
Dänischer König eilt nach Grönland – ein royaler Schachzug gegen Trumps Expansionsgelüste
Während Donald Trump weiterhin unverhohlen seinen Anspruch auf Grönland erhebt, setzt das dänische Königshaus ein unmissverständliches Zeichen: König Frederik X. landete am Mittwoch in Nuuk und demonstrierte damit zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres die enge Verbundenheit Dänemarks mit seiner arktischen Provinz. Ein Besuch, der weit mehr ist als royale Routine – er ist eine diplomatische Kampfansage.
Umarmungen auf dem Rollfeld statt Verhandlungen im Hinterzimmer
Die Bilder, die aus Nuuk um die Welt gingen, hätten symbolträchtiger kaum sein können. König Frederik, gekleidet in eine schwarze Daunenjacke mit dänischer und grönländischer Flagge auf der Brust, umarmte den grönländischen Premierminister Jens-Frederik Nielsen sowie den Parlamentspräsidenten Kim Kielsen direkt auf dem Rollfeld. Körpersprache als Staatskunst – eine Botschaft, die auch in Washington angekommen sein dürfte.
Der königliche Besuchsplan liest sich wie ein sorgfältig choreographiertes Programm der Souveränitätsbekundung: Zunächst eine Schule in Nuuk, dann das Hauptquartier des dänischen Joint Arctic Command – also jener militärischen Einheit, die Dänemarks Präsenz in der Arktis sicherstellt. Anschließend ein Besuch bei Royal Greenland, dem größten Unternehmen der Insel und einem der bedeutendsten Fischereiproduzenten weltweit. Wirtschaft, Bildung, Verteidigung – alle Säulen grönländischer Eigenständigkeit unter dänischer Krone wurden bedient.
Trumps Grönland-Obsession: Mehr als nur Rhetorik
Man könnte Trumps wiederholte Äußerungen über einen möglichen Erwerb Grönlands als die Marotte eines exzentrischen Staatsoberhaupts abtun. Doch wer das tut, verkennt die geopolitische Brisanz. Die Arktis ist längst zum Schauplatz eines neuen Großmachtwettbewerbs geworden. Seltene Erden, strategische Seewege, militärische Vorposten – Grönland ist ein Schatz, dessen Wert mit dem Klimawandel paradoxerweise noch steigt.
Erst Ende Januar hatten Grönland, Dänemark und die USA diplomatische Gespräche aufgenommen, um die schwelende Krise innerhalb der NATO-Allianz zu entschärfen. Dänemarks Premierministerin bezeichnete das Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio zwar als „konstruktiv", warnte jedoch im selben Atemzug, dass sich an Trumps Begehrlichkeiten nichts geändert habe. Eine bemerkenswert nüchterne Einschätzung, die zeigt, wie ernst Kopenhagen die Lage nimmt.
Royale Tradition als politisches Instrument
Die dänische Königsfamilie pflegt seit Jahrzehnten eine enge Beziehung zu Grönland. Regelmäßige Besuche, bei denen die Royals traditionell in grönländischer Nationaltracht erscheinen – weiße Anoraks für Männer, aufwendig mit Perlen bestickte Kragen in leuchtenden Farben für Frauen, dazu Stiefel aus Robbenfell –, sind fester Bestandteil des monarchischen Kalenders. König Frederik selbst verbrachte einst vier Monate auf dem grönländischen Eisschild, eine Expedition, die ihm auf der Insel bis heute Respekt einbringt.
Doch dieser Besuch ist anders. Er findet in einem Moment statt, in dem die transatlantischen Beziehungen auf eine harte Probe gestellt werden. Trumps aggressive Außenpolitik – von den massiven Zollerhöhungen auf EU-Importe bis hin zu seinen territorialen Ambitionen – zwingt europäische Nationen dazu, ihre Souveränität mit Nachdruck zu verteidigen. Dass ausgerechnet ein konstitutioneller Monarch diese Aufgabe übernimmt, sagt viel über den Ernst der Lage aus.
Europa muss zusammenstehen
Am Donnerstag wird König Frederik die Küstenstadt Maniitsoq besuchen, rund 140 Kilometer nördlich von Nuuk. Am Freitag steht das arktische Basistraining in Kangerlussuaq auf dem Programm – ein weiteres Signal militärischer Entschlossenheit. Die Botschaft ist klar: Grönland ist nicht käuflich.
Für Europa sollte dieser Vorgang ein Weckruf sein. In einer Zeit, in der selbst vermeintliche Verbündete territoriale Ansprüche erheben, braucht der alte Kontinent mehr denn je Geschlossenheit und Selbstbewusstsein. Die Frage ist nur, ob die europäischen Regierungen – allen voran die deutsche – den Mut aufbringen, diese Geschlossenheit auch jenseits symbolischer Gesten zu leben. Angesichts der bisherigen Bilanz darf man skeptisch sein.

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