
Maus gegen Megawatt: Winziger Nager bringt gesamten Windpark zum Erliegen

Es klingt wie eine Satire auf die deutsche Energiewende, ist aber bittere Realität: Ein kleines Nagetier, vermutlich eine gewöhnliche Hausmaus, hat einen kompletten Windpark im nordrhein-westfälischen Hilchenbach lahmgelegt. Seit Mitte Januar stehen fünf Windkraftanlagen des Parks Rothaarwind 1 im Kreis Siegen-Wittgenstein still – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der uns die Politik weismachen will, die Energiewende sei der Königsweg in eine sichere Zukunft.
Ein Kurzschluss mit weitreichenden Folgen
Der Vorfall liest sich wie ein schlechter Witz: Das kleine Tier verschaffte sich Zugang zu einem Umspannwerk, verursachte dort einen Kurzschluss und beschädigte die gesamte Anlage. Das Nagetier selbst überlebte seinen unfreiwilligen Sabotageakt nicht – es verendete durch einen Stromschlag. Doch der Schaden, den es hinterließ, ist beträchtlich.
Der Netzbetreiber Westnetz hält sich mit einer eindeutigen Identifizierung des Übeltäters zurück. Henning Drees von Westnetz formuliert es diplomatisch: „Wir können aber nur von Kleintier sprechen, bei den Resten lässt sich nicht genau ausmachen, was es ist." Eine Maus gilt dennoch als wahrscheinlichster Kandidat, da diese Nager bekanntermaßen häufig in Gebäude eindringen.
Zehn Megawatt Leistung – einfach abgeschaltet
Die Dimension des Ausfalls ist bemerkenswert: Fünf Windenergieanlagen mit jeweils zwei Megawatt Leistung stehen still. Das sind insgesamt zehn Megawatt, die dem Netz nicht zur Verfügung stehen – und das nicht etwa wegen Flaute oder technischer Defekte an den Windrädern selbst, sondern wegen eines einzigen neuralgischen Punktes in der Infrastruktur.
Der Betreiber Günter Pulte beziffert den bisherigen Verlust auf etwa 100.000 Euro. Wohlgemerkt: Das ist nur der Stand bis jetzt. „Der genaue Schaden kann aber erst nach Wiederinbetriebnahme abgeschätzt werden", teilte er mit. Immerhin: Endverbraucher seien nach seiner Kenntnis nicht betroffen, da die Versorgung über andere Quellen stabil bleibe.
Die Achillesferse der Energiewende
Dieser Vorfall offenbart ein grundlegendes Problem der vielgepriesenen Energiewende, über das in den Hochglanzbroschüren der Bundesregierung erstaunlich wenig zu lesen ist: Die extreme Abhängigkeit von wenigen technischen Knotenpunkten. Sobald ein Umspannwerk ausfällt, ist die gesamte Erzeugung wirkungslos – egal wie stark der Wind weht, egal wie modern die Anlagen sind.
Westnetz rechnet mit einer Reparaturdauer von zwei bis drei Wochen. Drei Wochen, in denen der Windpark vom Netz getrennt bleibt, selbst wenn optimale Windbedingungen herrschen. Jede Stunde Stillstand bedeutet entgangene Einspeisung und fehlende Erlöse. Der wirtschaftliche Schaden wächst mit jedem Tag.
Sicherheitsmaßnahmen versagten kläglich
Besonders pikant: Umspannwerke sind eigentlich gegen solche Eindringlinge gesichert. Westnetz verweist auf Fallen und Schutzmaßnahmen, die Kleintiere fernhalten sollen. Doch offenbar reichen kleine Nachlässigkeiten im Alltag aus, um diese Vorkehrungen ad absurdum zu führen.
„Da muss aber nur mal jemand eine Tür offenlassen, um nochmal zum Auto zu gehen und ein Nager huscht rein."
So beschreibt Drees die banale Ursache. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, eine offene Tür – und schon steht kritische Infrastruktur still. Man fragt sich unwillkürlich, wie es um die Sicherheit dieser Anlagen bestellt ist, wenn bereits ein kleines Nagetier derart verheerende Schäden anrichten kann.
Wer zahlt die Zeche?
Die Frage der Haftung ist noch ungeklärt. Westnetz erklärt, der Betreiber könne Schadensersatz einfordern, jedoch werde das im Einzelfall geprüft. „Das ist aber eine Einzelfallentscheidung. Es kann pauschal nicht gesagt werden, ob der Netzbetreiber in Verantwortung ist", so Drees.
Pulte bewertet die Zusammenarbeit trotz allem positiv und lobt die Kommunikation als „gut und freundlich". Westnetz bemühe sich sehr um eine zügige Reparatur. Das ist löblich, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Problematik.
Ein Sinnbild für die deutsche Energiepolitik
Dieser Vorfall ist mehr als nur eine kuriose Randnotiz. Er ist ein Sinnbild für die Fragilität eines Energiesystems, das von der Politik als Allheilmittel gepriesen wird. Während Milliarden in den Ausbau von Windkraft und Solaranlagen fließen, zeigt sich an solchen Beispielen, wie verwundbar die gesamte Infrastruktur ist.
Die Ironie könnte kaum größer sein: Deutschland, das sich als Vorreiter der Energiewende inszeniert, wird von einer Maus vorgeführt. Ein einzelnes Nagetier reicht aus, um einen kompletten Windpark lahmzulegen und einen sechsstelligen Schaden zu verursachen. Vielleicht sollten die Verantwortlichen in Berlin weniger Zeit damit verbringen, ambitionierte Klimaziele zu verkünden, und mehr Aufmerksamkeit der Frage widmen, wie robust die Infrastruktur tatsächlich ist, auf die wir alle angewiesen sind.
Denn eines steht fest: Wenn schon eine kleine Maus solche Verwüstungen anrichten kann, wie sicher ist dann unser Stromnetz wirklich gegen größere Bedrohungen? Diese Frage sollte sich jeder stellen, der blind auf die Versprechen der Energiewende-Enthusiasten vertraut.












