
Führerschein-Reform: Autoclub zerschlägt Hoffnungen auf günstigere Fahrausbildung

Die vollmundigen Versprechen aus dem Bundesverkehrsministerium entpuppen sich einmal mehr als heiße Luft. Der Auto Club Europa (ACE) hat den Reformplänen von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine ernüchternde Absage erteilt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer auf sinkende Führerscheinkosten hofft, wird bitter enttäuscht werden.
Experten warnen vor falschen Erwartungen
„Dass die Kosten spürbar zurückgehen, ist nicht zu erwarten", erklärte ACE-Experte Marc-Philipp Waschke-Deden gegenüber dem „Stern". Eine Aussage, die wie ein kalter Wasserstrahl auf die Hoffnungen junger Fahrschüler und deren Eltern wirkt. Stattdessen formuliert der Verband ein deutlich bescheideneres Ziel: Die Preise sollen wenigstens nicht weiter explodieren. Ein Armutszeugnis für die deutsche Verkehrspolitik, wenn das Einfrieren astronomischer Kosten bereits als Erfolg gefeiert werden müsste.
Der ACE fordert daher einen direkten staatlichen Zuschuss von 500 Euro für die Fahrausbildung. Eine Forderung, die angesichts der aktuellen Haushaltslage und der Schuldenpolitik der Bundesregierung wohl eher Wunschdenken bleiben dürfte.
Digitalisierung als Allheilmittel? Mitnichten!
Die geplanten Maßnahmen des Ministers klingen zunächst modern und fortschrittlich: Die Präsenzpflicht im Theorieunterricht soll fallen, digitales Lernen ermöglicht werden. Pflichtfahrten könnten teilweise durch Simulatoren ersetzt werden, und nahestehende Personen sollen Fahrschüler bei der praktischen Ausbildung unterstützen dürfen. Transparenz bei Durchfallquoten und Preisen sowie weniger Bürokratie runden das Paket ab.
Doch der ACE mahnt zur Vorsicht. „Gezielte Maßnahmen zur Qualitätssicherung sind erforderlich", betont Waschke-Deden. Die Frage drängt sich auf: Was nützt ein günstigerer Führerschein, wenn die Ausbildungsqualität darunter leidet und die Unfallzahlen steigen?
Das eigentliche Problem wird ignoriert
Besonders scharf kritisiert der Verband, dass Minister Schnieder das fundamentale Problem des Fachkräftemangels in der Fahrschulbranche schlichtweg ausblendet. Unattraktive Arbeitszeiten, fehlende Teilzeitmodelle, ein erschreckend niedriger Frauenanteil und mangelnde Nachwuchswerbung – all diese Faktoren treiben die Preise langfristig nach oben. Statt diese strukturellen Defizite anzugehen, setzt die Politik auf technische Spielereien wie Simulatoren.
„Dieses Problem blendet der Minister bislang aus und setzt stattdessen auf Simulatoren, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen."
Eine typisch deutsche Lösung: Man bekämpft die Symptome, während die Ursachen unberührt bleiben. Das Reformpaket soll im Frühjahr 2026 beschlossen werden – ob es dann tatsächlich Entlastung bringt, darf bezweifelt werden.
Warten lohnt sich nicht
Der ACE rät allen, die einen Führerschein planen, nicht auf bessere Zeiten zu spekulieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es kurzfristig deutlich günstiger werde, sei gering. Eine bittere Pille für junge Menschen, die ohnehin unter steigenden Lebenshaltungskosten, explodierenden Mieten und einer unsicheren wirtschaftlichen Zukunft leiden. Der Führerschein – einst Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit – wird für immer mehr Deutsche zum unerschwinglichen Luxusgut.

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