
Milliardenbetrug aus den USA reißt deutschen Autozulieferer in den Abgrund

Es ist eine Geschichte, die man sich kaum ausdenken könnte – und die doch bittere Realität für 500 Beschäftigte im Raum Aachen ist. Die Ultinon Motion Germany GmbH, ein auf Fahrzeuglampen spezialisierter Zulieferer, hat am 9. Februar vor dem Amtsgericht Aachen Insolvenz angemeldet. Nicht etwa, weil das Unternehmen selbst schlecht gewirtschaftet hätte. Nein, der Grund liegt jenseits des Atlantiks – bei einem US-Mutterkonzern, dessen Gründer sich wegen milliardenschweren Betrugs vor Gericht verantworten müssen.
Vom Hoffnungsträger zum Insolvenzfall in unter zwei Jahren
Noch im Mai 2024 schien die Welt in Ordnung. Der US-Konzern First Brands übernahm das Lampen- und Zubehörgeschäft der damals unter dem Namen Lumileds firmierenden Gruppe für stolze 238 Millionen US-Dollar. Das globale Angebot sollte ausgebaut werden, die Zukunft rosig erscheinen. Die IG Metall in Aachen gab sich seinerzeit betont gelassen. Man habe „keinen Grund zu der Befürchtung", dass Arbeitsplätze in Gefahr seien, hieß es damals. Ein Gewerkschafter betonte sogar, andere von First Brands übernommene Unternehmen seien „problemlos weitergeführt" worden.
Wie bitter sich diese Einschätzung rächen sollte. Knapp anderthalb Jahre später liegt der gesamte Konzern in Trümmern – und mit ihm die Existenzgrundlage hunderter deutscher Arbeitnehmer.
Ein Kartenhaus aus gefälschten Bilanzen und doppelt verpfändeten Vermögenswerten
Was sich hinter der glänzenden Fassade von First Brands verbarg, liest sich wie das Drehbuch eines Wirtschaftskrimis. Die Staatsanwaltschaft des Southern District of New York wirft dem 61-jährigen Firmengründer Patrick James und seinem Bruder Edward James vor, Banken und Kreditgeber systematisch getäuscht zu haben. Gefälschte Sicherheiten, doppelt und dreifach verpfändete Vermögenswerte, irreführende Finanzberichte – das Arsenal der mutmaßlichen Betrüger war umfangreich.
US-Staatsanwalt Jay Clayton fand deutliche Worte: Die James-Brüder hätten „Milliarden für First Brands – und Millionen für sich selbst" erlangt, indem sie Kreditgebern den Eindruck eines erfolgreichen, wachsenden internationalen Unternehmens vermittelten. In Wahrheit habe der Konzern „auf Betrug, gefälschten Dokumenten und falschen Finanzen" basiert. Patrick James drohen zwischen zehn Jahren und lebenslänglicher Haft, seinem Bruder Edward bis zu 30 Jahre Gefängnis. Beide plädierten auf nicht schuldig.
Die nackten Zahlen sprechen eine vernichtende Sprache: Zum Zeitpunkt der Insolvenz im September 2025 verfügte First Brands bei einem weltweiten Nettoumsatz von rund fünf Milliarden US-Dollar über gerade einmal zwölf Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln. Dem standen Verbindlichkeiten von mehr als neun Milliarden US-Dollar gegenüber. Ein Verhältnis, das jeder kaufmännischen Vernunft spottet.
Dominoeffekt trifft deutsche Standorte mit voller Wucht
Ultinon ist dabei keineswegs das erste deutsche Opfer dieses transatlantischen Debakels. Bereits im November 2025 erwischte es die ehemaligen Bolta-Werke, die unter dem Namen Diepersdorf Plastic Manufacturing firmierten. Danach folgten die CoFo-Gruppe mit Presswerken in Krefeld und Dietenheim sowie der Dichtungshersteller Meteor aus Bockenem. Ein Dominoeffekt, der die ohnehin angeschlagene deutsche Zuliefererindustrie weiter erschüttert.
Für die rund 500 Beschäftigten am Standort Aachen wurde der Rechtsanwalt Wolfgang Piroth als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst aufrechterhalten werden, die Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld. Doch ohne einen neuen Investor dürfte die Zukunft des Unternehmens, das nach eigenen Angaben weltweit etwa 1.700 Angestellte in über 30 Ländern beschäftigt und dessen Leuchten in jedem dritten Fahrzeug weltweit verbaut sein sollen, mehr als ungewiss sein.
Symptom einer tiefgreifenden Krise der deutschen Industrie
Der Fall Ultinon ist weit mehr als eine einzelne Unternehmenspleite. Er ist ein Symptom für die dramatische Lage der deutschen Automobilzuliefererbranche – und für die Verwundbarkeit deutscher Standorte gegenüber den Machenschaften internationaler Konzerne. Während hierzulande die Energiekosten explodieren, die Bürokratie wuchert und die politische Führung sich lieber mit ideologischen Prestigeprojekten beschäftigt, als die Rahmenbedingungen für den Industriestandort Deutschland zu verbessern, werden deutsche Traditionsunternehmen zum Spielball globaler Finanzjongleure.
Eine Allianz-Tochter prognostiziert für Deutschland mittlerweile 24.500 Insolvenzen – den höchsten Wert seit zwölf Jahren. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass diese Zahl noch steigen wird, solange die Politik nicht endlich begreift, dass eine starke Wirtschaft das Fundament jeder funktionierenden Gesellschaft ist. Statt immer neuer Regulierungen, Sondervermögen auf Pump und klimapolitischer Träumereien bräuchte es eine knallharte Standortpolitik, die deutschen Unternehmen wieder Luft zum Atmen gibt. Doch danach sucht man in Berlin vergeblich.
Für die 500 Beschäftigten in Aachen sind das freilich abstrakte Überlegungen. Sie wollen schlicht wissen, ob sie morgen noch einen Arbeitsplatz haben. Die Antwort darauf liegt nun in den Händen eines Insolvenzverwalters – und eines Investors, der sich hoffentlich finden lässt.
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