
Facharzttermine: Gesetzlich Versicherte warten inzwischen sechs Wochen – und zahlen dafür immer mehr

Die Misere im deutschen Gesundheitssystem nimmt weiter dramatische Züge an. Wer als gesetzlich Versicherter einen Facharzttermin benötigt, muss sich auf eine Geduldsprobe der besonderen Art einstellen. Neue Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums offenbaren ein erschreckendes Bild: Die durchschnittliche Wartezeit ist innerhalb weniger Jahre von 33 auf 42 Tage gestiegen. Das sind sechs Wochen, in denen Patienten mit ihren Beschwerden allein gelassen werden.
Ein System am Rande des Kollapses
Die Zahlen, die aus einer Kleinen Anfrage der Linken hervorgehen, sprechen eine deutliche Sprache. Während gesetzlich Versicherte im Jahr 2019 noch durchschnittlich 33 Tage auf einen Facharzttermin warten mussten, hat sich diese Zeit bis 2024 auf 42 Tage verlängert. Ein Anstieg von fast 30 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren. Und dabei handelt es sich wohlgemerkt um Durchschnittswerte – wer einen Termin beim Neurologen oder Rheumatologen benötigt, wartet nicht selten noch deutlich länger.
Besonders pikant: Die Politik hat längst versucht, gegenzusteuern. Bestimmte Ärzte sind verpflichtet, mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung anzubieten. Dafür erhalten sie eine sogenannte extrabudgetäre Vergütung – also zusätzliches Geld, das nicht aus dem regulären Budget stammt.
Explodierende Kosten bei sinkender Leistung
Die Ausgaben für diese offenen Sprechstunden sind regelrecht explodiert. Im Jahr 2020 beliefen sie sich noch auf rund 291 Millionen Euro. Zwei Jahre später waren es bereits 547 Millionen Euro, und 2023 kletterte die Summe auf stolze 814 Millionen Euro. Eine Verdreifachung innerhalb von nur drei Jahren – und das bei gleichzeitig steigenden Wartezeiten. Ein Paradoxon, das den Beitragszahlern kaum noch zu vermitteln ist.
„Die Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere Termine sind ein Rohrkrepierer. Sie kosten die gesetzlich Versicherten mehr Geld bei schlechterer Leistung."
So das vernichtende Urteil der Linken-Bundestagsabgeordneten Julia-Christina Stange, Sprecherin für ambulante Versorgung. Und man muss ihr in diesem Punkt leider Recht geben. Die Bundesregierung verschließe fest die Augen, anstatt endlich durchzugreifen und zu prüfen, wie sich die Versorgung tatsächlich entwickelt habe.
Zwei-Klassen-Medizin wird zur bitteren Realität
Was diese Zahlen einmal mehr verdeutlichen: Die viel beschworene Zwei-Klassen-Medizin ist längst keine theoretische Befürchtung mehr, sondern gelebte Realität. Während Privatversicherte oft innerhalb weniger Tage einen Termin beim Facharzt ihrer Wahl erhalten, müssen sich Kassenpatienten hinten anstellen. Sechs Wochen Wartezeit können bei ernsthaften Erkrankungen den Unterschied zwischen rechtzeitiger Behandlung und verschleppter Diagnose bedeuten.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor gewaltigen Herausforderungen im Gesundheitsbereich. Doch angesichts der geplanten Schuldenorgien für andere Projekte darf bezweifelt werden, ob die dringend notwendige Reform des Gesundheitssystems die Priorität erhält, die sie verdient. Die Leidtragenden sind wie immer die einfachen Bürger, die brav ihre Beiträge zahlen und dafür immer weniger Gegenleistung erhalten.

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