
Traditionsreiches Skigebiet im Sauerland sucht neuen Besitzer – Ende einer Ära?
Was für Generationen von Familien ein winterliches Paradies war, steht nun zum Verkauf: Der legendäre „Sahnehang" im Sauerland, eines der ältesten Skigebiete der Region, wird als Komplettpaket angeboten. Ein Familienbetrieb, der seit den 1950er Jahren die Pisten prägte, zieht sich zurück – und mit ihm droht ein Stück deutscher Wintersportgeschichte zu verschwinden.
Ein Kleinod des Wintersports auf dem Markt
Das Angebot liest sich wie der Traum eines jeden Wintersport-Enthusiasten: Rund 26.000 Quadratmeter Fläche, eine 700 Meter lange Abfahrt, Schlepplift, Pistenraupen, Schneekanonen, Motorschlitten und sogar ein eigener Wasserspeicher – alles inklusive. Dazu eine gemütliche Berghütte, die nicht nur im Winter, sondern auch während der Wandersaison Gäste bewirten könnte. Der Sahnehang, so versichern die Makler, weise keinen Investitionsstau auf. Ein schlüsselfertiges Skigebiet also, bereit für einen neuen Kapitän am Steuer.
Seinen poetischen Namen verdankt das Areal übrigens einer über hundert Jahre alten Beobachtung: Der Schnee soll dort „wie Sahne" liegen – ein Versprechen, das in Zeiten des Klimawandels fast schon nostalgisch anmutet. Als einer der höher gelegenen Nordhänge der Region gilt der Sahnehang immerhin als vergleichsweise schneesicher, was in deutschen Mittelgebirgen längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Schweigen über die Hintergründe
Warum die Familie Geilen, die das Skigebiet seit Jahrzehnten mit Herzblut betreibt, nun einen Nachfolger sucht, bleibt im Dunkeln. Der aktuelle Betreiber Dietmar Geilen und seine Familie halten sich bedeckt, geben keine Interviews und verraten keine Details zum Verkauf. Die Sparkasse, die als Vermittlerin fungiert, verweist lediglich auf „laufende Gespräche" und schweigt sich über Preisvorstellungen und potenzielle Interessenten aus.
Diese Geheimniskrämerei mag geschäftliche Gründe haben, wirft aber auch Fragen auf. Ist es schlicht der fehlende Nachwuchs, der so viele Familienbetriebe in Deutschland zum Aufgeben zwingt? Oder sind es die wirtschaftlichen Realitäten eines Marktes, der kleine Anbieter gnadenlos aussortiert?
David gegen Goliath: Der Kampf der kleinen Skigebiete
Die Wahrheit ist unbequem: Kleine Skigebiete wie der Sahnehang stehen unter enormem Druck. Während Winterberg und Willingen mit millionenschweren Investitionen, modernen Liftanlagen und ausgeklügelten Beschneiungssystemen locken, müssen Familienbetriebe um jeden Gast kämpfen. Die Nische – Familien mit Kindern, Anfänger, Menschen, die den Rummel der großen Zentren scheuen – ist eng geworden.
Hinzu kommt die unberechenbare Schneelage. Was früher als selbstverständlich galt, ist heute ein Glücksspiel. Milde Winter, ausbleibender Schneefall und steigende Energiekosten für die Beschneiung machen den Betrieb kleiner Skigebiete zu einem wirtschaftlichen Drahtseilakt. Dass der Sahnehang trotz allem als „gut ausgestattet" gilt und keinen Investitionsstau aufweist, spricht für die Sorgfalt der bisherigen Betreiber – macht die Suche nach einem Nachfolger aber nicht einfacher.
Ein Stück Heimat steht auf dem Spiel
Der Sahnehang ist mehr als nur eine Piste mit Lift. Er ist ein Stück regionaler Identität, ein Ort, an dem Generationen das Skifahren lernten und Familien ihre Winterwochenenden verbrachten. Solche Orte verschwinden nicht einfach – sie hinterlassen Lücken im kulturellen Gedächtnis einer Region.
Ob sich ein Käufer findet, der nicht nur das nötige Kapital, sondern auch die Leidenschaft und das Durchhaltevermögen mitbringt, bleibt abzuwarten. Die Interessenten, so heißt es, seien zahlreich. Doch zwischen Interesse und tatsächlichem Engagement liegt oft ein weiter Weg. Der Sahnehang verdient einen Nachfolger, der versteht, dass hier nicht nur ein Geschäft, sondern ein Erbe übernommen wird.

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