
Diplomatischer Eklat: Israels Außenminister attackiert deutschen Botschafter mit beispielloser Schärfe

Was sich am vergangenen Wochenende zwischen Jerusalem und Berlin abspielte, hat das Zeug zum handfesten diplomatischen Skandal. Israels Außenminister Gideon Sa'ar griff den deutschen Botschafter Steffen Seibert auf der Plattform X mit einer Wortwahl an, die selbst in den rauesten diplomatischen Gewässern ihresgleichen sucht: Seibert leide an einer „Obsession mit Juden, die in Judäa und Samaria leben". Ein Vorwurf, der es in sich hat – und der tiefe Risse im deutsch-israelischen Verhältnis offenlegt.
Der Auslöser: Ein Tweet, der das Fass zum Überlaufen brachte
Doch was hatte Seibert getan, um den Zorn des israelischen Chefdiplomaten derart auf sich zu ziehen? Der deutsche Botschafter hatte sich in einem Beitrag auf X empört darüber gezeigt, dass ein Israeli im Krieg gegen die Hisbollah in Nordisrael ums Leben gekommen war und iranisches Raketenfeuer hunderte Zivilisten in Zentral- und Südisrael verletzt hatte. Soweit, so nachvollziehbar. Doch im selben Atemzug – und hier liegt der Kern des Konflikts – ging Seibert auch auf „gewalttätige Ausschreitungen von Siedlern in palästinensischen Dörfern" ein, die eine „parallele Realität" darstellten.
Für Sa'ar war das offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Es falle Seibert „sehr schwer, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne zugleich die Palästinenser zu erwähnen", kritisierte der israelische Außenminister. Und setzte süffisant hinzu: „Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter herkommt – einer, der die israelisch-deutschen Beziehungen stärken wird."
Ein Merkel-Erbe auf verlorenem Posten
Man muss kein Nahostexperte sein, um zu erkennen, dass hier ein grundsätzliches Problem zutage tritt. Steffen Seibert, einst treuer Regierungssprecher Angela Merkels, übernahm den Botschafterposten in Tel Aviv 2022 – nachdem seine Chefin die politische Bühne verlassen hatte. Ein klassischer Versorgungsposten, möchte man meinen. Und tatsächlich scheint Seibert die typisch deutsche Neigung mitgebracht zu haben, allen Seiten gleichzeitig gerecht werden zu wollen – eine Haltung, die in einem derart aufgeladenen Konfliktgebiet unweigerlich zwischen alle Stühle führt.
Dabei hatte sich Seibert durchaus Mühe gegeben. Er lernte Hebräisch, sprach in vorbereiteten Videos die Landessprache und zeigte echtes Interesse an Land und Leuten. Doch genau hier offenbart sich das Dilemma deutscher Nahostpolitik: Sprachkenntnisse ersetzen kein Grundverständnis für die existenzielle Bedrohungslage, in der sich Israel befindet. Ein Land, umgeben von Todfeinden, die seine Auslöschung zum erklärten Ziel haben, reagiert verständlicherweise allergisch auf moralische Belehrungen – zumal wenn sie von Deutschen kommen.
Bereits 2023 sorgte Seibert für Verstimmung
Es war nicht das erste Mal, dass der Botschafter in Jerusalem für Irritationen sorgte. Bereits 2023 hatte die israelische Regierung offiziell gegen ihn protestiert, weil er als Zuschauer an einer Sitzung des Obersten Gerichts teilgenommen hatte, in der die umstrittene Justizreform der Netanjahu-Regierung verhandelt wurde. Was Seibert vermutlich als Zeichen demokratischer Solidarität verstand, wurde in Israel als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten gewertet. Ein diplomatischer Fauxpas, der Bände spricht.
Das israelische Außenministerium legt nach
Seibert versuchte noch am Sonntag, die Wogen zu glätten. Er verwies darauf, dass er die iranischen Angriffe auf israelische Zivilisten verurteilt habe. „Deutschland ist hier ganz klar. Wir stehen in dem Krieg an der Seite Israels", betonte er. Doch auch in seiner Verteidigung konnte er es nicht lassen, im selben Atemzug darauf hinzuweisen, dass „Siedlergewalt uns sehr besorgt".
Das war dem israelischen Außenministerium zu viel. Der offizielle Account schaltete sich ein und verschärfte den Ton noch einmal erheblich: Seibert sei „kontinuierlich daran gescheitert, echtes Mitgefühl mit Israelis zu zeigen". Er habe Juden, die im Westjordanland lebten, „verunglimpft" und das Raketenfeuer auf Israelis mit „politisch kriminellen Randgruppen" in Israel gleichgesetzt. Ein vernichtendes Urteil aus dem Herzen der israelischen Diplomatie.
Lambsdorff soll es richten
Demnächst wird Seibert die Botschaft an den FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff übergeben, der derzeit als Botschafter in Moskau dient und nach Tel Aviv rotieren soll. Ob der Wechsel tatsächlich die erhoffte Verbesserung der bilateralen Beziehungen bringt, bleibt abzuwarten. Immerhin dürfte Lambsdorff als erfahrener Außenpolitiker ein feineres Gespür für die Empfindlichkeiten der Region mitbringen.
Der Vorfall wirft jedoch ein grelles Schlaglicht auf ein grundsätzliches Problem deutscher Außenpolitik. Gerade Deutschland, das aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung gegenüber Israel trägt, sollte sich hüten, in moralisierender Äquidistanz zwischen Israel und seinen Feinden zu verharren. Die Siedlungsfrage ist zweifellos komplex, und Gewalt gegen Zivilisten – gleich welcher Seite – verdient Verurteilung. Doch wer iranische Raketenangriffe auf israelische Städte und Ausschreitungen einzelner Siedler in einem einzigen Tweet zusammenwirft, der betreibt keine differenzierte Diplomatie, sondern gefährliche Verharmlosung.
Es wäre an der Zeit, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hier klare Kante zeigt. Deutschlands Solidarität mit Israel darf kein Lippenbekenntnis sein, das bei jeder Gelegenheit durch ein relativierendes „Aber" entwertet wird. Die Zeiten, in denen man es sich auf dem bequemen Stuhl der moralischen Äquidistanz gemütlich machen konnte, sind angesichts iranischer Raketen auf israelische Zivilisten endgültig vorbei.

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