
Schienenchaos mit Ansage: Bahn-Sperrungen treiben deutsche Wirtschaft in die Enge

Was sich derzeit auf Deutschlands Schienen abspielt, gleicht einem wirtschaftspolitischen Trauerspiel. Die Deutsche Bahn modernisiert ihr marodes Netz – ein längst überfälliger Schritt, gewiss. Doch die Rechnung zahlt die deutsche Wirtschaft, und zwar teuer. Die aktuelle Vollsperrung der Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen bis zum 10. Juli offenbart einmal mehr das ganze Ausmaß des Infrastruktur-Desasters, das sich über Jahrzehnte aufgestaut hat.
Güterverkehr am Limit: Keine Ausweichmöglichkeiten
Peter Westenberger, Geschäftsführer des Branchenverbands Güterbahnen, bringt das Dilemma auf den Punkt:
„Anders als bei Personenzügen kann man im Güterverkehr keinen Schienenersatzverkehr einrichten."Diese simple Wahrheit hat weitreichende Konsequenzen. Während Pendler notgedrungen in überfüllte Ersatzbusse steigen können, stehen Güterzüge schlicht vor verschlossenen Toren. Täglich 20 bis 30 Züge, die normalerweise diese wichtige Verbindung nutzen, müssen nun kostspielige Umwege in Kauf nehmen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Strecken, die früher in fünf Stunden bewältigt wurden, verschlingen heute acht Stunden – wenn überhaupt alles nach Plan läuft. Kommen Störungen hinzu, explodieren die Kosten regelrecht. Für Unternehmen, die auf pünktliche Lieferungen angewiesen sind, wird der Schienenverkehr damit zum unkalkulierbaren Risiko.
Flucht auf die Straße: Das Gegenteil politischer Ziele
Die Konsequenz ist so vorhersehbar wie verheerend: Immer mehr Kunden kehren der Schiene den Rücken und verladen ihre Güter auf Lastwagen. Westenberger beobachtet diesen Trend seit Jahren mit wachsender Sorge. „Das ist das Gegenteil von dem, was politisch gewollt ist", mahnt er. Während die Politik nicht müde wird, die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene als Klimaziel zu propagieren, treibt die Realität die Wirtschaft in die entgegengesetzte Richtung.
Hier offenbart sich die ganze Absurdität deutscher Verkehrspolitik: Jahrzehntelang wurde das Schienennetz kaputtgespart, während man gleichzeitig ambitionierte Klimaziele verkündete. Nun, da die Sanierung unausweichlich geworden ist, fehlt es an Konzepten, wie der Güterverkehr während der Bauarbeiten aufrechterhalten werden kann. Die Zeche zahlen am Ende die Unternehmen – und damit der Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt.
Mammutprojekt mit ungewissem Ausgang
Die Bahn plant in den kommenden Jahren die Modernisierung von rund 40 bedeutenden Strecken bundesweit. Ein Vorhaben, das dringend notwendig ist, keine Frage. Das veraltete und chronisch überlastete Netz gilt als Hauptursache für die sprichwörtliche Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn. Doch jede dieser Sanierungen bedeutet monatelange Sperrungen – und damit weitere Belastungen für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft.
Westenberger fordert daher eine bessere Koordination der Baustellen und schnellere Reaktionen bei Störungen auf Umleitungsstrecken. Forderungen, die vernünftig klingen, aber angesichts der bisherigen Planungskompetenz der Bahn eher wie frommer Wunsch erscheinen. Die deutsche Wirtschaft wird sich auf Jahre hinaus auf ein Schienennetz im Dauerbaustellen-Modus einstellen müssen – mit allen Konsequenzen für Lieferketten, Produktionskosten und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Es bleibt die bittere Erkenntnis: Was Generationen von Politikern versäumt haben, lässt sich nicht über Nacht reparieren. Die Rechnung für diese Versäumnisse wird nun präsentiert – und sie fällt saftig aus.

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