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Kettner Edelmetalle
08.01.2026
22:00 Uhr

Chinas Chip-Experte warnt vor amerikanischer Hinhaltetaktik bei KI-Prozessoren

Der technologische Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und China erreicht eine neue Dimension. Ein hochrangiger chinesischer Halbleiter-Experte hat nun eindringlich vor dem Kauf amerikanischer Hochleistungschips gewarnt – und stellt damit die vermeintliche Entspannung im Handelskonflikt grundlegend in Frage.

Misstrauen gegenüber Washingtons Schachzügen

Wei Shaojun, Vizepräsident der China Semiconductor Industry Association und Professor an den renommierten Universitäten Tsinghua und Peking, hat chinesische Unternehmen zur äußersten Vorsicht beim Erwerb von Nvidias H200-Chips für künstliche Intelligenz aufgerufen. Seine Begründung ist so simpel wie einleuchtend: Warum sollte Washington plötzlich den Zugang zu hochmodernen Prozessoren gewähren, nachdem man jahrelang alles daran gesetzt hat, China technologisch auszubremsen?

„Die inkonsistente Haltung der USA bei fortschrittlichen Chips – der ständige Wechsel zwischen begrenzter Lockerung und erneutem Druck – lässt die Nutzer im Unklaren über die wahren strategischen Absichten."

Diese Einschätzung des Experten wirft ein bezeichnendes Licht auf die amerikanische Handelspolitik unter Präsident Donald Trump. Dessen Entscheidung, den Verkauf der H200-Chips nach China zu genehmigen, hatte zunächst für Optimismus gesorgt. Nvidia-Chef Jensen Huang sprach bereits von einer „starken Nachfrage" in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Selbstständigkeit als oberste Maxime

Wei räumt zwar ein, dass der Import fortschrittlicher Rechenprodukte kurzfristig Engpässe in Bereichen wie wissenschaftlicher Forschung, Gesundheitswesen und Smart Cities beheben könnte. Doch seine Kernbotschaft bleibt unmissverständlich: Chinas Entschlossenheit zur eigenständigen Innovation dürfe nicht ins Wanken geraten.

Die Warnung des Halbleiter-Experten offenbart das tiefe Misstrauen, das sich über Jahre amerikanischer Sanktionspolitik aufgebaut hat. Während Nvidias Finanzchefin Colette Kress bestätigte, dass das Unternehmen Lizenzen für den Verkauf der H200-Chips nach China beantragt habe, warten alle Beteiligten noch auf die endgültigen Genehmigungen verschiedener Regierungen.

Ein Lehrstück für Europa

Was sich hier zwischen den beiden Supermächten abspielt, sollte auch europäischen Beobachtern zu denken geben. Die Abhängigkeit von ausländischen Technologielieferanten – sei es aus den USA oder China – birgt erhebliche strategische Risiken. Deutschland und Europa täten gut daran, aus diesem Konflikt die richtigen Schlüsse zu ziehen und eigene technologische Kapazitäten aufzubauen, anstatt sich zwischen den Fronten zerreiben zu lassen.

Der chinesische Ansatz, trotz kurzfristiger Vorteile auf langfristige Unabhängigkeit zu setzen, mag unbequem erscheinen. Doch in einer Welt, in der Technologie zunehmend als geopolitische Waffe eingesetzt wird, könnte sich diese Strategie als weitsichtig erweisen. Die Frage bleibt: Hat Europa den Mut, ähnlich konsequent zu handeln?

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