
Hirschhausens Nazi-Keule: Wenn der TV-Doktor zur moralischen Brechstange greift

Auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica hat sich Eckart von Hirschhausen, hierzulande bekannt als Gesundheits-Entertainer aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, zu einem rhetorischen Tabubruch hinreißen lassen, der selbst in Zeiten zunehmend hysterischer politischer Debatten noch erstaunt. Der promovierte Mediziner setzte die schulpolitische Kritik der AfD an der Inklusion mit den industriell organisierten Krankenmorden des Dritten Reiches gleich. Eine Gleichsetzung, die nicht nur historisch unredlich, sondern ein Schlag ins Gesicht jedes Opfers der nationalsozialistischen "Aktion T4" ist.
Vom Gitarrenlehrer zur Euthanasie – ein dramaturgischer Kunstgriff
Hirschhausen eröffnete seinen Auftritt mit einer persönlichen Anekdote über seinen Gitarrenlehrer, den Holocaust-Überlebenden Coco Schumann. Daran knüpfte er nahtlos die Brücke zur Gegenwart: Das Deutsche Institut für Menschenrechte, eine Einrichtung, deren politische Schlagseite bekannt sein dürfte, habe die AfD als Gefahr für Menschen mit Behinderungen eingestuft. Dann griff Hirschhausen, ohne Björn Höcke namentlich zu nennen, dessen Äußerung auf, Inklusion sei "ein Ideologieprojekt, das unsere Schüler nicht weiterbringt oder leistungsfähiger macht".
Die Schlussfolgerung des TV-Doktors gipfelte in der Suggestion, eine Partei, die jeder vierte Deutsche mittlerweile für wählbar halte, wolle die Einteilung in "lebenswertes" und "lebensunwertes" Leben wieder hoffähig machen. Eine Behauptung, die in ihrer moralischen Wucht ebenso erschütternd wie sachlich abwegig ist.
Schulpolitische Sachdebatte vs. Massenmord – eine ungeheuerliche Gleichsetzung
Wer auch nur einen Funken historischer Bildung besitzt, weiß: Die "Aktion T4" der Nationalsozialisten kostete über 70.000 Menschen das Leben, darunter 5.000 Kleinkinder und Säuglinge. Diese Verbrechen mit einer schulpolitischen Diskussion über die Sinnhaftigkeit gemeinsamer Beschulung in Regelklassen zu vergleichen, sei – das müsse einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden – eine Banalisierung des Holocausts durch die Hintertür.
Die Debatte über Inklusion ist eine sachliche, pädagogische und bildungspolitische Frage. Selbst Lehrerverbände, Eltern und Bildungsforscher äußern seit Jahren Bedenken, ob das Konzept in seiner heutigen Form Kindern mit besonderem Förderbedarf wirklich gerecht werde – und ob Regelschulkinder darunter litten. Wer diese berechtigte Diskussion führt, sei nicht automatisch ein Wiedergänger der nationalsozialistischen Mordmaschinerie. Doch wer differenzieren kann, hat es in der hochmoralischen Theaterkulisse der re:publica offenbar schwer.
Der politisch-medialer Komplex und seine Lieblings-Stilfigur
Der Vorfall reiht sich nahtlos ein in eine inzwischen geradezu reflexhafte Praxis hierzulande: Jede unliebsame politische Position aus dem konservativ-rechten Spektrum werde umgehend in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt. Diese Strategie habe Methode. Sie ersetze Argumente durch Empörung, Debatte durch Diffamierung, Auseinandersetzung durch Ausgrenzung. Und sie funktioniere – zumindest in den Echokammern der grün-linken Bubble, die sich auf Veranstaltungen wie der re:publica selbst feiert.
Pikant: Hirschhausen, der während der Corona-Zeit als einer der lautesten Befürworter rigider Impfmaßnahmen und Zwangsmaßnahmen agierte, mahnt nun andere zu menschenfreundlichem Verhalten. Mancher Kommentator unter dem Originalartikel erinnert sich noch lebhaft daran, mit welcher Vehemenz der TV-Mediziner damals Andersdenkende diskreditierte.
"Meta-stasen" – wenn der Wortwitz zur Demaskierung wird
Auch der zweite Teil von Hirschhausens Auftritt, in dem es um Deepfakes und seine Kritik an Social-Media-Konzernen ging, verriet einiges über die rhetorische Disposition des Redners. Den Meta-Konzern verglich er kalauernd mit Krebsmetastasen – "Meta-stasen". Solche Wortspiele mögen in einer Comedy-Show ihren Platz haben, in einer ernsthaften gesellschaftspolitischen Debatte zeigen sie vor allem eines: die Verflachung des Diskurses zugunsten medienwirksamer Pointen.
Wie genau Facebook, Instagram und Co. die Demokratie gefährden sollen, blieb Hirschhausen schuldig. Es genüge offenbar, einen Feind zu benennen, das Publikum klatscht ohnehin. Diese Mechanik kenne man auch aus den Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, in denen Hirschhausen seit Jahren als gerngesehener Stammgast fungiert.
Was bleibt? Ein bedenkliches Bild des öffentlichen Diskurses
Der Auftritt auf der re:publica ist symptomatisch für den Zustand der politischen Auseinandersetzung in Deutschland. Statt sich mit den Argumenten der politischen Konkurrenz inhaltlich auseinanderzusetzen, werde die Nazi-Keule geschwungen – und zwar mit der Selbstverständlichkeit, mit der man früher das Wetter erörterte. Dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung sich von solchen Methoden inzwischen abwende und genau jene Parteien wähle, die so brachial diffamiert würden, scheint im Selbstverständnis der berlinerischen Diskurselite nicht anzukommen.
Vielleicht aber liegt genau darin der eigentliche Skandal: Nicht die AfD habe ein Problem mit ihrer Wählerschaft, sondern eine selbstreferenzielle Klasse von Meinungsmachern habe ein Problem damit, dass ihr moralisches Monopol bröckele. Wer jeden vierten Deutschen pauschal in die Nähe von Massenmördern rücke, der habe den demokratischen Diskurs nicht verstanden – sondern bereits aufgegeben.

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