
Lanz-Talk im Konjunktiv: Wenn Experten die Weltpolitik erklären und der Moderator später alles abstreitet

Es war wieder einmal soweit im Zweiten Deutschen Fernsehen: Markus Lanz versammelte seine üblichen Verdächtigen, um über die große Weltpolitik zu philosophieren. Ein Land, das international kaum noch Gewicht auf die Waage bringt, diskutiert mit Dauerkarten-Gästen über Donald Trump, Grönland und die vermeintliche Zukunft Europas. Die Ironie könnte kaum größer sein.
Die Grönland-Frage und Trumps vermeintliche Hybris
Peter Neumann, Politologe am King's College und offenbar unverzichtbarer Stammgast der Sendung, durfte erneut seine Expertise zum Besten geben. Noch vor wenigen Wochen hatte er Trumps Grönland-Ambitionen als bloße „Riesen-Drohkulisse" abgetan und stattdessen Kuba als nächstes Ziel der amerikanischen Außenpolitik prophezeit. Eine Fehleinschätzung, die man großzügig übersehen möchte. Nun also die Kehrtwende: Trump sei nach seinem Erfolg in Venezuela „total ungehemmt" und verspüre „eine Art Hybris".
Kerstin Münstermann, ebenfalls Dauergast im öffentlich-rechtlichen Talkshow-Karussell, wusste zu berichten, dass „alle Europäer völlig konsterniert" seien. Man müsse sich „erstmal schütteln" und „den anderen tief in die Augen gucken". Welch tiefgreifende Analyse! Die 27 EU-Staaten zusammenzuhalten sei eben „nicht ganz trivial" – eine Erkenntnis, die wohl niemanden überraschen dürfte.
NATO-Chef Rutte und die Kunst der Diplomatie
Lanz selbst konnte es sich nicht verkneifen, auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte einzuprügeln. Dessen freundliche Nachricht an Trump – „Ich kann es nicht abwarten, Dich wiederzusehen" – wurde vom Moderator spöttisch zitiert. Dass es sich bei der englischen Formulierung „Can't wait to see you again" um eine völlig normale Höflichkeitsfloskel handelt, schien Lanz dabei nicht zu interessieren. Münstermann sprang Rutte immerhin bei: Der habe eben erkannt, dass man Trump am besten mit Schmeicheleien begegne. In Berlin hingegen herrsche ein „mittlerweile zynisches Amerikabild".
Schleswig-Holsteins Minister und das romantische Dänemark-Bild
Claus Ruhe Madsen, CDU-Wirtschaftsminister aus Schleswig-Holstein, malte ein geradezu triefend-romantisches Bild der Beziehung zwischen Dänemark und Grönland. Was dabei weitgehend unerwähnt blieb: Die historisch durchaus problematische Behandlung der grönländischen Bevölkerung durch die Dänen – Impfprogramme, Zwangsverhütung, Experimente mit Kindern. Madsen räumte immerhin ein, dass „Dänemark nicht immer ganz sauber war". Doch Lanz hakte sofort ein und verwies darauf, dass Amerika in Alaska mit den Inuit noch viel schlimmer umgegangen sei.
Wirtschaftliche Fantastereien und der Euro als Leitwährung
Besonders bemerkenswert waren die wirtschaftlichen Einschätzungen des Abends. Ökonom Jens Südekum behauptete allen Ernstes, die von Trump erhobenen Zölle würden letztendlich von den amerikanischen Bürgern bezahlt, während die Gewinnmargen deutscher Firmen unverändert blieben. Es werde lediglich „etwas weniger" verkauft. Eine Aussage, die jeden betriebswirtschaftlich denkenden Menschen erschaudern lässt – denn Gewinne hängen bekanntlich auch von Stückzahlen ab.
Die Expertenrunde steigerte sich schließlich in ein wahres Endzeitszenario: Was passiere, wenn die Großmächte sich die Welt aufteilten? Trump, Putin und Xi Jinping auf einem gemeinsamen Kreuzzug? Münstermann warnte gar: „Und Russland sagt: Europa wollt ich jetzt schon lange haben."
Das Rezept der Runde: Weg mit den US-Staatsanleihen
Die vermeintliche Lösung der versammelten Experten: Europa müsse sich von amerikanischen Staatsanleihen trennen, denn die Finanzmärkte seien bei Trump das größte Druckmittel. Mehr noch: Bei einem schwächelnden Dollar habe der Euro „eine wunderbare Chance, sich als Leitwährung zu etablieren". Eine Einschätzung, die angesichts der wirtschaftlichen Realität in der Eurozone bestenfalls als kühn bezeichnet werden kann.
Das Lanz-Phänomen: Heute gesagt, morgen geleugnet?
Die eigentliche Pointe des Abends liegt jedoch in der Unsicherheit, ob das Gesagte überhaupt Bestand haben wird. Markus Lanz hat sich in jüngster Vergangenheit einen zweifelhaften Ruf erworben, indem er im Nachhinein bestritt, was in seiner Sendung gesagt wurde. Ein Verhalten, das an Orwellsche Verhältnisse erinnert und das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter untergräbt.
So bleibt dem Zuschauer nur die bange Frage: War das, was gestern Abend im ZDF zu sehen war, tatsächlich so? Oder wird Lanz in den kommenden Tagen wieder alles abstreiten? In einem Land, in dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk jährlich Milliarden an Gebührengeldern verschlingt, sollte man eigentlich erwarten können, dass das gesprochene Wort auch morgen noch gilt. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein – zumindest bei Markus Lanz.
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