
Aleppo unter Waffenruhe: Syrische Übergangsregierung zwingt kurdische Kämpfer zum Abzug

Die syrische Übergangsregierung hat nach tagelangen blutigen Gefechten in Aleppo eine Waffenruhe verkündet. Was auf den ersten Blick wie ein diplomatischer Erfolg erscheint, offenbart bei genauerem Hinsehen die tiefen Risse, die das Land nach wie vor durchziehen. Mindestens 21 Menschen mussten ihr Leben lassen, bevor die Waffen schwiegen. Rund 16.000 Zivilisten flohen aus ihren Häusern – aus einer Stadt, die einst als blühendes Handelszentrum galt und heute nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.
Ultimatum für die Kurden: Abzug oder Eskalation
Die Waffenruhe, die in der Nacht zum Freitag um 03:00 Uhr Ortszeit in Kraft trat, gilt für die Stadtviertel Scheich Maksud, Aschrafijeh und Bani Seid. Doch von einem echten Friedensschluss kann keine Rede sein. Den kurdischen Kämpfern wurde ein knallhartes Ultimatum gestellt: Bis 09:00 Uhr morgens hatten sie Zeit, die betroffenen Gebiete zu räumen. Mit Bussen organisierte das Militär aus Damaskus den Abtransport – eine demütigende Prozedur für jene, die jahrelang gegen den IS gekämpft hatten.
Die kurdischen Einheiten durften lediglich ihre „leichten Waffen" mitnehmen und wurden in den Nordosten Syriens verbracht. Ein erzwungener Exodus, der die ohnehin fragile Machtbalance in der Region weiter erschüttert. Die Kurden selbst äußerten sich zunächst nicht zu der Vereinbarung – ein beredtes Schweigen, das mehr sagt als tausend Worte.
Internationale Reaktionen: Lob aus Washington und Brüssel
Während die Zivilbevölkerung in Aleppo die Trümmer ihrer Existenz zusammenkehrt, überschlagen sich die internationalen Akteure mit Beifallsbekundungen. Der US-Gesandte für Syrien, Tom Barrack, dankte allen Beteiligten für ihre „Zurückhaltung und den guten Willen". Eine bemerkenswert euphemistische Formulierung angesichts der Tatsache, dass erst 21 Tote und tausende Vertriebene nötig waren, um diese „Zurückhaltung" zu erreichen.
Die Europäische Union, stets bemüht um diplomatische Ausgewogenheit, rief alle Konfliktparteien zur Mäßigung auf. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa nutzten die Gelegenheit für einen Besuch in Damaskus – den ersten seit dem Sturz Assads im Jahr 2024. Man wolle die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen, hieß es. Ob dabei auch die Rechte der kurdischen Minderheit zur Sprache kamen, darf bezweifelt werden.
Ein Konflikt mit vielen Vätern
Die Wurzeln der aktuellen Eskalation reichen tief. Ein im März 2023 geschlossenes Abkommen zwischen der syrischen Regierung und den Kurden sollte eigentlich eine schrittweise Integration der kurdischen Institutionen in die Zentralregierung bis 2025 ermöglichen. Doch diese Vereinbarungen blieben Makulatur. Die Kurden bestehen auf einer dezentralen Verwaltung ihrer Gebiete – ein Ansinnen, das Damaskus kategorisch ablehnt.
Die geopolitische Dimension macht die Lage noch komplizierter. Die Türkei betrachtet die kurdischen Milizen als terroristische Organisationen und führt regelmäßig militärische Operationen gegen sie durch. Israel wiederum verurteilt den Einsatz der syrischen Armee gegen die Kurden. Ein Pulverfass, bei dem jeder Funke eine Explosion auslösen könnte.
Experten warnen vor Flächenbrand
Aron Lund vom Forschungszentrum Century International brachte es auf den Punkt: Eine Ausweitung des Konflikts auf den gesamten Norden Syriens, möglicherweise unter Beteiligung der Türkei und Israels, wäre „zerstörerisch für Syriens Stabilität". Eine Stabilität, die ohnehin nur auf dem Papier existiert.
Die Waffenruhe in Aleppo mag vorerst halten. Doch sie ist bestenfalls ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde. Solange die grundlegenden Fragen der kurdischen Autonomie und der Machtverteilung in Syrien ungelöst bleiben, wird der nächste Gewaltausbruch nur eine Frage der Zeit sein. Die Menschen in Aleppo wissen das. Sie haben es schon zu oft erlebt.
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