
Brückenstreit zwischen Washington und Ottawa: Trump droht mit Blockade eines Milliardenprojekts
Es ist ein diplomatisches Schauspiel, wie es nur Donald Trump inszenieren kann. Der US-Präsident droht, die Eröffnung einer 4,7 Milliarden Dollar teuren Brücke zwischen Detroit und dem kanadischen Windsor zu blockieren – einer Brücke, die Kanada finanziert hat, weil die Vereinigten Staaten sich schlicht weigerten, dafür zu bezahlen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Washington will ein Infrastrukturprojekt verhindern, das es selbst nicht finanzieren wollte.
Carney gibt sich diplomatisch – Trump schießt aus allen Rohren
Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte am Dienstag nach einem Telefonat mit Trump, die Angelegenheit werde „geklärt werden". Details nannte er wohlweislich nicht. Carney betonte, er habe dem US-Präsidenten die Eigentumsverhältnisse erläutert: Kanada habe zwar die Baukosten von über vier Milliarden Dollar getragen, das Eigentum an der Gordie Howe International Bridge werde jedoch zwischen dem Bundesstaat Michigan und der kanadischen Regierung geteilt. Trump hatte zuvor fälschlicherweise behauptet, die Brücke würde ausschließlich Kanada gehören.
Das Weiße Haus schwieg zunächst zu Carneys Darstellung. Ein vielsagendes Schweigen, möchte man meinen.
Trumps Beschwerdekatalog wird immer länger
Die Brücke ist dabei nur ein Baustein in Trumps eskalierendem Handelskonflikt mit dem nördlichen Nachbarn. Der Präsident führte gleich eine ganze Litanei an Beschwerden ins Feld: Kanadas Weigerung, bestimmte amerikanische Alkoholika in kanadischen Geschäften anzubieten, die kanadischen Zölle auf Milchprodukte und – besonders pikant – Ottawas Handelsgespräche mit China. Für Trump, der bekanntlich massive Zollerhöhungen als sein liebstes außenpolitisches Instrument betrachtet, sind dies offenbar allesamt unverzeihliche Vergehen.
Dabei vergisst man in Washington offenbar gerne die Vorgeschichte. Bereits 2012 hatte Michigans damaliger Gouverneur Rick Snyder das kanadische Angebot zur Finanzierung der Brücke angenommen und dabei sogar den ungewöhnlichen Schritt unternommen, per Exekutivgewalt das Parlament zu umgehen. Der Baubeginn erfolgte 2018. Die Kosten sollen über einen Zeitraum von 30 Jahren durch Mauteinnahmen refinanziert werden.
Michigan schlägt Alarm
Die Drohung Trumps löste in Michigan verständlicherweise erhebliche Unruhe aus. Die Detroit Regional Chamber, eine einflussreiche Wirtschaftsvereinigung, bezeichnete die Brücke als das bedeutendste Infrastrukturprojekt einer ganzen Generation für die Region und den Bundesstaat. Jeder Versuch, das Projekt zu blockieren, hätte „enorme Konsequenzen für die Region, den Staat und das ganze Land", warnte die Organisation unmissverständlich.
Auch das US-Heimatschutzministerium hatte die Brücke erst am 30. Januar offiziell als Grenzübergang anerkannt und dabei hervorgehoben, dass das Bauwerk jährlich 12,7 Millionen Dollar an Reisekosten einsparen würde – durch weniger Staus, kürzere Fahrzeiten und einen flüssigeren Verkehr.
Symbolpolitik auf dem Rücken der Wirtschaft
Was hier geschieht, ist ein Lehrstück in Sachen Symbolpolitik. Trump nutzt ein fertiges, dringend benötigtes Infrastrukturprojekt als Druckmittel in einem Handelsstreit, der weit über eine einzelne Brücke hinausgeht. Die Leidtragenden wären nicht etwa kanadische Politiker, sondern amerikanische und kanadische Pendler, Spediteure und Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze.
Man mag von Trumps harter Handelspolitik halten, was man will – und tatsächlich ist sein Ansatz, nationale Interessen konsequent durchzusetzen, in vielen Bereichen durchaus nachvollziehbar. Doch wenn ein Präsident ein Projekt torpediert, das sein eigenes Land nicht finanzieren wollte und das nachweislich der eigenen Wirtschaft nutzt, dann stellt sich die Frage, ob hier noch strategisches Kalkül am Werk ist oder bloße Machtdemonstration um ihrer selbst willen.
Die Parallelen zur europäischen Politik sind dabei frappierend. Auch in Deutschland erleben wir seit Jahren, wie dringend notwendige Infrastrukturprojekte durch politische Grabenkämpfe verzögert oder verhindert werden. Ob Stuttgart 21, der Berliner Flughafen oder marode Autobahnbrücken – die westliche Welt scheint zunehmend unfähig, große Bauvorhaben ohne ideologische Schlammschlachten zu realisieren. Dass die neue Große Koalition unter Friedrich Merz nun ein 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur aufgelegt hat, klingt zwar ambitioniert, dürfte aber vor allem die Schuldenlast künftiger Generationen weiter in die Höhe treiben.
Bleibt zu hoffen, dass Carney und Trump tatsächlich eine Lösung finden. Denn eines steht fest: Die Brücke wird gebraucht – auf beiden Seiten der Grenze.

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