
Düsseldorfer Unternehmen will acht deutsche Atomkraftwerke zurück ans Netz bringen
Was viele für politisch endgültig begraben hielten, kehrt nun als konkretes Geschäftsmodell auf die Bühne zurück: Die Avenes Europe GmbH aus Düsseldorf hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als bis zu acht stillgelegte deutsche Kernkraftwerke zu reaktivieren. Darunter befinden sich klangvolle Namen wie Brokdorf, Grohnde und Isar II – Anlagen, die einst das Rückgrat der deutschen Grundlastversorgung bildeten, bevor der ideologisch getriebene Atomausstieg sie zum Schweigen brachte.
Der deutsche Atomausstieg – ein historischer Irrweg?
Am 15. April 2023 gingen die letzten drei deutschen Kernkraftwerke vom Netz. Ein Datum, das die damalige Ampelregierung als Triumph feierte, während weite Teile der Bevölkerung fassungslos zusahen, wie funktionierende, CO₂-arme Kraftwerke inmitten einer Energiekrise abgeschaltet wurden. Was folgte, war absehbar: steigende Strompreise, wachsende Abhängigkeit von Gasimporten und eine Emissionsbilanz, die im europäischen Vergleich geradezu beschämend ausfällt.
Genau hier setzt Avenes-Firmenchef Thomas Jobsky an. Sein Unternehmen präsentiert die Reaktivierung nicht als nostalgische Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, sondern als knallhartes industriepolitisches Kalkül. Der Branchenverband KernD unterstützt das Vorhaben und spricht ausdrücklich von der „Reaktivierung von bis zu 8 Kernkraftwerken in Deutschland", die kurzfristig CO₂-neutrale und netzstabilisierende Strommengen bereitstellen sollen.
Ein neues Betreibermodell statt alter Strukturen
Besonders bemerkenswert ist der strukturelle Ansatz von Avenes. Jobsky setzt bewusst nicht auf eine Rückkehr der alten Eigentümer wie RWE, E.ON, Vattenfall oder EnBW in ihre früheren Rollen. Stattdessen schwebt ihm eine Public-Private-Partnership vor – eine Betreiberstruktur, an der sowohl der Bund als auch private Gesellschafter beteiligt wären. Betrieb, Investitionen und Haftungslogik würden damit völlig neu geordnet.
Für die bisherigen Energieversorger könnte dies sogar ein Segen sein. Jobsky argumentiert, dass bei Rückbauzeiten von über 20 Jahren und den damit verbundenen finanziellen Langzeitrisiken die Bilanzen der Konzerne erheblich entlastet werden könnten. Später, so die Vision, könnten die Versorger bei Interesse wieder als Gesellschafter einsteigen. Unterstützung signalisieren offenbar bereits internationale Branchengrößen wie Framatome und Westinghouse.
Die ernüchternde Wahrheit der Emissionszahlen
Wer noch immer glaubt, der deutsche Atomausstieg sei ein Gewinn für das Klima gewesen, sollte einen Blick auf die nackten Zahlen werfen. Laut Agora Energiewende liegt der Emissionsfaktor der deutschen Stromerzeugung im Jahresdurchschnitt 2025 bei 310 g CO₂-Äq/kWh. Frankreich hingegen, das unbeirrt auf Kernkraft setzt, kommt laut dem Übertragungsnetzbetreiber RTE auf gerade einmal 21,7 g CO₂eq/kWh. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass Deutschland hier um den Faktor 14 schlechter abschneidet als sein Nachbar.
Diese Diskrepanz ist nicht nur peinlich – sie ist ein Armutszeugnis für eine Politik, die sich jahrelang als Klimavorreiter inszenierte, während sie gleichzeitig die sauberste verfügbare Grundlasttechnologie mutwillig zerstörte. Die Grünen haben Deutschland in eine energiepolitische Sackgasse manövriert, aus der nun andere den Ausweg suchen müssen.
Massive Widerstände der alten Betreiber
Doch so überzeugend das Konzept auf dem Papier klingen mag – die Realität stellt gewaltige Hürden auf. PreussenElektra erklärt zu Isar II, der Rückbau laufe bereits und die Anlage sei „technisch nicht mehr reaktivierbar". RWE verweist pflichtschuldig auf den gesetzlich vorgeschriebenen Rückbau, und Vattenfall schließt ein Wiederhochfahren kategorisch aus. Man fragt sich unwillkürlich: Handelt es sich hier um echte technische Unmöglichkeiten – oder um die Bequemlichkeit von Konzernen, die sich längst in der subventionierten Welt der erneuerbaren Energien eingerichtet haben?
Jobsky lässt sich davon jedenfalls nicht beirren. Er setzt auf eine völlig neue Struktur, die die alten Betreiberrollen obsolet machen würde. Ob dieser Ansatz juristisch und technisch tragfähig ist, wird sich zeigen müssen. Fest steht: Die Frage, ob Deutschland seine Kernkraftwerke hätte behalten sollen, ist längst keine theoretische Debatte mehr, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit.
Politik als größter Engpass
Am Ende wird die Politik über Erfolg oder Scheitern dieses ambitionierten Vorhabens entscheiden. Und genau hier liegt das Problem. Deutschland hat bei der Atomfrage in den vergangenen zwei Jahrzehnten derart oft den Kurs gewechselt, dass kein vernünftiger Investor mehr auf Verlässlichkeit vertrauen kann. Erst der Ausstieg unter Rot-Grün, dann die Laufzeitverlängerung unter Merkel, dann die panische Kehrtwende nach Fukushima, schließlich der endgültige Ausstieg unter der Ampel – und nun möglicherweise eine Reaktivierung unter der neuen Großen Koalition?
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor einer Richtungsentscheidung. Wird sie den Mut aufbringen, den ideologischen Ballast der Vergangenheit abzuwerfen und eine pragmatische Energiepolitik zu verfolgen? Oder wird sie sich erneut dem grünen Zeitgeist beugen, der Deutschland bereits in die energiepolitische Isolation getrieben hat? Avenes hat mit seinem Vorstoß zumindest eines erreicht: Die Debatte ist zurück. Und diesmal geht es nicht um Stimmungen, sondern um Genehmigungen, Rückbaufortschritt und Kapital.
Für den deutschen Bürger, der unter explodierenden Strompreisen und einer deindustrialisierten Wirtschaft leidet, wäre eine Rückkehr zur Kernkraft mehr als nur ein energiepolitisches Signal. Es wäre ein Zeichen dafür, dass Vernunft in diesem Land noch eine Chance hat.

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