
Infineon setzt auf KI-Boom: Deutscher Chipriese flüchtet aus dem Automobildesaster

Der Münchner Halbleitergigant Infineon vollzieht einen bemerkenswerten strategischen Kurswechsel. Während die einst so stolze deutsche Automobilindustrie in einer beispiellosen Krise versinkt, entdeckt der Konzern ausgerechnet im boomenden Geschäft mit Künstlicher Intelligenz seinen neuen Hoffnungsträger. Ein Paradigmenwechsel, der viel über den Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland verrät.
KI-Geschäft explodiert – Autosparte schwächelt
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Im Bereich der Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren rechnet Infineon mittlerweile mit Erlösen von rund 1,5 Milliarden Euro – satte 500 Millionen Euro mehr als noch vor wenigen Monaten prognostiziert. Zum Vergleich: Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz in diesem Segment bei gerade einmal 600 Millionen Euro. Eine Verdopplung innerhalb eines Jahres, die selbst hartgesottene Analysten überrascht haben dürfte.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stiegen die Gesamtumsätze um sieben Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte auf 256 Millionen Euro – ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Doch hinter diesen auf den ersten Blick erfreulichen Zahlen verbirgt sich eine tektonische Verschiebung der Geschäftsgrundlagen.
Die bittere Wahrheit hinter dem Automobilgeschäft
Während das KI-Segment regelrecht explodiert, offenbart die Autosparte ein erschreckendes Bild des Niedergangs. Der Umsatz in diesem Unternehmensbereich sank 2025 leicht auf 14,6 Milliarden Euro – doch der Gewinn brach um dramatische 20 Prozent auf etwa eine Milliarde Euro ein. Diese Entwicklung wiegt besonders schwer, denn trotz des dynamisch wachsenden KI-Geschäfts steuert die Autosparte noch immer rund die Hälfte des Gesamtumsatzes bei.
Infineon ist mit einem weltweiten Marktanteil von rund 13,5 Prozent der umsatzstärkste Hersteller von Autochips. In Europa erreicht der Konzern sogar einen Marktanteil von 14,1 Prozent. Doch was nützt Marktführerschaft in einem schrumpfenden Markt?
Deutsche Autobauer im freien Fall
Die Ursachen für das Desaster sind hausgemacht – und sie liegen nicht bei Infineon. Die großen deutschen Hersteller wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sind mit ihren Elektrofahrzeugen schlicht nicht wettbewerbsfähig. Hohe Preise, qualitative Defizite und vor allem katastrophale Software-Lösungen machen deutsche E-Autos zu teuren Ladenhütern. Internationale Anbieter, insbesondere aus China, überzeugen hingegen mit deutlich geringeren Preisen bei gleichzeitig höherer Qualität.
Die Kluft zwischen deutschen Autobauern und ihren chinesischen Wettbewerbern ist in erster Linie auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Wirtschaftsstandorte zurückzuführen.
Standort Deutschland: Ein Wettbewerbsnachteil
Während in Deutschland hohe Energie- und Arbeitskosten sowie eine erdrückende Belastung durch Bürokratie, Steuern und Abgaben herrschen, stellt sich die Lage in China völlig anders dar. Dort sind Energiepreise niedrig, Lohnkosten geringer, bürokratische Hürden überschaubar und die Steuerlast moderat. Hinzu kommt eine umfassende staatliche Unterstützung, die in Deutschland undenkbar wäre.
Eine Erhebung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zeigt, dass im Jahr 2022 mehr als 99 Prozent der börsennotierten chinesischen Unternehmen direkte staatliche Subventionen erhielten. Darüber hinaus ermöglicht die Kommunistische Partei Chinas ihren Unternehmen den Zugang zu kritischen Rohstoffen, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen von zentraler Bedeutung sind. Während deutsche Politiker über Gendersprache und Klimakleber debattieren, baut China systematisch seine industrielle Dominanz aus.
Milliarden-Investitionen in Dresden
Vor dem Hintergrund des florierenden KI-Geschäfts treibt Infineon umfangreiche Investitionen voran. Allein in diesem Geschäftsjahr sollen 2,7 Milliarden Euro in den Zukunftssektor fließen – ursprünglich war lediglich ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro vorgesehen. Konzernchef Jochen Hanebeck erläuterte, dass ein großer Teil davon auf einen schnelleren Hochlauf der neuen Smart Power Fab in Dresden entfalle, die bereits im Sommer eröffnet werden soll.
Insgesamt investiert Infineon rund fünf Milliarden Euro in das Dresdner Projekt. Auch der Bund beteiligt sich mit 920 Millionen Euro an dem Vorhaben. Bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen – ein Lichtblick in einer ansonsten düsteren industriepolitischen Landschaft.
Ehrgeizige Ziele für die Zukunft
Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der für Infineon adressierbare Markt für KI-Stromversorgungslösungen auf acht bis zwölf Milliarden Euro anwachsen. Der Münchner Halbleiterhersteller, der in diesem Segment bereits jetzt führend ist, plant, diese Position weiter auszubauen. Langfristig möchte Infineon einen Marktanteil von 30 bis 40 Prozent für sich behaupten.
Schon jetzt ist die Leistungselektronik, die den Betrieb der riesigen Rechenzentren von Nvidia, Amazon oder Microsoft ermöglicht, ohne Infineon-Chips nicht funktionsfähig. Allein diese Perspektive spricht klar für den Ausbau des KI-Geschäfts. Infineon arbeitet hier mit den größten börsennotierten Unternehmen der Welt zusammen – während im Automobilgeschäft vor allem mit angeschlagenen deutschen Herstellern kooperiert wird, die von der Weltspitze weit entfernt sind.
Ein Symptom für den Niedergang
Die strategische Neuausrichtung von Infineon ist letztlich nichts anderes als ein Symptom für den schleichenden Niedergang des Industriestandorts Deutschland. Wenn selbst ein Weltmarktführer wie Infineon sein Heil in der Flucht aus dem deutschen Kerngeschäft sucht, sollten bei den Verantwortlichen in Berlin sämtliche Alarmglocken schrillen. Doch stattdessen beschäftigt sich die Politik lieber mit ideologischen Projekten, während die industrielle Basis des Landes erodiert.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien und andere Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Jeder Anleger ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eine umfassende eigene Recherche durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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