
Trumps „große Welle": Der Iran-Krieg eskaliert – und Europa schaut hilflos zu

Was sich seit dem vergangenen Wochenende im Nahen Osten abspielt, hat das Potenzial, die geopolitische Ordnung der Welt grundlegend zu verändern. Drei Tage nach Beginn der israelisch-amerikanischen Militärschläge gegen den Iran hat US-Präsident Donald Trump die Ausweitung der Angriffe angekündigt – und dabei Worte gewählt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen", erklärte er gegenüber CNN. „Die große Welle kommt bald."
Vier Wochen Krieg – mindestens
Trump rechnet eigenen Angaben zufolge mit einer Kriegsdauer von etwa vier Wochen und sieht die Operation sogar dem Zeitplan voraus. Man habe bereits 49 iranische Anführer „ausgeschaltet", darunter offenbar auch Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, der am Samstag getötet worden sein soll. „Sie wissen nicht einmal, wer sie derzeit anführt", so der US-Präsident mit kaum verhohlener Genugtuung. Der Iran wäre nach Trumps Darstellung schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen US-Territorium zu erreichen – eine Behauptung, die freilich schwer zu verifizieren ist, aber als Rechtfertigung für den Präventivschlag dienen soll.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth – der sich selbst als „Kriegsminister" bezeichnet, was allein schon Bände spricht – versuchte derweil, Befürchtungen zu zerstreuen, es könne sich um ein zweites Irak-Desaster handeln. Die drei erklärten Kriegsziele lauten: die Raketenbedrohung zerstören, die iranische Marine vernichten und das Atomprogramm ausschalten. Ob dafür auch Bodentruppen zum Einsatz kommen sollen, ließ Trump bewusst offen. Ein beunruhigendes Signal.
Die Fakten sprechen eine andere Sprache
Besonders brisant ist dabei ein Detail, das in der Kriegsrhetorik unterzugehen droht: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) unter ihrem Chef Rafael Grossi erklärte in Wien, es habe keine Anzeichen für ein strukturiertes Kernwaffenprogramm im Iran gegeben. „Wir sehen kein strukturiertes Programm zur Herstellung von Atomwaffen", so Grossi wörtlich. Man darf sich also durchaus fragen, auf welcher Grundlage hier ein Krieg geführt wird, der bereits nach wenigen Tagen Hunderte Menschenleben gefordert hat. Der iranische Rote Halbmond meldete mindestens 555 Tote. Auch in Israel und im Libanon gibt es Opfer, vier US-Soldaten kamen ums Leben.
Die Parallelen zum Irak-Krieg von 2003 sind frappierend – und beängstigend. Auch damals wurden Massenvernichtungswaffen als Kriegsgrund angeführt, die sich später als Phantom erwiesen. Dass ausgerechnet Hegseth beteuert, man habe „die Lehren aus der Vergangenheit gezogen", wirkt vor diesem Hintergrund wie blanker Hohn.
Europa zwischen Ohnmacht und Unterwürfigkeit
Während die Bomben fallen, offenbart sich einmal mehr die strategische Bedeutungslosigkeit Europas auf der Weltbühne. Trump zeigte sich „sehr enttäuscht" vom britischen Premierminister Keir Starmer, der die Nutzung britischer Stützpunkte zu spät erlaubt habe. Hegseth teilte noch deutlicher aus und sprach von „traditionellen Verbündeten", die beim Einsatz von Gewalt nur „zögern und zaudern" würden. Konkrete Länder nannte er nicht – aber die Botschaft war unmissverständlich.
Spanien stellte immerhin klar, dass die US-Basen Morón und Rota auf spanischem Boden nicht für die Angriffe genutzt worden seien, da diese einseitig und ohne internationale Resolution erfolgt seien. Eine bemerkenswerte Haltung, die man sich auch von der deutschen Bundesregierung wünschen würde. Doch aus Berlin? Ohrenbetäubendes Schweigen. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz scheint auch in dieser Krise vor allem eines zu sein: ein Zuschauer ohne Einfluss.
Der Flächenbrand weitet sich aus
Die Befürchtungen vor einem regionalen Flächenbrand werden derweil zur bitteren Realität. Der Krieg hat längst nicht nur den Iran erfasst. Israel bombardiert erneut Stellungen der Hisbollah-Miliz im Libanon – dabei wurde nach israelischen Angaben der Chef des Geheimdiensthauptquartiers der Hisbollah, Hussein Makled, getötet. Tausende Zivilisten fliehen aus dem Südlibanon gen Norden. Die Golfstaaten, die sich ursprünglich nur „geringfügig beteiligen" wollten, werden immer tiefer in den Konflikt hineingezogen. In einem geradezu grotesken Zwischenfall schoss die kuwaitische Luftverteidigung versehentlich mehrere US-Kampfjets ab – die Besatzungen überlebten glücklicherweise.
Selbst der EU-Inselstaat Zypern ist mittlerweile betroffen: In der Nacht zum Montag wurde der britische Stützpunkt Akrotiri nahe Limassol mit einer iranischen „Shahed"-Drohne angegriffen. Zwei weitere unbemannte Flugobjekte konnten abgewehrt werden. Der Krieg rückt damit buchstäblich an die Grenzen Europas heran.
Zehntausende Deutsche sitzen fest
Die humanitären Folgen des Konflikts treffen auch deutsche Bürger unmittelbar. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands sitzen rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter in der Region fest. Flüge wurden gestrichen, Kreuzfahrten gestoppt, die Unsicherheit ist enorm. Das Auswärtige Amt bereitet zwar die Rückholung von Kranken, Kindern und Schwangeren vor – doch für die große Masse der Gestrandeten gibt es vorerst keine Lösung. Ein Armutszeugnis für ein Land, das sich gerne als Führungsnation in Europa inszeniert.
Kein Regimewechsel – aber das Regime ist schon weg?
Besonders aufschlussreich ist die semantische Akrobatik, mit der Washington den Charakter dieses Krieges zu definieren versucht. Hegseth betonte, es handele sich nicht um einen „Regimewechselkrieg". Im selben Atemzug fügte er jedoch hinzu: „Aber das Regime hat sich tatsächlich geändert, und die Welt ist dadurch besser dran." Israels Verteidigungsminister Israel Katz wurde noch deutlicher: Das angestrebte Ergebnis sei, dass das iranische Volk „dieses Regime für sich selbst beseitigen" werde. Man führt also keinen Regimewechselkrieg – hofft aber auf einen Regimewechsel. George Orwell hätte seine helle Freude an dieser Logik gehabt.
Frankreich hat den Golfstaaten derweil Unterstützung bei der Verteidigung zugesagt. Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte in Paris, man sei bereit, sich an deren Verteidigung zu beteiligen. Ob dies mehr als diplomatische Lippenbekenntnisse sind, bleibt abzuwarten.
Was bedeutet das für Anleger?
Für die globalen Finanzmärkte ist die Eskalation im Nahen Osten ein Schock, dessen volle Wucht sich erst noch entfalten dürfte. Die Straße von Hormus – jene Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt – ist unmittelbar bedroht. Steigende Energiepreise, wachsende Unsicherheit an den Aktienmärkten und eine weitere Beschleunigung der Inflation sind die logischen Konsequenzen. In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Krisenwährung. Gold und Silber haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie in geopolitischen Verwerfungen ihren Wert nicht nur halten, sondern regelmäßig steigern. Wer sein Vermögen breit streuen und gegen die Unwägbarkeiten einer zunehmend instabilen Welt absichern möchte, kommt an physischen Edelmetallen als Beimischung im Portfolio kaum vorbei.
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