
Warnstreik im Nahverkehr: Wenn Deutschland stillsteht und der Bürger die Zeche zahlt

Am Montag erlebte Deutschland einmal mehr, wie fragil die öffentliche Infrastruktur dieses Landes geworden ist. Ein bundesweiter Warnstreik der Gewerkschaft ver.di legte den öffentlichen Personennahverkehr in nahezu allen Bundesländern lahm. Rund 100.000 Beschäftigte in etwa 150 kommunalen Verkehrsunternehmen legten die Arbeit nieder – und Millionen Pendler, Schüler und Berufstätige standen vor verschlossenen Türen, leeren Bahnsteigen und stillstehenden Bussen.
Die Forderungen der Gewerkschaft – und die bittere Realität
Ver.di fordert kürzere Wochen- und Schichtarbeitszeiten, längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. Forderungen, die auf den ersten Blick nachvollziehbar klingen mögen. Doch die kommunalen Arbeitgeber verweisen auf eine Tatsache, die in der öffentlichen Debatte gerne unter den Teppich gekehrt wird: Die Haushaltslage vieler Städte und Gemeinden ist schlichtweg desaströs. Jahrelange Misswirtschaft, explodierende Sozialausgaben und eine Politik, die lieber Geld in ideologische Projekte steckt als in funktionierende Infrastruktur, haben ihre Spuren hinterlassen.
Und wer trägt am Ende die Last? Nicht die Gewerkschaftsfunktionäre, nicht die Politiker in ihren klimatisierten Büros – sondern der einfache Bürger, der pünktlich zur Arbeit muss, der seine Kinder zur Schule bringen will, der auf einen funktionierenden Nahverkehr angewiesen ist.
Berlin und Brandenburg: Totalausfall als neue Normalität
In der Hauptstadt stellte die BVG ihren Betrieb ab den frühen Morgenstunden für volle 24 Stunden nahezu vollständig ein. Busse, U-Bahnen, Straßenbahnen – alles stand still. Lediglich einige wenige Buslinien und Fähren verkehrten noch, ein Tropfen auf den heißen Stein für eine Millionenmetropole. Die S-Bahn, die nicht vom Streik betroffen war, konnte den Ansturm kaum bewältigen.
Auch in Brandenburg traf es die Bürger hart. Potsdam, Frankfurt an der Oder, Cottbus – überall das gleiche Bild: leere Haltestellen, ratlose Fahrgäste, Chaos auf den Straßen. In einigen Regionen versuchten Subunternehmer, wenigstens ein Minimalangebot aufrechtzuerhalten. Ein Armutszeugnis für ein Land, das sich gerne als führende Industrienation präsentiert.
Nordrhein-Westfalen: Flächendeckendes Versagen
Im bevölkerungsreichsten Bundesland traf der Warnstreik nahezu alle großen Städte mit voller Wucht. Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Bochum, Bonn, Münster – überall blieben U-Bahnen, Straßenbahnen und die meisten Busse in den Depots. Das NRW-Schulministerium betonte zwar pflichtbewusst, dass trotz der Streiks weiterhin Schulpflicht bestehe. Eine Aussage, die angesichts der Realität geradezu zynisch anmutet. Wie sollen Schüler zur Schule kommen, wenn kein Bus fährt?
Bayern und Baden-Württemberg: Auch der Süden bleibt nicht verschont
In München blieben U-Bahnen, Trambahnen und der Großteil der Busse der MVG in den Depots. Nürnberg bot lediglich einen stark ausgedünnten Notfahrplan mit stündlichen Busverbindungen ab dem Hauptbahnhof an. In Augsburg rechneten die Stadtwerke mit einem weitgehenden Stillstand. Regensburg meldete, dass „weitgehend alle Fahrten" der Stadtbusse entfallen – betroffen waren auch Schul- und Campuslinien.
In Baden-Württemberg fielen in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Heilbronn, Esslingen und Konstanz Busse sowie Stadt- und Straßenbahnen weitgehend aus. Das bayerische Kultusministerium teilte lapidar mit, dass regulärer Unterricht stattfinde. Schüler, die wegen ausgefallener Verkehrsmittel nicht zur Schule kommen könnten, dürften dem Präsenzunterricht fernbleiben – müssten dies jedoch melden. Eine bürokratische Antwort auf ein praktisches Problem.
Der Norden: Hamburg und Bremen im Ausnahmezustand
In Hamburg konnten Hochbahn und Verkehrsbetriebe den Betrieb von U-Bahnen und Bussen ab den frühen Morgenstunden nicht aufnehmen. In Bremen fiel der gesamte Betrieb der BSAG aus – Busse und Straßenbahnen verkehrten überhaupt nicht. Einzig Niedersachsen blieb zunächst verschont, dort gilt noch die Friedenspflicht.
Ein Vorgeschmack auf kommende Zeiten
Der Warnstreik war auf einen Tag begrenzt. Doch ver.di schließt weitere Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus, sollte es in den Tarifverhandlungen zu keiner Annäherung kommen. Für die Fahrgäste war dieser Montag ein deutlicher Vorgeschmack darauf, wie fragil der Nahverkehr in vielen Regionen inzwischen geworden ist.
Man muss sich fragen: Ist dies das Deutschland, das wir uns wünschen? Ein Land, in dem Gewerkschaften die kritische Infrastruktur nach Belieben lahmlegen können, während die Politik tatenlos zusieht? Ein Land, in dem der arbeitende Bürger das Wegerisiko trägt, während andere streiken? Die Antwort liegt auf der Hand – und sie sollte jeden nachdenklich stimmen, der noch an die Zukunftsfähigkeit dieses Landes glaubt.
„Wer seine Mobilität mit ÖPNV und DB organisiert, hat die Kontrolle über sein Leben verloren" – so kommentierte ein Bürger treffend die Situation.
Es ist höchste Zeit, dass die Politik endlich Verantwortung übernimmt und die Rahmenbedingungen schafft, die einen zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr ermöglichen. Doch solange ideologische Projekte Vorrang vor funktionierender Infrastruktur haben, werden solche Streiktage zur traurigen Normalität in diesem Land.












