
David gegen Goliath an der Wall Street: GameStop greift nach eBay

Ein Schauspiel, wie es selbst die abgebrühte Wall Street selten erlebt hat: Der einstige Spielzeugladen der Generation PlayStation, GameStop, soll nach einem Bericht des renommierten "Wall Street Journal" allen Ernstes ein Übernahmeangebot für die Online-Handelsplattform eBay vorbereiten. Ein Zwerg, der sich anschickt, einen Riesen zu verschlingen. Wer dachte, der berüchtigte Meme-Stock-Wahnsinn von 2021 sei abgeklungen, dürfte sich gerade verwundert die Augen reiben.
Wenn der Floh den Elefanten reiten will
Die Dimensionen des geplanten Coups sind bemerkenswert: eBay bringt rund 46 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage, GameStop kommt auf magere zwölf Milliarden. Mit anderen Worten: Der Kaufinteressent ist nicht einmal ein Viertel so groß wie das Übernahmeziel. Solche Konstellationen seien an den Aktienmärkten eine echte Rarität, heißt es. Trotzdem schoss die eBay-Aktie im nachbörslichen Handel um rund 14 Prozent in die Höhe, auch GameStop legte rund vier Prozent zu. Spekulationsfantasie pur.
Ryan Cohen, der streitbare Chef von GameStop und größte Einzelaktionär, soll nach Informationen des "Wall Street Journal" still und leise bereits eine Beteiligung an eBay zusammengekauft haben. Sollte sich das Management der Plattform sperren, könnte Cohen einen feindlichen Vorstoß wagen und sich direkt an die Aktionäre wenden. Die Einzelheiten des möglichen Angebots, das noch in diesem Monat auf den Tisch kommen könnte, sind bislang nicht öffentlich.
Vom Reddit-Liebling zum Konzernschmied?
Cohen, im Januar 2021 in den Verwaltungsrat eingerückt und seit September 2023 Vorstandschef, hat GameStop mit der Brechstange durch eine harte Sanierung geprügelt. Filialschließungen, knallharte Kostendisziplin – und siehe da, der Konzern schreibt wieder schwarze Zahlen. Doch das Geschäftsmodell des stationären Videospielehändlers bröckelt weiter dahin wie eine alte Kassettenhülle. Im Weihnachtsquartal sackte der Umsatz um satte 14 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar ab. Die Kunden kaufen ihre Spiele längst digital – ein Trend, gegen den auch ein Cohen kaum anrennen kann.
eBay hingegen segelt erstaunlich souverän durch die Konjunkturflaute. Die Aktie legte allein in diesem Jahr um über 19 Prozent zu, am Mittwoch übertraf die Plattform mit ihrer Umsatzprognose für das zweite Quartal die Erwartungen der Wall Street. Was Cohen bewegt, ausgerechnet einen Wachstumswert in seinen schrumpfenden Ladenkette-Konzern eingliedern zu wollen, bleibt vorerst sein Geheimnis. Möglicherweise sieht er in eBay schlicht eine Geldmaschine, deren Cashflow den Untergang seines Kerngeschäfts kompensieren könnte.
Der ewige Charme des Gambling
Wer die Geschichte von GameStop verfolgt, weiß: Hier ist nichts unmöglich. 2021 sorgten Kleinanleger über das Reddit-Forum "WallStreetBets" für eine spektakuläre Kursrallye, die Hedgefonds in die Knie zwang. Cohen wurde zum Helden einer ganzen Generation von Privatinvestoren. Ein Kult, der sich bis heute hält. Eine Übernahme von eBay würde diesen Mythos auf eine neue Stufe heben – oder krachend platzen lassen.
Auffällig ist, wie lautlos sich die Akteure bislang verhalten. Stellungnahmen von GameStop, eBay oder Cohen selbst lagen zunächst nicht vor. Schweigen, das an den Finanzmärkten oft beredter ist als jede Pressemitteilung. Anleger sollten gewarnt sein: Bei solchen Fantasie-Geschichten kann die Euphorie binnen Stunden in Ernüchterung umschlagen. Wer sich erinnert, wie schnell GameStop-Aktionäre in der Vergangenheit auf einer Achterbahn der Gefühle saßen, weiß, dass hier mehr Spekulation als Substanz mitschwingt.
Eine Lehre für Anleger: Substanz statt Sensation
Wieder einmal zeigt sich, wie volatil und stimmungsgetrieben die Aktienmärkte mittlerweile sind. Ein einziger Pressebericht reicht aus, um Milliardenwerte zu verschieben. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, sollte sich von solchen Spektakeln nicht blenden lassen. Wirkliche Stabilität bieten Sachwerte, die seit Jahrtausenden ihren Wert behalten – physisches Gold und Silber gehören zweifellos dazu. Sie kennen weder Vorstandsfantasien noch Übernahmewahnsinn, sondern stehen für reale, greifbare Werte abseits des täglichen Börsenrauschens. Eine kluge Beimischung von Edelmetallen in ein breit gestreutes Portfolio bleibt deshalb gerade in turbulenten Zeiten ein bewährter Anker.
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