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Kettner Edelmetalle
22.03.2026
15:04 Uhr

Akademisierungswahn außer Kontrolle: Fast jeder zweite Schüler soll aufs Gymnasium – und scheitert krachend

Was einst als Königsweg für die geistige Elite eines Landes galt, verkommt zusehends zur Massenabfertigung mit Bildungsetikette: das deutsche Gymnasium. Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat anlässlich der bevorstehenden Übertrittszeugnisse für Viertklässler scharfe Kritik an der inflationären Vergabe von Gymnasialempfehlungen geübt. Sein vernichtendes Urteil könnte kaum deutlicher ausfallen.

„Die Gymnasien sind die neuen Hauptschulen"

Mit diesen Worten bringt Kraus auf den Punkt, was viele Lehrer, Eltern und Bildungsexperten seit Jahren hinter vorgehaltener Hand flüstern, aber kaum jemand öffentlich auszusprechen wagt. Dem aktuellen Bildungsbericht zufolge wechselten mittlerweile 45 Prozent aller Schüler in Deutschland aufs Gymnasium. Eine Zahl, die noch vor wenigen Jahrzehnten als absurd gegolten hätte. Denn die unbequeme Wahrheit lautet: Nicht annähernd so viele Kinder bringen die intellektuellen Voraussetzungen für eine gymnasiale Laufbahn mit.

Kraus macht für diese Entwicklung einen grassierenden „Akademisierungswahn" verantwortlich, der von ehrgeizigen Eltern befeuert und von einer willfährigen Politik bereitwillig mitgetragen werde. Das Motto laute: „Mein Kind hat ohne Abi und Studium keine Chance." Eine fatale Fehleinschätzung, die ganze Generationen in die falsche Richtung lenkt – und dabei das einst bewährte duale Ausbildungssystem, um das uns die halbe Welt beneidete, systematisch entwertet.

Gefälligkeitspolitik statt Leistungsprinzip

Besonders scharf geht der langjährige Bildungsexperte mit der Politik ins Gericht. Diese trage den Wahn „gefälligkeitspolitisch" mit und habe bundesweit die Anforderungen für eine Gymnasialempfehlung in den Übertrittszeugnissen der Viertklässler gelockert. Nur in Bayern existiere noch ein verbindlicher Notenmindestdurchschnitt als Zugangshürde. In allen anderen Bundesländern sei der Weg zum Gymnasium faktisch für nahezu jeden geebnet worden – unabhängig von tatsächlicher Eignung und Begabung.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Land, das bei internationalen Bildungsvergleichen wie der PISA-Studie seit Jahren bestenfalls im Mittelfeld dümpelt, öffnet die Schleusen seiner anspruchsvollsten Schulform immer weiter. Das ist keine Bildungspolitik – das ist organisierte Selbsttäuschung.

Die Kinder sind die Leidtragenden

Kraus nimmt dabei ausdrücklich die Kinder in Schutz. Viertklässler seien schlicht überfordert, selbst über ihren weiteren Bildungsweg zu entscheiden. Auch die in manchen Bundesländern praktizierte Verschiebung der Entscheidung in die sechste Klasse löse das Problem nicht. „Nach der sechsten Klasse zum Beispiel wird es nicht leichter mit der Einschätzung", so der ehemalige Lehrer. Was bleibt, sind überforderte Kinder in einer Schulform, die nicht zu ihnen passt, frustrierte Lehrer, die das Niveau permanent nach unten anpassen müssen, und ein Bildungssystem, das seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird.

Berlin als mahnendes Beispiel

Wie dramatisch die Kluft zwischen Empfehlung und Realität klafft, zeigt ein Blick in die Bundeshauptstadt. In Berlin bestanden in diesem Jahr gerade einmal 15 von 1.223 Grundschülern den gymnasialen Probeunterricht – eine erschütternde Quote von lediglich 1,2 Prozent. Noch im Vorjahr lag dieser Anteil bei immerhin 2,6 Prozent. Die Tendenz ist also nicht nur schlecht, sie verschlechtert sich rapide. Berlin, jene Stadt, die sich so gerne als weltoffene Metropole inszeniert, produziert offenbar reihenweise Gymnasialempfehlungen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden.

Diese Zahlen sind mehr als nur eine statistische Randnotiz. Sie sind ein Offenbarungseid eines Bildungssystems, das Quantität über Qualität stellt und dabei die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Nation aufs Spiel setzt. Während asiatische Länder in den PISA-Rankings von Spitzenplatz zu Spitzenplatz eilen, leistet sich Deutschland den Luxus, seine Bildungsstandards im Namen einer falsch verstandenen Chancengleichheit systematisch zu schleifen.

Die vergessene Stärke: Das duale Ausbildungssystem

Was bei der gesamten Debatte sträflich unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass Deutschland über Jahrzehnte hinweg gerade nicht durch eine möglichst hohe Akademikerquote erfolgreich war. Es war das duale Ausbildungssystem – die Kombination aus betrieblicher Praxis und schulischer Theorie –, das den deutschen Mittelstand zur Weltspitze führte. Meister, Techniker, Facharbeiter: Sie waren und sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Doch wer heute eine Lehre beginnt, wird nicht selten schief angeschaut, als hätte er im Leben versagt.

Kraus appelliert daher an die Eltern, den Blick zu weiten: „Sie müssen den Eltern vor Augen führen, was es da an tollen Möglichkeiten gibt und dass der Nichtzugang zum Gymnasium keine Katastrophe ist. Im Gegenteil." Worte, die in einer Gesellschaft, die den akademischen Titel zum Fetisch erhoben hat, geradezu revolutionär klingen.

Ein Symptom tiefgreifender Fehlsteuerung

Die inflationäre Vergabe von Gymnasialempfehlungen ist letztlich nur ein Symptom einer viel tiefgreifenderen Fehlsteuerung in der deutschen Bildungs- und Gesellschaftspolitik. Jahrzehntelang haben wechselnde Regierungen – allen voran unter sozialdemokratischer und grüner Federführung – das Leistungsprinzip an Schulen und Universitäten ausgehöhlt. Noten wurden aufgebläht, Anforderungen gesenkt, Abschlüsse entwertet. Das Ergebnis ist eine Generation, die zwar massenhaft Zeugnisse vorweisen kann, aber erschreckend oft an den grundlegendsten Anforderungen des Berufslebens scheitert.

Professoren beklagen seit Jahren, dass ein erheblicher Teil der Studienanfänger nicht einmal in der Lage sei, einen fehlerfreien deutschen Satz zu formulieren. Die Noteninflation an Hochschulen, wo in manchen Fächern fast ausschließlich Bestnoten vergeben werden, tut ihr Übriges, um den letzten Rest an Aussagekraft akademischer Abschlüsse zu pulverisieren.

Deutschland braucht keine weitere Aufweichung seiner Bildungsstandards. Es braucht eine ehrliche Bestandsaufnahme, den Mut zur Differenzierung und die Rückbesinnung auf ein Prinzip, das dieses Land einst groß gemacht hat: Leistung muss sich wieder lohnen – und zwar auf jedem Bildungsweg, ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Alles andere ist Selbstbetrug auf Kosten unserer Kinder und der Zukunft dieses Landes.

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