
Mercedes flüchtet nach Ungarn: Der schleichende Ausverkauf der deutschen Industrie

Was sich derzeit in der deutschen Automobilindustrie abspielt, gleicht einem wirtschaftlichen Trauerspiel in mehreren Akten. Der Stuttgarter Traditionskonzern Mercedes-Benz verlagert die Produktion seiner A-Klasse nach Ungarn – und Branchenkenner prophezeien bereits düster: Das ist erst der Anfang einer Abwanderungswelle, die den Industriestandort Deutschland bis ins Mark erschüttern wird.
Ein Alarmsignal aus Stuttgart
Ab dem zweiten Quartal soll das Kompaktmodell exklusiv im ungarischen Werk Kecskemét vom Band laufen. Mindestens bis 2028 ist die Produktion dort geplant. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó konnte sich einen triumphalen Seitenhieb nicht verkneifen: Während Europa unter den „wirtschaftlichen Folgen verfehlter Brüsseler Politik" leide, gehöre sein Land zu den „größten Gewinnern einer neuen globalen Wirtschaftsära".
Bitter, aber wahr. Denn während die deutsche Politik sich in ideologischen Grabenkämpfen verliert und die Wirtschaft mit immer neuen Regulierungen gängelt, rollen anderswo die roten Teppiche für Investoren aus. Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Mercedes verkaufte 2025 weltweit zehn Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr. In China brach der Absatz um erschreckende 19 Prozent ein. Der Gewinn halbierte sich in den ersten neun Monaten auf magere 3,9 Milliarden Euro.
Experten zeichnen düsteres Bild für deutsche Arbeitsplätze
Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des renommierten CAR-Instituts in Bochum, findet deutliche Worte für das Versagen der Politik. Die Entscheidung habe er erwartet, erklärt der Autoexperte. Der Grund seien Deutschland und die miserablen Wettbewerbsbedingungen. Bei einem Kompaktmodell wie der A-Klasse sei der Preis- und Kostenwettbewerb extrem eng – Ungarn dagegen schlicht „wesentlich preisgünstiger".
„Auch andere Autobauer werden folgen – und das gilt ebenso für die Zulieferer. Die Politik verliert sich in einer Traumwelt, statt die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken."
Dudenhöffers Prognose für die Beschäftigten klingt wie ein Requiem für den deutschen Automobilstandort: Von den heute rund 720.000 Beschäftigten in der Branche würden bis 2030 nur noch etwa 500.000 übrig bleiben. Das bedeutet den Verlust von mehr als 200.000 Arbeitsplätzen innerhalb weniger Jahre. Seit 2018 hat die deutsche Automobilbranche bereits schätzungsweise 120.000 Jobs eingebüßt – und das Sterben geht weiter.
Die Merz-Regierung versagt auf ganzer Linie
Besonders pikant erscheint die Kritik an der aktuellen Bundesregierung unter Friedrich Merz. Zwar würden Milliarden investiert, so Dudenhöffer, doch Fortschritte seien kaum erkennbar. „Wir haben uns ins Abseits manövriert", lautet sein vernichtendes Urteil. Die vollmundigen Versprechen des Wahlkampfs – mehr Wettbewerbsfähigkeit, weniger Bürokratie, Entlastung der Wirtschaft – entpuppen sich offenbar als heiße Luft.
Der Verband der Automobilindustrie bestätigt das strukturelle Standortproblem. Hohe Energiepreise, erdrückende Steuerlast, explodierende Lohnkosten und eine Bürokratie, die jeden Unternehmer in den Wahnsinn treibt – all das belaste insbesondere den Mittelstand. Die Forderung nach einer klaren Ausrichtung auf Wettbewerbsfähigkeit verhallt jedoch in den Berliner Amtsstuben weitgehend ungehört.
Zulieferer vor dem Kollaps
Noch dramatischer stellt sich die Lage bei den Zulieferern dar. Frank Schwope, Dozent für Automobilwirtschaft an der FHM Köln, prognostiziert, dass dort Ende des Jahrzehnts „nur noch rund 200.000 Arbeitsplätze" übrig sein könnten. Der Stellenabbau werde unaufhaltsam weitergehen. Zwar könnten theoretisch neue Jobs durch chinesische Hersteller entstehen, doch diese würden die Verluste kaum kompensieren.
Die A-Klasse ist somit kein bedauerlicher Einzelfall, sondern ein Symptom einer tiefgreifenden Strukturkrise. Produktionsentscheidungen fallen heute dort, wo die Kosten stimmen – und nicht mehr dort, wo einst deutsche Ingenieurskunst Weltgeltung erlangte. Die Deindustrialisierung Deutschlands schreitet voran, während die politisch Verantwortlichen tatenlos zusehen oder sich mit Symbolpolitik beschäftigen. Die Rechnung für dieses Versagen werden am Ende die Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen müssen.
Silber-Explosion 2026:Das unterschätzte Edelmetall
Keine Kreditkarte erforderlich • Keine versteckten Kosten
Ihre Experten im Webinar:

Dominik Kettner
CEO Kettner Edelmetalle

Ernst Wolff
Der Systemkritiker

Jochen Staiger
Der Rohstoff-Realist
Top-Experten
Dominik Kettner & Star-Gäste
Live Q&A
Ihre Fragen
15.000€ Gold
zu gewinnen
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik














