
Günther-Debatte eskaliert: Lanz und von Storch liefern sich heftigen Schlagabtausch über Pressefreiheit

Was als vermeintlich sachliche Diskussion über Medienregulierung begann, entwickelte sich in der jüngsten Ausgabe von „Markus Lanz" zu einem regelrechten Wortgefecht. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch und der ZDF-Moderator gerieten minutenlang aneinander – im Zentrum: die umstrittenen Äußerungen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther zur Regulierung alternativer Medien.
Der Stein des Anstoßes: Günthers Aussagen zu Nius
Bereits in der vergangenen Woche hatte der CDU-Politiker in derselben Sendung für Aufsehen gesorgt. Günther hatte bestimmte Nachrichtenportale scharf attackiert und ihnen mangelnde journalistische Standards vorgeworfen. „Da stimmt in der Regel nichts drin. Das ist einfach vollkommen faktenfrei", so sein vernichtendes Urteil über Berichte, die ihn betrafen. Mehr noch: Er bezeichnete solche Akteure als „Feinde der Demokratie".
Auf die direkte Frage von Lanz, ob man entsprechende Angebote regulieren, zensieren oder gar verbieten müsse, antwortete der Ministerpräsident mit einem klaren „Ja" – bevor er das Thema auf ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige lenkte. Diese Sequenz sollte noch für erheblichen Zündstoff sorgen.
„Totaler Quatsch" – Lanz geht auf Konfrontationskurs
Von Storch interpretierte Günthers Aussagen als Forderung nach einer möglichen Regulierung oder gar einem Verbot des Onlineportals Nius. Der Moderator reagierte gereizt: „Totaler Quatsch", unterbrach er die Politikerin und wollte wissen, woher sie den entsprechenden Ausschnitt habe. „Auf dem Handy", lautete die wenig präzise Antwort. Ob aus der ZDF-Mediathek oder von anderer Quelle? „Das kann ich Ihnen nicht genau sagen."
Lanz schüttelte mehrfach den Kopf, widersprach vehement: „Nein, nein, nein, nein!" Er habe das Gespräch schließlich selbst geführt, Günther habe „alles nicht gesagt". Der Vorwurf des Moderators wog schwer: Von Storch verbreite „Fake News".
Der Originalausschnitt bringt Klarheit – oder auch nicht
Nach einem chaotischen Hin und Her wurde schließlich der Originalausschnitt eingespielt. Von Storch räumte daraufhin ein, den Zusammenhang missverstanden zu haben. Doch Lanz ging noch einen Schritt weiter: Er präsentierte einen Videoschnipsel des kritisierten Portals, in dem Günthers Aussagen offenbar verkürzt zusammengeschnitten worden waren.
Bemerkenswert ist dabei Lanz' eigene Einschätzung: Die entstandene Debatte sei auch deshalb so groß geworden, „weil interessierte Kreise diese Debatte gerne hätten". Wer diese Kreise sein sollen, ließ er wohlweislich offen.
Günthers Gratwanderung zwischen Pressefreiheit und Regulierungswunsch
Der Ministerpräsident selbst versuchte nach der Ausstrahlung zu beschwichtigen. „JA zur Meinungs- und Pressefreiheit", betonte er in einer Stellungnahme. Gleichzeitig schob er nach: „Stimmungsmache ist keine Berichterstattung. Nicht überall, wo Journalismus draufsteht, ist auch Journalismus drin."
Diese Aussage offenbart das eigentliche Problem: Wer entscheidet, was „echten" Journalismus ausmacht und was nicht? Wer definiert die Grenze zwischen kritischer Berichterstattung und „Stimmungsmache"? In einer Zeit, in der das Vertrauen in etablierte Medien bei vielen Bürgern ohnehin erschüttert ist, wirken solche Forderungen nach Regulierung wie ein gefährlicher Eingriff in die Meinungsvielfalt.
Die Debatte zeigt einmal mehr, wie dünn das Eis geworden ist, auf dem sich die politische Diskussion in Deutschland bewegt. Wenn ein Ministerpräsident öffentlich über die Regulierung missliebiger Medien nachdenkt und ein öffentlich-rechtlicher Moderator Kritik daran als „Fake News" abtut, sollten bei jedem freiheitsliebenden Bürger die Alarmglocken schrillen.
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