkäufer unter massivem Druck
Besonders prekär gestaltet sich die Lage für jene Marktteilnehmer, die auf fallende Kurse gesetzt haben. Die Short-Positionen bei Silber gelten als die größten in der Geschichte der Rohstoffmärkte. Bei weiter steigenden Kursen droht ein sogenannter Short Squeeze – eine Situation, in der Leerverkäufer gezwungen werden, ihre Positionen zu schließen und damit die Preise noch weiter in die Höhe treiben. Ein Teufelskreis, der sich für Edelmetallbesitzer als Segen erweisen könnte.
Gold setzt Bullenmarkt fort
Auch das gelbe Metall zeigt keine Ermüdungserscheinungen. Der seit Juni 2019 bestehende Bullenmarkt hat mittlerweile ein Plus von 261 Prozent verzeichnet. Der Spotpreis schloss zuletzt bei beeindruckenden 4.988,56 US-Dollar je Unze – ein Wochenplus von 8,5 Prozent. Erstmals seit über einem Jahrzehnt entwickelt sich Gold besser als der US-Aktienindex S&P 500. Analysten werten diesen technischen Ausbruch als Signal für einen jahrelangen Aufwärtstrend.
Unter Wall-Street-Analysten herrscht extreme Zuversicht: 80 Prozent der von Kitco News befragten Experten zeigen sich für die kommende Woche optimistisch. Eine bemerkenswerte Einigkeit, die man in dieser Branche selten erlebt.
Zinssenkungen bereits eingepreist
Am Anleihenmarkt spiegeln die Renditen der 2-jährigen US-Staatsanleihen mit 3,61 Prozent die Erwartung weiterer Zinssenkungen wider. Marktteilnehmer haben für das Jahr 2026 bereits zwei weitere Senkungen um jeweils 0,25 Prozent eingepreist. Niedrigere Zinsen machen zinslose Anlagen wie Gold und Silber traditionell attraktiver – ein weiterer Treiber für die Rally.
COMEX sorgt für Unruhe
Für erhebliche Unruhe sorgt jedoch eine Entscheidung der US-Terminbörse COMEX: Seit dem 15. Januar 2026 werden keine Daten mehr über physische Auslieferungsbegehren bei Gold und Silber veröffentlicht. Kritiker sehen darin ein deutliches Warnsignal für tieferliegende Probleme im Derivatmarkt. Warum diese plötzliche Intransparenz? Die Frage drängt sich auf, ob hier möglicherweise unbequeme Wahrheiten verborgen werden sollen.
Enormes Aufholpotenzial bei Minenaktien
Trotz der rasanten Kursanstiege ist die Asset-Allokation in Gold- und Silberminenaktien im breiten Markt weiterhin erstaunlich gering. Da Silber das Gold in puncto Performance zuletzt weit hinter sich gelassen hat – das Gold-Silber-Verhältnis fiel von 106 auf 48 – sehen Analysten insbesondere bei den noch unterbewerteten Minenwerten enormes Aufholpotenzial, sollte das allgemeine Anlegerinteresse erwachen.
Die aktuelle Entwicklung bestätigt einmal mehr, was konservative Anleger seit jeher wissen: In Zeiten wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit erweisen sich physische Edelmetalle als verlässlicher Anker. Während Papierwerte und digitale Versprechen kommen und gehen, behält das greifbare Metall seinen Wert. Eine Lektion, die angesichts der aktuellen Schuldenpolitik – auch in Deutschland mit dem geplanten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen – aktueller denn je erscheint.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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