
Pekings Rohstoff-Knüppel: China dreht Japan den Hahn für Seltene Erden zu

Was sich seit Monaten wie ein diplomatisches Säbelrasseln anfühlte, hat nun eine handfeste wirtschaftliche Dimension erreicht. China hat Japan den Zugang zu sogenannten "schweren" Seltenen Erden sowie den daraus gefertigten Hochleistungsmagneten faktisch abgeschnitten. Die Auswirkungen dieser Maßnahme dürften sich wie ein Lauffeuer durch die globalen Lieferketten fressen – und auch deutsche Unternehmen werden die Konsequenzen zu spüren bekommen.
Der Auslöser: Taiwans Schatten über den Beziehungen
Die Wurzeln dieses Konflikts reichen zurück bis zum 7. November vergangenen Jahres. Damals wagte es die japanische Premierministerin Sanae Takaichi, öffentlich anzudeuten, dass japanische Streitkräfte Taiwan im Falle einer chinesischen Invasion militärisch verteidigen könnten. Peking reagierte mit kalter Wut. Was zunächst mit Einschränkungen im Tourismus und kulturellen Austausch begann, hat sich mittlerweile zu einem ausgewachsenen Wirtschaftskrieg entwickelt.
Monatelang wartete Peking auf eine formelle Entschuldigung aus Tokio. Sie kam nicht. Nun zieht das kommunistische Regime die Daumenschrauben an – und zwar täglich enger. Nach dem Verbot von Dual-Use-Gütern, also Produkten mit sowohl ziviler als auch militärischer Anwendung, folgte der nächste Schlag: Die Blockade der für Japans Hightech-Industrie lebenswichtigen Seltenen Erden.
Japans fatale Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen
Die Zahlen sprechen eine erschreckend deutliche Sprache. Nach Daten aus dem Jahr 2024 bezog Japan sage und schreibe 63 Prozent seiner Importe an Seltenen Erden aus China. Das Land der aufgehenden Sonne ist zwar der zweitgrößte Produzent von Seltenerd-Magneten weltweit – doch ohne die chinesischen Rohstoffe steht die Produktion praktisch still.
Betroffen sind nicht etwa nur Rüstungsunternehmen, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Exportbeschränkungen treffen die gesamte japanische Industrie mit voller Wucht:
Halbleiter-Zulieferer, die Komponenten für globale Chipfertiger herstellen, stehen vor massiven Lieferengpässen. Die Automobilindustrie, ohnehin durch die Elektromobilitätswende unter Druck, verliert wichtige Materialien für Elektromotoren. Hersteller von Drohnen, Luftfahrtkomponenten und nukleartechnischen Anlagen müssen sich auf erhebliche Produktionsausfälle einstellen.
Wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe
Das Nomura Research Institute hat bereits eine erste Schadensschätzung vorgelegt, die aufhorchen lässt. Sollten die chinesischen Restriktionen aufrechterhalten werden, drohen Japan wirtschaftliche Verluste von rund 17 Milliarden Dollar – wohlgemerkt innerhalb eines einzigen Jahres. Eine Summe, die selbst für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schmerzhaft ist.
"Das wird sich nach unten durchfiltern", warnt der Seltene-Erden-Analyst David S. Abraham mit Blick auf die globalen Lieferketten.
Und genau hier liegt die eigentliche Brisanz dieser Entwicklung. Was in Tokio beginnt, endet nicht an Japans Grenzen. Deutsche Automobilhersteller, die auf japanische Zulieferer angewiesen sind, amerikanische Technologiekonzerne, europäische Rüstungsunternehmen – sie alle werden die Auswirkungen dieser geopolitischen Machtdemonstration zu spüren bekommen.
Ein unmissverständliches Signal an Washington
Peking sendet mit diesem Schritt auch eine kristallklare Botschaft an die Vereinigten Staaten. Bereits im vergangenen Jahr hatte China amerikanischen Unternehmen den Zugang zu Seltenen Erden erschwert. Präsident Trump, der sich gerne als harter Verhandler inszeniert, knickte ein und ruderte in seinem Handelskrieg mit China zurück. Nun demonstriert Peking, dass es bereit ist, denselben Hebel auch gegen enge US-Verbündete anzusetzen.
Die Ironie der Geschichte: Während japanische Unternehmen unter den Restriktionen ächzen, berichten amerikanische Firmen von einer leichteren Genehmigungspraxis für ihre Exportlizenzen. Peking versteht es meisterhaft, Keile zwischen die westlichen Verbündeten zu treiben.
Tokios hilflose Proteste
Die japanische Regierung reagiert mit scharfen Worten – mehr bleibt ihr derzeit kaum übrig. Masaaki Kanai, Generalsekretär des Büros für asiatische und ozeanische Angelegenheiten im japanischen Außenministerium, hat "energisch protestiert und die Rücknahme dieser Maßnahmen gefordert". Kabinettssekretär Minoru Kihara bezeichnete die Maßnahmen als "absolut inakzeptabel und zutiefst bedauerlich".
Doch Worte allein werden Peking kaum beeindrucken. Die chinesische Führung hat unmissverständlich klargemacht, dass sie Takaichis Äußerungen als "grobe Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten" betrachtet. Eine Entschuldigung wird erwartet – und solange sie ausbleibt, dürften die Schrauben weiter angezogen werden.
Die strategische Lehre für den Westen
Diese Entwicklung sollte auch in Berlin und Brüssel als Weckruf verstanden werden. Die westliche Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen, insbesondere bei Seltenen Erden, ist ein strategisches Sicherheitsrisiko ersten Ranges. Jahrzehntelang hat man diese Abhängigkeit sehenden Auges hingenommen, weil chinesische Lieferungen billig und zuverlässig waren. Nun zeigt sich, welchen Preis diese Kurzsichtigkeit haben kann.
Japan versucht seit über einem Jahrzehnt, seine Abhängigkeit von China zu reduzieren – ausgelöst durch frühere Lieferunterbrechungen im Zusammenhang mit Territorialstreitigkeiten um umstrittene Inseln. Der Erfolg war bislang überschaubar. Und während Europa noch über Diversifizierungsstrategien debattiert, schafft Peking bereits Fakten.
In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Verwerfungen erweist sich einmal mehr, dass physische Werte wie Gold und Silber als Vermögenssicherung an Bedeutung gewinnen. Anders als komplexe Lieferketten, die von politischen Entscheidungen in Peking abhängen, bieten Edelmetalle eine Form der Unabhängigkeit, die in der heutigen Welt zunehmend wertvoll erscheint.
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